Motor für den Handel: 20 Jahre Euro

Erstellt am 19. Januar 2022 | 05:50
Lesezeit: 3 Min
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Das Befüllen von Starterpaketen, Kontoumstellungen und ein Bankomattausch liefen unbemerkt ab, erinnert sich Peter Karlik von der Raiffeisenbank Stockerau. Mit dem Euro generell ist er zufrieden.
Foto: Herwig Mohsburger
Im Bezirk Korneuburg rechnen viele privat noch immer in Schillingbeträge um.
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Ängste, Befürchtungen und Hoffnungen gab es bei der Euro-Umstellung vor 20 Jahren zuhauf. Die NÖN hat nachgefragt, wie es damals im Bezirk vonstattenging. „Die Umstellung zu Silvester ist problemlos über die Bühne gegangen“, erinnert sich der Korneuburger Sparkasse-Vorstandsdirektor Armand Drobesch.

Weder musste der Bankomat in der Nacht nachgefüllt werden, noch stand am 2. Jänner 2002 eine Schlange vor dem Kassenschalter. Mitgeholfen habe aber auch die Tatsache, dass es zwei Monate lang eine Doppelwährung Schilling-Euro gab.

Von einem deutlichen Mehraufwand erzählt der Geschäftsleiter der Raiffeisenbank Stockerau, Peter Karlik. Er nennt etwa den Tausch von Bankomaten und intensive Vorbereitungen aufgrund von Kontoumstellungen. „Das Befüllen der Euro-Starterpakete war zeitaufwendig und interessant zugleich“, so Karlik.

Für Unternehmer und Banken hat der Euro laut Drobesch große Vorteile gebracht: „Die einheitliche Währung in vielen europäischen Ländern hat etwa Erleichterungen bei Überweisungen gebracht. In Banken wurde der Umfang an Devisen geringer, weil in den klassischen Urlaubsdestinationen mit Euro gezahlt werden kann.“

Der Warenverkehr profitiert vom Euro

Für Peter Karlik ist der Euro im Warenverkehr von erheblichem Vorteil. Zudem sei er nicht nur ein einheitliches Zahlungsmittel, sondern auch ein starkes Symbol für die europäische Einheit. „Die gemeinsame Währung führte zu einem deutlichen Anstieg des Handels und damit zu einer höheren Wirtschaftsleistung und mehr Wohlstand“, sagt Karlik.

Die Privaten hätten gleich nach der Umstellung allerdings nicht nur Vorteile gehabt, erinnert sich Drobesch. Seine damals noch recht kleinen Kinder haben gerne Spielzeug aus Automaten geholt. „Wo man zehn Schilling reingesteckt hat, wurde plötzlich ein Euro verlangt – eine Preiserhöhung von über 37 Prozent“, rechnet der Banker vor.

„Privat finde ich die Euro-Umstellung geil, weil es jetzt in weiten Teilen Europas eine Preistransparenz gibt“, sagt Gastwirtesprecher Gerhard Knobl. In seiner Branche sei man positiv gestimmt gewesen, zudem habe es eine Chance gegeben, Preisanpassungen zu machen.

Das Konsumverhalten hat sich in den ersten Tagen und Wochen nach der Umstellung übrigens nicht geändert. Änderungen gab es allerdings bei den Trinkgeldern, erinnert sich Knobl. „Die, die sich noch schwertaten mit dem Umrechnen, die haben eher mehr Trinkgeld gegeben. Wer genau oder mehrmals umgerechnet hat, der gab dann eher weniger.“ Mit dem Umrechnen in Schilling hält sich Knobl nicht auf. Er ist und bleibt Euro-Fan.

„Umrechnen tu ich nur ganz selten. Eigentlich nur, wenn mir Preise hoch vorkommen“, sagt Margit Max von Peter Max in Stockerau. Man dürfe aber nicht vergessen, dass auch mit Schilling-Währung das Preisniveau gestiegen ist. Im Unternehmen hat die Währungsumstellung allerdings keine Probleme bereitet. „Wir sind ja nur am heimischen Markt aktiv“, erklärt Max, und auch bei Holz und Beschlägen vertraue man auf heimische Unternehmen.

Der 83-jährige Alt-Gemeinderat von Sierndorf Gottfried Rauscher sammelt seit 72 Jahren Münzen. Von einzelnen Münzen „hab ich zum Teil ein paar Kilo“, sagt er. Auch Ein-, Zwei- und Fünf-Groschen-Münzen hat er noch zuhauf. Neben den 25- und 50-Schilling-Silbermünzen findet sich bei Rauscher auch Papiergeld – natürlich auch die allerletzten Serien. Umrechnen in Schilling will er nicht. „Man muss es nehmen, wie es ist“, so Rauscher.

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