Homöopathie: „Heilerfolge können kein Irrtum sein“. Die einen schwören darauf, andere verteufeln die Homöopathie. Die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz hat mit der Forderung, den Verkauf homöopathischer Arzneimittel in Apotheken zu verbieten, für Aufregung gesorgt. Diese Mittel seien nicht wirksam, begründet Pilz ihre Aussage. Die NÖN fragte Mediziner und Apotheker im Bezirk, was sie darüber denken.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 12. Dezember 2018 (04:00)
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„Als hätten wir keine anderen Probleme im Gesundheitswesen!“, ärgert sich Bezirksärztevertreterin Martina Hasenhündl über die Diskussion. Homöopathie sieht sie als „moderates Mittel zur Therapie“ mit gewissem Placeboeffekt. Dazu gehöre die begleitende Kontrolle, falls die Mittel nicht den gewünschten Erfolg bringen. Deshalb ist es für Hasenhündl sinnvoll, „dass Homöopathie in Händen der Ärzte ist“.

Homöopathische Mittel sollten zudem nur in Apotheken abgegeben werden, erklärt Daniel Danninger von der Rohrwaldapotheke Leobendorf. Schließlich seien „über 50.000 Mittel zugelassen. Da sollte man bei der Anwendung schon über pharmazeutisches Wissen verfügen.“ Deutlicher wird Sophia Fleschurz von der Apotheke Ernstbrunn: „Nicht alle Präparate sind harmlos!“

„Als sinnvolle Kombination zur Schulmedizin wäre gegen Homöopathie nichts einzuwenden. Allerdings sollte man nicht eigenmächtig handeln.“Ewald Prießnitz, Allgemeinmediziner

Wer auf Homöopathie statt auf konventionelle Medikamente setzt, sollte keinesfalls eine Selbstbehandlung durchführen. „Man muss auf Homöopathen oder ausgebildete Ärzte vertrauen. Eine Fachausbildung ist einfach nötig“, mahnt Fleschurz. Oft würden die falschen Mittel genommen – und dann über Wirkungslosigkeit geschimpft.

„Ich verspreche keinem, dass es wirkt“, sagt Danninger. In der Praxis seien aber durchaus Erfolge zu sehen: „Einem Säugling etwa kann ich nichts einreden. Wenn es ihm besser geht, dann hat die Homöopathie geholfen!“ Nicht ohne Grund würden in Frankreich homöopathische Produkte von der Krankenkasse gezahlt. In Österreich hinke aber die Forschung wohl hinterher, so Danninger.

Wie groß das Sortiment in der Apotheke ist, hängt in erster Linie vom Umfeld im Bezirk ab. „Jüngere, Schwangere und Stillende greifen tendenziell eher zu homöopathischen Präparaten“, weiß Danninger. Der Trend zu alternativen Mitteln hänge stark von der Ärzteschaft in der Umgebung ab. Dies bestätigt auch Sophia Fleschurz.

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Dementsprechend „haben wir natürlich ein Grundsortiment der gängigsten Mittel da, komplexere gibt es auf Bestellung“, erklärt Danninger.

In Ernstbrunn wird das Lager für homöopathische Mittel hingegen immer größer. Es sei aber zu sehen, dass viele Patienten bei harmloseren Erkrankungen erst „leichte“ homöopathische Mittel einsetzen, bevor sie noch zu „starken“ Medikamenten greifen.

„Ich finde die Entwicklung schade, denn ich sehe jeden Tag in der Ordination, wie viel ich mit der Homöopathie helfen kann“, erklärt Allgemeinmedizinerin Elisabeth Kerbl-Seidelberger aus Langenzersdorf. Gerade in Zeiten, in denen sich die Antibiotika-Resistenz zu einem immer größer werdenden Problem entwickelt, könnten mit homöopathischen Mitteln gleiche Erfolge erzielt werden.

„Homöopathie wird seit über 200 Jahren erfolgreich angewendet“, erinnert Kerstin Fuchsbauer, Energetikerin aus Stetteldorf. Unabhängig davon, ob man daran glaube oder nicht – „so viele Heilerfolge können kein Placebo und kein Irrtum sein“.

„Wenn es eine sinnvolle Kombination zur Schulmedizin ist, wäre gegen die Homöopathie nichts einzuwenden. Allerdings sollte man nicht eigenmächtig handeln, sondern immer nach Absprache mit einem Arzt“, mahnt Ewald Prießnitz, Allgemeinmediziner aus Korneuburg.

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