Nahversorger Mahrer: „Ich lebe es, Greißler zu sein“. Mit persönlichem Einsatz, umfassendem Service und Unterstützung durch die Wirtschaft lässt sich’s (über-)leben.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 27. November 2019 (05:36)
Franz Mahrer aus Sierndorf lebt das Greißler-Sein. Das wirtschaftliche Überleben sichern das umfassende Angebot in seinem Geschäft unddie Kundenbindung durch Freundlichkeit und Service. Er sieht seiner Zukunft sorgenfrei entgegen.
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Greißler sein ist anstrengend, mit Ideen und Kundenfreundlichkeit lässt es sich aber recht gut leben. Das zeigen drei Beispiele aus dem Bezirk.

„Als Greißler kann man überleben, wenn man alles anbietet, was man auch verkaufen darf“, erklärt Franz Mahrer. Der 45-Jährige führt das Kaufhaus Mahrer in Sierndorf. Gleichzeitig ist er Postpartner, Trafik und Lottokollektur. „Überall bekommt man ein paar Cent, in Summe geht es sich aus“, so Mahrer.

Nur im Laden stehen ist für ihn und seine sieben Angestellten aber zu wenig. Zusätzlich zum Standard-Warenangebot werden andere Artikel auf Wunsch besorgt, denn das umfassende Angebot sei für die Kundenbindung unerlässlich. Auch eine Hauszustellung „für einige ältere Damen, die sich mit den Einkäufen schwertun“, erledigt der Chef persönlich. Stolz ist er auf Zusatzangebote wie Brötchen oder Spieße – alles selbst gemacht.

„Was ich brauche, finde ich alles hier.“Ein Stammkunde von Franz Mahrer

Als großen Vorteil des Nahversorgers gegenüber einem Supermarkt sieht er die persönliche Bedienung. „Ich lebe das, ein Geißler zu sein“, so Mahrer. Stolz zeigt er die Urkunde, die bezeugt, dass er beim Mystery-Shopping in 350 Läden österreichweit unter den Top zehn gelandet ist.

Diese Qualität bestätigt auch Pater Andreas Hiller, der Pfarrer aus Höbersdorf. Er ist Stammkunde, denn „mir gefällt die sehr freundliche Bedienung. Und was ich brauche, finde ich alles hier.“ Für Hiller ist Mahrer der nächstgelegene Greißler, in einen Supermarkt geht er nicht.

Man braucht Schmäh und eine gute Vertretung, um den Job erfolgreich machen zu können. Mahrers Vertreterin ist seit 15 Jahren seine Schwester, trotzdem arbeitet er bis zu 48 Stunden in der Woche. Aber vier Wochen Urlaub gehen sich aus, das ist ihm wichtig. „Ich hab es oft gesehen: Viele stehen von früh bis spät im Geschäft. Nach einigen Jahren geben sie auf“, so Mahrer.

Personal ist schwer zu finden

In dritter Generation betreibt Helga Jäger mit ihrem Bruder Franz in Maisbirbaum eine Bäckerei, sie wechseln sich mit allen Arbeiten ab. „Der Großvater hat noch zu Fuß ausgeliefert“, erzählt Helga Jäger. Jetzt fahren sie und ihr Bruder in die Ortschaften in der Umgebung. „Man hupt, dann kommen alle mit den Einkaufstaschen“, beschreibt sie dieses Hausservice. Rund 20 Prozent des Umsatzes gelingen auf diese Art.

Einige Jahre hatten sie einen Stand am Wiener Naschmarkt, doch seit zwei Jahren wird beim Bauernmarkt in Simonsfeld verkauft. Der Umsatz sei gleich, „und da kann ich mit dem Leiterwagerl hinfahren“. Bäcker sind im Warenangebot sehr eingeschränkt, neben Brot und Gebäck sind es Milch und Milchprodukte, Wurst und Süßes wie Gugelhupf, Golatschen oder der Geheimtipp „Jägerstriezel“.

Personal ist schwer zu finden. Es liege an den Arbeitszeiten, „wer will schon am Freitag und Samstag arbeiten?“, so Helga Jäger. In der Backstube fängt der Arbeitstag übrigens um halb zwei in der Nacht an.

„Wir gehen auf alle Kundenwünsche ein und sorgen mit dem Angebot dafür, dass die Leute im Ort einkaufen können“, beschreibt Chantal Seiler aus Großmugl das Rezept ihres Vaters, in dessen Geschäft sie arbeitet. Für die Familie ist der Kunde König. So ist zwar die Postpartnerschaft vorbei, Papa Seiler nimmt aber bei Stammkunden schon mal ein Paket oder einen Einschreibebrief mit zum nächsten Postamt. Selbstverständlich gibt es auch einen Hauszustelldienst, wenn jemand nicht fit ist.

Stolz ist Seiler auf die vielen regionalen Produkte, mit denen man punkten kann. Dazu gibt es Lotto und eine Trafik, und seit rund einem Jahr ist ein Kaffeehaus ans Geschäft angeschlossen. Seiler: „Die Kunden trinken nach dem Einkaufen noch einen Kaffee und können miteinander plaudern.“

Sie macht den Job sehr gerne, und auch ihr Vater ist jede Woche bis zu 80 Stunden mit Leib und Seele dabei. „Punkt sechs Uhr muss schon alles für die Kunden da sein“, erklärt Seiler.

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