Jungfamilien haben Tendenz zum Auto. Familien aus Spillern und Langenzersdorf sollen ein halbes Jahr lang ihre Mobilität im Alltag dokumentieren.

Von Veronika Löwenstein. Erstellt am 04. Juli 2018 (05:00)
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Gaben den Startschuss für das Projekt „ANFANG“: Sonja Eder von der Leader-Region Donauraum-Weinviertel, Josef Waygand, Vizebürgermeister von Langenzersdorf, Thomas Speigner, Bürgermeister von Spillern, Elisabeth Füssl von Factum, Elisabeth Raser von der Boku, Ralf Risser und Karin Ausserer von Factum sowie Mailin Gaupp-Berghausen von der Boku (v.l.).

Mit der Geburt eines Kindes ändert sich in vielen Jungfamilien oft das Mobilitätsverhalten. Strecken, die vorher mit dem Fahrrad bewältigt wurden, werden ab diesem Zeitpunkt mit dem Auto zurückgelegt. Diesem Phänomen geht jetzt das Forschungsprojekt „ANFANG“ auf den Grund. Die Gemeinden Langenzersdorf und Spillern nehmen an dem Projekt teil.

Eine Projektgruppe der Universität für Bodenkultur in Wien und Factum OG, eine private Forschungseinrichtung, wollen herausfinden, wie man nachhaltige Mobilität auch nach einem Lebenswendepunkt – wie der Geburt eines Kindes – aufrecht erhalten kann.

„Während im städtischen Raum das öffentliche Verkehrsnetz dicht ausgebaut ist, ist die Situation im Speckgürtel schon sehr viel krasser“, erläutert Elisabeth Füssl von Factum, warum der Bezirk Korneuburg als Forschungsort ausgewählt wurde. Konkret sollen fünf bis sieben Familien pro Gemeinde begleitet werden.

„Im Alltag soll das Erledigen von Wegen zu Fuß, mit dem Rad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln erleichtert werden.“Sonja Eder, Leader-Region

„Wir suchen Familien, die in nächster Zeit ein Kind bekommen oder gerade eines bekommen haben“, erklärt Füssl die Anforderungen. Wobei sie beruhigt: „Wir spielen nicht Big Brother.“ Die Familien müssten sich lediglich für Interviews bereitstellen bzw. ihre Motivation für bestimmte Fortbewegungsmittel dokumentieren. Ein halbes Jahr werden sie ab Beginn des Jahres 2019 so durch ihren Alltag „begleitet“. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum nicht öfters auf die „Öffis“ zurückgegriffen wird. „Fehlt der Komfortanreiz oder gibt es gedankliche Barrieren?“, stellt Füssl die Frage in den Raum.

Der Startschuss für „ANFANG“ fiel diesen Juni. Die Leader-Region Weinviertel-Donauraum unterstützt das Projekt. Am Ende sollen Maßnahmen erarbeitet werden, wie man speziell für Familien mit Kleinkindern die nachhaltige Mobilität fördern kann. „Für wesentlich halten wir, dass die sinnvollen Verbesserungsvorschläge, die aus dem Projekt resultieren, dann in der Praxis umgesetzt werden“, so Sonja Eder von der Leader-Region Weinviertel-Donauraum. Familien wären dann weniger auf die Nutzung eines Pkws angewiesen, „und Kinder lernen, aktiv und umweltbewusst am öffentlichen Verkehr teilzunehmen.“

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