Kfz-Neuzulassungen: Diesel ist noch nicht geschlagen. Elektroantriebe haben bei den Kunden noch Startschwierigkeiten.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 22. Januar 2020 (05:41)
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Zu Spitzenzeiten um die Jahrtausendwende waren fast 80 Prozent der neu zugelassenen Pkw Dieselfahrzeuge. Dieser Boom ist vorbei, das bestätigen auch die Händler auf NÖN-Anfrage.

NOEN

Im Bezirk gab es vergangenes Jahr 3.037 Neuzulassungen; 124 Pkw hatten einen Elektroantrieb, bei Erdgas- und Hybridantrieben waren es sogar 136. Die „Volumensmodelle“ mit Elektroantrieb stehen zumeist noch in den Startlöchern und werden von einigen der Marktführer erst im Laufe des Jahres angeboten. Eine breite Angebotspalette zum Preis von Diesel- oder Benzinfahrzeugen sehen die Händler als Voraussetzung für mehr Interesse an Elektrofahrzeugen.

„Ein Diesel ist im Verbrauch nach wie vor sparsam“, erinnert Karl Strauß vom gleichnamigen Autohaus in Stockerau. Zudem zeige das Käuferverhalten: „Elektro – das ist Theorie, aber noch nicht die Praxis.“

HerwigSchallgruber: „Bei großen Fahrzeugen sind Dieselinteressant.“
privat

Auch Herwig Schallgruber, Vertriebsleiter in seinem Stockerauer Betrieb, ist überzeugt, dass bei großen Fahrzeugen nach wie vor der Diesel interessant ist. Kleinfahrzeuge gibt es jedoch großteils nur noch als Benziner.

„Diesel gehen speziell in den kleinen Klassen zurück, zum Teil gibt es keine mehr im Angebot“, weiß auch Martin Schwarz, Geschäftsführer von S.K.L. Schwarz in Korneuburg. Das bestätigt auch Alexander Artlieb, Geschäftsführer von Spreng in Stockerau. Grundsätzlich sei bei kleineren Modellen und für Wenigfahrer der Benzinmotor die günstigere Antriebsart.

Für Reinhard Pesek, der seinen Betrieb ebenfalls in Stockerau hat, wurden die Kunden durch die Politik verunsichert und wüssten zum Teil nicht, für welche Antriebsart sie sich entscheiden sollen. „Eher geht der Trend von Diesel zu Benzin.“

„Die Tendenz zu Elektrofahrzeugen ist noch nicht greifbar“, erklärt Jochen Fürst, bei Dangl & Dietrich in Korneuburg für den Verkauf zuständig. Allerdings gebe es schon viele Anfragen, „die Welle ist im Anrollen.“

Auch für Pesek sind Elektrofahrzeuge noch kein großes Thema, denn „jeder will 400 Kilometer Reichweite, fährt aber nicht einmal 100 Kilometer“. Zudem können die Preisunterschiede zwischen gleichwertigen Modellen mit herkömmlichem Antrieb oder Elektromotor einige tausend Euro ausmachen. Pesek: „Elektro ist zu 90 Prozent Firmenkundschaft, da wird mit Abschreibungen und Steuervorteilen kalkuliert.“ Das konnte auch Schallgruber beobachten, Firmen kalkulieren dann auch mit den günstigeren Servicekosten.

AlexanderArtlieb:„Kunden fragen oft ganz gezielt nach Jungwagen.“
privat

Grundsätzlich seien die Kunden an umweltschonenden Elektroantrieben durchaus interessiert, erklärt Artlieb, „nutzen sollten ihn aber die anderen, selbst wollen sie Diesel oder Benzin fahren.“

Gestiegen ist die Nachfrage nach Gebrauchtwagen. Speziell bei den SUV ist laut Fürst das Interesse hoch, das Segment boomt. Bei älteren Gebrauchten komme allerdings kaum gute Ware zurück, es werde meist privat verkauft. Diesen Engpass bestätigt auch Schwarz: „Am Markt gibt es zu wenig Gebrauchte.“

Laut Artlieb „fragen Kunden auch ganz gezielt nach Jungwagen, wenn ihnen bestimmte Ausstattungsmerkmale nicht so wichtig sind.“ Diesen Trend bestätigt auch Schallgruber, allerdings sei bereits zu erkennen, dass Hersteller vom System der Jungwagen und Tageszulassungen wieder abgehen.

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