Schwarze Tafeln sind begehrt. „Weiß auf Schwarz“ lieben die Oldtimerfreunde. Wer kann, macht um die größeren weißen Tafeln einen Bogen.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 07. August 2019 (04:14)
Mohsburger
Philipp Malek liebt das alte schwarze Kennzeichen und hütet es wie seinen Augapfel. Nicht um viel Geld würde er sich davon trennen.

Die schwarzen Kennzeichen sind schon sehr selten geworden auf den Straßen. Zuletzt wurden sie vor fast drei Jahrzehnten ausgegeben. Grundsätzlich sind sie weiterhin gültig, bei jeder Ummeldung eines Fahrzeugs werden sie aber eingezogen. Das bedeutet auch, dass fast 48.000 Fahrzeuge in den vergangenen gut 30 Jahren in Niederösterreich nicht den Besitzer gewechselt haben. Im Bezirk waren vergangenes Jahr noch 2.588 alte Kennzeichen in Verwendung, das ist Platz sechs im ganzen Bundesland.

Viele der alten Nummerntafeln finden sich allerdings auf den verschiedensten Anhängern, die wenig Verschleiß haben, und mehr als die Hälfte ist auf Zweit- oder Dritttraktoren montiert, die wenig eingesetzt werden. Wer aber auf seinem Oldtimer ein schwarzes Kennzeichen hat, will es nicht mehr hergeben, wie eine Umfrage der NÖN ergeben hat.

„Wer noch eine schwarze Nummern tafel hat, der schaut auch drauf, dass er sie behält.“ Andreas Fojtik, Kleinengersdorf

Philipp Malek, Vizepräsident der Siegfried-Marcus-Forschungsgesellschaft, hat das vierstellige Kennzeichen vom Vater übernommen. Es entspricht vom Alter her auch seinem Porsche 356 aus dem Jahr 1963.

Wie seine anderen Oldtimer bewahrt Malek auch den Porsche und die Kennzeichen im Automobilmuseum Stockerau auf. Die Nummerntafeln hütet er wie einen Schatz. „Alte Kennzeichen werden im Internet teuer gehandelt. Gut 200 Euro werden pro Stück verlangt“, weiß Malek. Das jüngst entwendete schwarze Taferl seines Anhängers könnte auch den Weg ins Internet gefunden haben, „oder es hängt in einem Hobbykeller“.

Den aktuellen Kennzeichen kann Malek nichts abgewinnen. Beim legendären Puch 500, der von Anbeginn an in Familienbesitz ist, passen sie nicht. „Die Kennzeichen sind zu lang, die Nummerntafel-Beleuchtung muss extra versetzt werden.“ Bei einer Oldtimerzulassung gibt es zwar eigene Kennzeichen, die marginal kleiner sind, „aber Fahrtenbuch und die Beschränkungen reizen mich nicht“, so Malek.

Er fährt mit seinem Porsche ungern weiter weg, denn „bei Pausen in einem Restaurant will ich die Nummerntafeln immer sehen können!“ Zu groß ist seine Angst vor einem Diebstahl. „Schließlich machen die alten Kennzeichen auch das Flair des Autos aus.“

Seit über 40 Jahren besitzt der Hausleitner Gerhard Fousek seinen Citroën 2CV, eine „Ente“ – natürlich mit schwarzer Nummerntafel. „Früher war mir das Kennzeichen egal, aber jetzt will ich es nicht mehr verlieren“, so Fousek. Deshalb ist auch für ihn eine Oldtimeranmeldung kein Thema. „Die Ersparnis ist unbedeutend, die Nutzungseinschränkung aber erheblich“, erklärt er.

Feuerwehr stolz auf altes Kennzeichen

Schwarze Kennzeichen gibt es immer bei Andreas Fojtik und seiner „Autowerft“ in Kleinengersdorf zu sehen. Rund 800 historische Fahrzeuge betreut er in seinem Betrieb, etwa zwei Prozent der Kunden haben noch ein altes Kennzeichen. „Wer noch eine schwarze Nummerntafel hat, der schaut auch drauf, dass er sie behält“, so Fojtek.

Er selbst hat kein altes Kennzeichen. Auch beim Oldtimerclub Korneuburg und bei den Puchfreunden Hausleiten sind schwarze Kennzeichen Mangelware, wie eine Nachfrage der NÖN ergab. Die Fahrzeuge gingen meist durch viele Hände oder wurden erst aus einem Dornröschenschlaf erweckt.

Stolz auf ein altes Kennzeichen ist hingegen die Feuerwehr Stockerau: Ein altes Steyr 480 Löschfahrzeug aus dem Jahr 1963 trägt noch immer die originale Nummerntafel, die es bei der Erstanmeldung erhielt. „Das ist so und das bleibt so“, verspricht Feuerwehrkommandant Wilfried Kargl.

Es ist übrigens verhältnismäßig einfach festzustellen, ob ein Fahrzeug mit schwarzer Nummerntafel aus dem Bezirk Korneuburg stammt. Die Ziffer 9 an der Tausenderstelle ist ein erstes Indiz. Beginnend mit 9.000 gab es dann 30.000er-Schritte. Beginnt die Nummer also mit 39.xxx oder 69.xxx, ist das Gefährt im Bezirk zugelassen.