Jäger öfter auf Pirsch. Wegen Lockdown und Homeoffice haben Jäger im Bezirk Korneuburg mehr Zeit für ihr Revier. Sportschützen stehen vor verschlossenen Schießanlagen.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 13. Januar 2021 (04:00)
Jäger haben bei Hermann Bauer deutlich mehr in ihr Hobby investiert. Sportschützen hingegen leiden unter gesperrten Schießständen.
privat

Die Lockdowns haben im vergangenen Jahr dazu geführt, dass Jäger viel mehr Zeit in den Revieren verbrachten. Schießplätze hingegen sind über viele Monate gesperrt gewesen. Die NÖN hat nachgefragt, wie sich das auf die Waffenzulassungen im Bezirk ausgewirkt hat.

Laut Bezirkshauptmannschaft gab es im vergangenen Jahr einen Bestand von 6.902 Waffen der Kategorie B, das sind Faustfeuerwaffen und halbautomatische Langwaffen. Zu 2019 ist das ein Plus von 377 Stück. Bei allen anderen Langwaffen ist der Zuwachs 277 Stück.

„Das Interesse an der Jagd ist groß, im Vorjahr gab es allein im Bezirk rund 37 Jungjäger.“ Andreas Arbesser, Bezirksjägermeister, Langenzersdorf

„Letztes Jahr war ein gutes Jahr bei den Jägern“, heißt es von der Jagdstube Bauer in Stockerau. Denn laut Besitzer Hermann Bauer konnten sie öfter ins Revier, so mancher hat auch geplante Käufe vorgezogen. Allerdings sei es zumeist die Ausrüstung gewesen, in die die Jägerschaft investiert hat. Beliebt waren Nachtsichtgeräte und legale Schalldämpfer.

„Das Interesse an der Jagd ist groß, im Vorjahr gab es allein im Bezirk rund 37 Jungjäger“, bestätigt Bezirksjägermeister und ÖVP-Bürgermeister von Langenzersdorf Andreas Arbesser die verstärkten Pirschgänge. Erfreulich findet Arbesser den steigenden Frauenanteil unter den rund 1.400 Besitzern eines Jagdscheins im Bezirk.

Dieses geänderte Verhalten ist aber kaum der Grund für das Plus bei den Langwaffen, sind sich Bauer und Arbesser einig. Verantwortlich sei die Abschaffung der Waffenkategorie D. „Bis zum Jahresende müssen auch Gewehre mit glatten Läufen ohne Züge, die vor 2013 verkauft wurden, in der Kategorie C registriert werden“, erklärt Bauer. Zusätzlich gebe es auch Funde bei Erbschaften und Räumungen, die dann erstmals im Zentralen Waffenregister (ZWR) erfasst werden.

Auch bei den gestiegenen Zahlen bei Faustfeuerwaffen sehen die beiden Experten Arbesser und Bauer eine gesetzliche Änderung als Auslöser. So dürfen Jäger, die auch über eine Waffenbesitzkarte verfügen, auf der Pirsch auch eine Faustfeuerwaffe für Fangschüsse führen – also geladen eingesteckt tragen.

Anders als die Jäger waren die Sportschützen über viele Wochen zur Untätigkeit verurteilt. Entsprechend wurde auch weniger Munition verkauft. In diesem Bereich erwartet Bauer „einen massiven Einbruch, denn in schwierigen Zeiten spart man eben beim Hobby“. Allerdings sei vor dem ersten Lockdown deutlich zu sehen gewesen, dass viele Menschen große Angst vor der Zukunft und vor möglichen Missständen haben, so Bauer. Er erinnert sich: „Am Freitag, 13. März, sind die Menschen bis auf die Straße gestanden!“ Waffenbesitzer haben Munition gekauft. Viele Kunden wollten Gewehre der Kategorien C erwerben, die ab 18 Jahren nach einer dreitägigen Abkühlphase ohne weitere Verzögerungen erworben werden dürfen.

Vorsicht und Angst sind die Gründe, warum Menschen Sicherheitsprodukte kaufen, die sie auch bei sich tragen dürfen. Kunden von Bauer erstehen etwa einen Taschenalarm, um mögliche Angreifer vertreiben zu können. Pfeffersprays hingegen sind besonders unter Joggern beliebt – als mögliche Hundeabwehr. „Die Kunden fühlen sich halt sicherer“, so Bauer.

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