Gesetzesänderung: Jugendschutz wird strenger. Für Jugendliche unter 18 Jahren sind Schnaps und Tabak seit Jahresbeginn tabu.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 03. Januar 2019 (05:19)
Symbolbild

Mit der Änderung des Jugendschutzgesetzes dürfen seit Jahresbeginn Spirituosen und Tabak nicht an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft werden.

Die ehemalige Landesgremialobfrau für Tabaktrafikanten Niederösterreich Gabriele Trinkl ist mit der geänderten Altersgrenze grundsätzlich einverstanden. Sie kritisiert aber die Umsetzung ohne Übergangsfristen. „Über Nacht darf man plötzlich einem 17-jährigen Raucher keine Zigaretten verkaufen“, beschreibt sie die Situation seit 1. Jänner. Die Folge werde wohl sein, dass sich die betroffene Altersgruppe entweder an ältere Raucher wendet, um versorgt zu werden, oder sich im nahen Ausland mit den Glimmstängeln eindeckt.

Im täglichen Betrieb werde sich die Änderung des Jugendschutzgesetzes nicht sehr stark auswirken, glaubt Hermann Maringer, der in Hausleiten eine „Tabakvertriebsstelle“ betreibt. Rund 90 Prozent sind Stammkunden, „und die anderen leben meist ganz automatisch einen Ausweis vor“. Zudem werden die Verkaufsstellen auch regelmäßig von Mystery-Shoppern getestet, ob sie die Bestimmungen einhalten – „Auch deshalb passen wir genau auf!“

"Ein Großteil der Jugendlichen ist sehr vernünftig"

Anders sieht es bei den Zigarettenautomaten aus: Diese benötigten ein anderes Modem, die Kosten müssen die Trafikanten berappen. Dies gilt übrigens auch für jede Altersabfrage beim Automaten; dabei fallen Gebühren für die Trafikanten an.

Im Bezirkspolizeikommando sieht man den Änderungen gelassen entgegen. Chefinspektor Alois Schnaitt attestiert der betroffenen Altersgruppe ausreichend Selbstverantwortung, „ein Großteil der Jugendlichen ist sehr vernünftig“. Generell können die Beamten nur im Anlassfall einschreiten, wenn ein Jugendlicher als betrunken auffällt oder ein Raucher zu jung wirkt. Diese Fälle werden dann zur Anzeige gebracht – natürlich auch mit Konsequenzen für die Verkäufer von Schnaps oder Zigaretten.

Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz waren laut Schnaitt aber auch in den vergangenen Jahren im Bezirk „kein großes Thema“. Auch Veranstalter von Partys, bei denen Hochprozentiges ausgeschenkt wird, hatten zumeist ein Alterslimit von 16 Jahren eingezogen, um auf der sicheren Seite zu sein. Für Schnaitt ist es auch durchaus möglich, dass diese Veranstalter das Limit nun angleichen und nach oben setzen.

Altersgrenze erhöht: "Vernünftig und überfällig“

Dass die Altersgrenze für Spirituosen auf 18 Jahre erhöht wurde, „ist vernünftig und war überfällig“, erklärt Horst Rötzer. In seinem Ice & Snack in Stockerau wird das Alterslimit auch rigoros eingehalten. Das erwartet er aber nicht nur von der Gastronomie, sondern auch von allen Geschäften, die Spirituosen verkaufen dürfen.

Für die QUBE Music Lounge in Korneuburg wird die Änderung „aus unserer Sicht völlig unproblematisch sein, weil das Publikum bei uns verhältnismäßig älter ist“, so Philipp Seifert. Es habe kaum junge Gäste im Lokal gegeben, „und Spirituosen haben wir auch bisher immer erst ab 18 Jahren ausgeschenkt“, beschreibt Seifert die geübte Praxis.

Betroffen von der Änderung sind auch die boomenden Hanfshops, die ihre „CBD-Zigaretten“ nun nicht mehr an unter 18-Jährige verkaufen dürfen. Für Christoph Gruber, zuständig für High Life Grow in Stockerau, ergibt sich dadurch aber kein Problem: „Wir haben das immer schon so gehandhabt, dass wir die Produkte erst an Personen ab 18 Jahren verkauft haben.“ Diese Altersgrenze habe man auch wegen der Eltern der Kunden so hoch festgesetzt gehabt.

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