Hunde und Katzen als Lockdown-Therapie. Viele Menschen im Bezirk Korneuburg holen sich einen vierbeinigen Freund aus dem Tierheim, um die Zeit daheim besser überstehen zu können.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 03. Februar 2021 (04:41)
„Katzentant“ Ruth Klösch aus Langenzersdorf freut sich: „Derzeit keine Katzen in Vermittlung.“
privat

Durch Lockdown und Homeoffice kommen offenbar mehr Menschen auf Hund und Katz’. Die NÖN hat bei Tierschützern nachgefragt, wie groß das Inte resse in Coronazeiten ist.

Die Nachfrage ist bei Birgit Prohaska, der Obfrau des Tierschutzvereins Welpennesterl aus Korneuburg, gestiegen. „Ich bin im Homeoffice“ oder „Mir ist fad“ bekommt Prohaska als Grund genannt, warum man sich einen Hund holen will. „Ich denke, dass diese Menschen auf der Suche nach einer Beschäftigung sind“, so die Tierschützerin. Der Wohnungsgenosse solle dann wohl auch bei psychischen Problemen helfen, die durch den Lockdown entstehen können.

Vor drei Wochen hatte Prohaska ein Bild von einer Hündin und fünf neugeborenen Welpen gepostet, „dann ist das Telefon tagelang nicht stillgestanden, es gab über 200 Anfragen“. Dies zeige, wie groß der Wunsch nach einem vierbeinigen Freund ist.

Kein Plan für Zeit nach dem Lockdown

Viele Interessenten hätten aber keinen Plan für die Zeit nach dem Lockdown, wenn sie tagsüber nicht mehr daheim sind. „Ich fürchte, dass dann vermehrt Hunde abgegeben werden“, so die Tierschützerin. So mancher wisse allerdings, dass sein Arbeitgeber Homeoffice dauerhaft beibehalten will, das mache die Tiervergabe einfacher.

Eine Übergabe des Tieres gibt es derzeit nicht, da wird das Ende des Lockdowns abgewartet. Bis dahin werden die Hunde im Welpennesterl verköstigt. Dort haben die Corona-Maßnahmen für ein dickes Minus gesorgt: Bei einer Weihnachtsaktion wurde zwar sehr großzügig gespendet, alle anderen Aktivitäten wie Flohmärkte mussten aber abgesagt werden.

Als „Katzentant“ ist Ruth Klösch aus Langenzersdorf bekannt. Auch sie hat während der Lockdowns eine verstärkte Nachfrage registriert. Zumeist werde nach Kitten gefragt. Gerade da kann Klösch nicht helfen: „Ich habe derzeit keine Katzen in Vermittlung.“ Hochzeit für Katzennachwuchs ist der Frühling, besonders die Monate April und Mai.

Die Anforderungen an einen Vergabeplatz sind auch in Corona-Zeiten unverändert geblieben: Fenster müssen mit Katzengitter gesichert sein, Kitten werden nur paarweise vergeben. Zudem wird bei der Abgabe eine Schutzgebühr verlangt, denn die Tiere werden geimpft, entwurmt und gechipt. Bei einem Pärchen kommen da 180 Euro zusammen, da trennt sich dann die Spreu vom Weizen der Katzenliebhaber. „Viele schrecken vor der Gebühr zurück“, so Klösch. Wesentlich unproblematischer als bei Hunden ist es laut der Katzentant aber, wenn die Tiere den ganzen Tag über allein daheim sind: „Katzen schlafen ja sehr viel und zu zweit können sie auch spielen.“

Mehr abgegebenen oder ausgesetzten Vierbeiner

Elisabeth Kern leitet die Tierhilfe Gerasdorf. Bei ihr häufen sich seit Monaten nicht nur die Anfragen nach einem Tier, auch die Zahl der abgegebenen oder ausgesetzten Vierbeiner steigt. Bevor sie ein Tier vergibt, schaut sie sich die Interessenten genau an, „mit Maske und Abstand ist das möglich“. Und immer müsse auch gefragt werden: „Was ist nach dem Lockdown?“

Problematisch ist laut Kern, dass viele Tiere nicht mehr gehalten werden können. „Oft werden sie aus wirtschaftlichen Gründen ausgesetzt, weil sich die Halter das Futter nicht leisten können“, so die Tierschützerin. Aber auch beim Umzug in ein Seniorenheim bleiben Hunde und Katzen auf der Strecke.

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