Bezirk Korneuburg

Erstellt am 20. Februar 2019, 06:05

von Veronika Löwenstein

Krätzmilbe auf dem Vormarsch: Kritik an Info-Politik. Betroffener im Bezirk Korneuburg bemängelt Schweigen über Krätze- Fälle. Sanitätsdirektion kündigt Schreiben an.

Optisch äußert sich ein Krätzmilbenbefall durch stecknadelgroße Bläschen und Knötchen.  |  Shutterstock/photomystery

Sie ist nur 0,3 bis 0,5 Millimeter groß, aber äußerst gefürchtet. Die Rede ist von der Krätzmilbe (Skabies), die derzeit auch in Korneuburg gehäuft auftritt. Beide Apotheken der Stadt registrierten in den letzten Wochen und Monaten eine verstärkte Nachfrage nach der entsprechenden Creme gegen die Hautkrankheit, bei der sich die Milbe in die obersten Hautschichten bohrt und dort vier bis fünf Wochen nach der Ansteckung für Juckreiz und Brennen sorgt.

„Wenn wir von der Krätze-Epidemie in Korneuburg gewusst hätten, wären wir
natürlich viel eher zum Arzt gegangen“Ein Betroffener

Im letzten Monat sei die Nachfrage nach der Salbe enorm angestiegen, erzählt die Apothekerin aus der Paracelsus Apotheke. In der Apotheke Zum schwarzen Adler stellt man schon seit Mitte des letzten Jahres einen überdurchschnittlichen Absatz des Medikaments fest. Zwar sei die Salbe auch in den letzten Jahren vereinzelt nachgefragt gewesen, jedoch nie in dieser Intensität.

Da die Krankheit nicht meldepflichtig ist, gibt es auch keine Zahlen. „Wir haben aber Anfragen und auch eine Meldung von einem Arzt bekommen“, weiß auch Bezirkshauptfrau Waltraud Müllner-Toifl von Skabies-Fällen im Bezirk.

Die Krätzmilbe gräbt bis zu zweieinhalb Zentimeter lange Gänge in die Haut, wo sie Eier und Kot ablegt. Die Haut reagiert mit Brennen und Juckreiz, der besonders nachtsauftritt.  |  Shutterstock/Sebastian Kaulitzki

Ein Betroffener aus Korneuburg ärgert sich, dass die Öffentlichkeit nicht über die „Krätze-Epidemie“ informiert wurde. Die ersten Symptome beim Enkelkind hätte man als Hautirritation gedeutet. „Wenn wir von der Krätze-Epidemie in Korneuburg gewusst hätten, wären wir natürlich viel eher zum Arzt gegangen“, übt er Kritik an der Informationspolitik von Politik und Verwaltung.

Mittlerweile haben sich drei weitere Familienmitglieder angesteckt – und das ohne engen Kontakt, wie er der offiziellen Meinung widerspricht, dass eine Ansteckung nur bei engem Hautkontakt möglich sei. „Das ist eine Lüge“, ist er überzeugt. Man hätte sich nur gelegentlich besucht, „ohne Handschlag oder Umarmen“, wie er betont.

Enkelkind und Oma hätten die Erkrankungen mittlerweile zum zweiten Mal bekommen, obwohl man sich strikt an alle Anweisungen gehalten hätte. Er ist überzeugt, dass die Ansteckung außerhalb der Familie erfolgte, denn Krankenstand sei bei Krätze nicht vorgesehen. Der ebenfalls betroffene Sohn müsse so weiterhin in einem Großraumbüro arbeiten, schüttelt er den Kopf.

„Grundsätzlich ist es keine sehr schwere Erkrankung“

Krätze wird immer noch oft mit mangelnder Hygiene gleichgesetzt. Aber Sauberkeit kann eine Ansteckung nicht verhindern, da die Krätzmilbe gegenüber Wasser und Seife unempfindlich ist. Das Vorurteil rührt daher, dass Menschen, die in prekären Verhältnissen leben, eher an Krätze leiden, weil hier meist viele Personen auf engstem Raum zusammenleben.

„Grundsätzlich ist es keine sehr schwere Erkrankung und sehr gut beherrschbar“, erklärt der Allgemeinmediziner Ewald Priessnitz. Wichtig sei neben der Behandlung aber auch, dass man die Bettwäsche und Unterwäsche mit mindestens 50 Grad wasche. Panik sei jedenfalls nicht angebracht, beruhigt er: „In meinen 40 Jahren als Arzt habe ich immer wieder Krätze-Wellen erlebt.“ So wie die Krätze gekommen ist, werde sie auch wieder verschwinden, prophezeit er.

Die Ausbreitung hat aber mittlerweile solche Ausmaße angenommen, dass sich auch die NÖ Sanitätsdirektion zum Handeln veranlasst sieht, zumal mittlerweile auch Fälle in Weinviertler Schulen aufgetreten sind, wie Bildungsmanagerin Brigitte Ribisch bestätigt. Diese Woche werde es ein Informationsschreiben über neue Erkenntnisse und das weitere Vorgehen u.a. an Schulen geben, sagt der stellvertretende Sanitätsdirektor Robert Kellner.

An eine derartig intensive Krankheitswelle kann sich selbst Kellner nicht erinnern. Das Problem sei, dass die Krankheit in Gesellschaftsschichten grassiere, die die Erkrankung nicht so ernst nehmen. Dadurch würden auch andere angesteckt, „die Milbe macht da keinen Unterschied“, sagt er. Gerade in Sammelunterkünften wie Asylheimen sei die Beobachtung nicht so engmaschig, erklärt er.