Korneuburg

Erstellt am 05. Dezember 2018, 03:26

von Daniel Lohninger und Herwig Mohsburger

Urlaub: Telefon bei Buchung noch „in“. Zwei von drei Gästen reservieren im Internet. Aber nicht jedes Hotel ist auf booking.com und Co. zu finden.

Symbolbild  |  zhukovvvlad/Shutterstock.com

Der Weihnachtsurlaub naht. Etwa 65 Prozent buchen ihn online, zeigt eine Umfrage in Bayern. In Österreich, darüber sind sich die Touristiker einig, ist das Verhältnis praktisch ident. Die meisten Online-Buchungen laufen dabei über die großen Plattformen wie booking.com, hotels.com oder expedia.at. Ein wesentlich geringerer Anteil bucht über die Website des Betriebs oder des Tourismusverbands, telefonische Buchungen sind die Ausnahme.

Genau das ist die Herausforderung für die Tourismusbetriebe: Viele, vor allem kleinere Betriebe, sind auf den großen Plattformen nicht zu finden. „Doch die Buchungsplattformen werden immer wichtiger, weil man Präsenz zeigen kann; das ist eine gute Werbung“, sagt Maria Wegerth von Weinviertel Tourismus. Es habe sich gezeigt, dass Packages von zwei, drei Tagen eher online gebucht werden. „Je länger und komplexer der Aufenthalt, umso häufiger ergeben sich Fragen – da wird dann zum Telefon gegriffen und nicht online gebucht“, so Wegerth.

Viele Betriebe auf Plattformen zu finden

Generell gilt laut der zuständigen Landesrätin Petra Bohuslav: Größere Betriebe nutzen Online-Plattformen eher als kleine. Bohuslav gab deshalb als Ziel aus, so viele Betriebe wie möglich auf Online-Buchungsportale zu bringen. Aus diesem Grund arbeiten Niederösterreich-Werbung und Tourismusdestinationen mit dem Online-Buchungssystem „TOMAS“ zusammen. Die Kunden nutzen dieses Angebot von Jahr zu Jahr häufiger: Die Zahl der Zugriffe stieg im vergangenen Jahr um 16 Prozent auf 4,3 Millionen. Für Betriebe, die ein Online-Buchungssystem implementieren wollen, gibt es seit einigen Monaten zudem sogenannte Tourismus-4.0-Betriebscoaches. Sie beraten, unterstützen und schulen Betriebe bei der Digitalisierung der Buchungssysteme.

Wie viele Hotels und Pensionen in Niederösterreich nicht online gebucht werden können, lässt sich seriös nicht sagen. Im Bezirk Korneuburg sind zwar viele Betriebe auf den Plattformen zu finden, bei den Buchungen machen sie aber nur einen geringen Anteil aus.

Telefon ist oft wichtiger als Internet

„Man muss mit allen zusammenarbeiten“, beschreibt Otto Bauer vom City Hotel Stockerau die Si-tuation. Ein voller Autobus und drei gebuchte Nächte über ein Reisebüro seien allerdings Buchungszahlen, die über eine der Plattformen kaum zu erreichen sind.

Gänzlich auf Buchungsplattformen verzichtet das Bildungshaus Großrußbach, wie Direktor Franz Knittelfelder gegenüber den NÖN erklärt. Man habe die klassische Werbung mit Weinviertel Tourismus, aber die Bildungsgäste buchen die Übernachtungen gleich zusammen mit den Seminaren.

Beim Ökotel in Bisamberg macht die Buchung per Telefon rund 80 Prozent der Nächtigungen aus, erklärt Betriebsleiterin Clara Jorge. „Die Gäste rufen meist an, und das ist mir auch lieber“, so Jorge. Denn am Telefon können alle Frage von der Ausstattung des Frühstücksbuffets bis zu Ausflügen in der Umgebung beantwortet werden.

Auch kleine Pensionen kommen an den Buchungsplattformen nicht vorbei. In der Praxis spielen diese aber keine große Rolle. Bei Familie Wiedeck in Stetten mit „Wein + Bett“ sind Geschäftsreisende und Stammgäste die größte Gruppe. Bei der Pension Bergblick in Oberrohrbach erfolgen gar nur zehn Prozent der Buchungen über Plattformen.

Es gibt aber Betriebe, die bewusst auf Online-Plattformen verzichten, denn einen Nachteil haben booking.com und Co. schon: Sie schmälern die Gewinnspanne, da sie Provisionen für ihre Dienste kassieren.

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