Gastro-Öffnung: „So wie es war, wird es nicht mehr“. Das erste Wochenende blieb für die Gastro unter den Erwartungen.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 20. Mai 2020 (05:12)
Die Vitrinen fürs große Buffet bleiben leer, die Gäste bleiben aus. Horst und Erika Bischof überlegen bereits neue Konzepte.
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Nur auf den ersten Blick sieht es in der ersten Gaststube der Dorfschenke aus wie immer. Bei näherer Betrachtung ist zu erkennen, dass zwischen den Gästen viel Platz ist. „Rund ein Drittel der Tische ist weg“, erklärt Wirtin Erika Bischof. Doch die Stammgäste haben sich gefreut, dass das Lokal in Oberzögersdorf am 15. Mai wieder aufsperren durfte.

Die Einschränkungen für die Gastronomie betreffen aber nicht nur die Abstände der Tische: Buffets sind untersagt, und dafür war das Lokal bekannt. Das wirkt sich auch auf die Besucherzahlen aus. „Einziger Gast im Garten ist eine blaue Holzbiene“, so Erika Bischof. Im großen Saal mit dutzenden Tischen war Samstagmittag nur ein einziger besetzt – von vier Stammgästen.

Großer Saal – kleiner Andrang: Die vier Gäste verloren sich geradezu in dem großen Speisesaal in der Dorfschenke in Oberzögersdorf.
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Problematisch ist, dass auch Feiern nicht möglich sind. Das macht laut Bischof einen großen Verdienstentgang für den Familienbetrieb aus. Auch die Reisebusse, eine weitere wichtige Einnahmequelle, fehlen. „Die Veranstalter sind sehr vorsichtig, es gibt eher Absagen als Buchungen“, so Bischof. Dies wirkt sich auf die Öffnungszeiten aus: Geöffnet ist bis 15 Uhr, nur am Freitag und Samstag wird auch am Abend aufgesperrt.

Ob es dabei bleibt, ist noch nicht sicher. Bischof: „Wir schauen einmal, wie es unter der Woche wird.“ Die Buchungen für Sonntag versprachen nichts Gutes, denn nur sechs Tische waren reserviert. Erika und Gatte Horst Bischof orten aber auch ein geändertes Verhalten der Konsumenten. Nachdem es kein All-In-Buffet gibt, wird genauer gerechnet. „Dann wird keine Suppe bestellt oder kein Nachtisch“, erklären beide.

Durch die Öffnung sind die Kosten für den Betrieb wieder so hoch wie vor dem Lockdown, „der Umsatz macht aber maximal ein Drittel von früher aus“, rechnet Horst Bischof. Dabei macht das Abholservice rund 50 Prozent des Gesamtumsatzes aus, allerdings fällt dabei auch der Getränkekonsum weg.

Laut Horst Bischof haben die zwei Monate Schließzeit zu einem Umdenken bei den Menschen geführt: „Die Leute sind es gewohnt, daheim zu sein, haben sich darauf eingestellt, weniger auszugehen und mehr selber zu kochen. Und bei Schönwetter wird im Garten gegrillt.“ Der Restaurantbesuch sei den Menschen derzeit nicht besonders wichtig. „So wie es war, so wird es nicht mehr“, beschreibt Gastwirt Bischof die Situation für seine Branche.

„Wäre das in fünf Jahren passiert – wir hätten nicht mehr aufgesperrt, sondern wären in Pension gegangen“, lautet seine Bilanz der vergangenen Wochen. Gattin Erika zeigt sich optimistischer: „Wir werden bis Ende August schauen, wie das Geschäft geht.“ Und je nachdem, welche Lockerungen noch möglich sind, will man in der Dorfschenke mit den Angeboten kreativ sein, verspricht die Wirtin.

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