Verzichten ist weit verbreitet. Immer seltener wird streng aufs Essen verzichtet. Oft sind es die gewohnten Tätigkeiten, die reduziert werden.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 17. April 2019 (03:14)
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Die heurige Fastenzeit geht in wenigen Tagen mit dem Osterfest zu Ende. Galten früher massiven Einschränkung beim Essen als Fasten, ist mittlerweile der Verzicht auf lieb gewonnene Tätigkeiten in den Mittelpunkt gerückt, der Bogen spannt sich vom „Auto-Fasten“ bis zum „Handy-Fasten“. Die NÖN hat sich umgehört, ob Fasten noch „in“ ist.

Ihre persönliche Fastenzeit hält die Leobendorfer VP-Bürgermeisterin Magdalena Batoha ein. Sie versucht, wie schon in den beiden vergangenen Jahren, auf Alkohol zu verzichten. Was privat kein Problem darstellt, ist in der Funktion als Bürgermeisterin schon schwieriger, „wenn ich etwa bei einer Geburtstagsfeier bin und sich der Jubilar schon freut, mit mir anstoßen zu können.“ In solchen Situationen macht die Fastenzeit eine kurze Pause, denn „Ablehnen ist praktisch unmöglich“.

„Der Heißhunger auf Süßes lässt nach, je länger das Fasten dauert.“ Helene Fuchs-Moser, VP-Vizebürgermeisterin Korneuburg

VP-Vizebürgermeisterin Helene Fuchs-Moser aus Korneuburg zieht erstmals ihren Verzicht auf Süßes an sechs Tagen die Woche durch. „Am Sonntag gönne ich mir als Belohnung ein Dessert“, beschreibt sie ihr Fastenmodell. Ihre Gründe sind gesundheitlicher Natur, „die wenigsten fasten heute noch aus religiösen Gründen“, glaubt Fuchs-Moser. Für sie ist die Fastenzeit einfach ein guter Anlass, „und ich schaffe es zum ersten Mal auch“, ist sie stolz. Dabei, gesteht sie offen, sei ihr der Verzicht auf Süßes in der ersten Zeit wirklich schwergefallen, „aber es wird besser, je länger es dauert. Der Heißhunger lässt nach“, hat sie die Erfahrung gemacht.

„Früher habe ich die Fastenzeit hart durchgezogen“, erinnert sich Franz Neumeyer von Neumed in Harmannsdorf, „nur Wasser und Speisen, die ich nicht mag.“ Mittlerweile ist er nicht so streng zu sich selbst. „Zuckerhaltige Limonaden lasse ich aber weg“, so Neumeyer.

„Ich reduziere einfach beim Essen ein bisschen“, beschreibt Harmannsdorfs VP-Bürgermeister Norbert Hendler seinen Zugang zur Fastenzeit. Aschermittwoch und Karfreitag hält er aber streng ein, „das bin ich von meiner Familie gewöhnt.“ Das bürgermeisterliche „Fastenmenü“ an diesen Tagen: „Erdäpfel und etwas Käse.“

„Ich reduziere einfach beim Essen ein bisschen“

„Jetzt im Frühjahr ist eine gute Zeit zum Fasten“, erklärt Renate Rosenegger, die als medizinisch geprüfte Fastenleiterin Termine für Kurzzeitfasten anbietet. Das ist auch der Unterschied zur 40-tägigen Fastenzeit der katholischen Kirche. „Wir reduzieren generell die Nahrungsaufnahme“, lautet Roseneggers System. Dieses Fasten soll dazu dienen, den Körper in wenigen Tagen von gespeicherten Schadstoffen zu befreien und soll gleichzeitig eine Vorbereitung für eine grundlegende Ernährungsumstellung sein.

Für Simone Weissinger-Köhler aus Flandorf ist Fasten im Sinne einer gesunden und kalorienarmen Ernährung „eine Lebensphilosophie, die ich das ganze Jahr einhalte“. Bei den Fastenwochen, die sie anbietet, steigen die Anfragen und Anmeldungen gerade im Frühjahr und rund um Ostern.

„Die Fastenzeit ist im Bildungshaus Großrußbach sehr intensiv. Viele Gruppen haben ihre Einkehr- oder Besinnungstage im Haus“, so der Leiter Franz Knittelfelder. Zeit zur Besinnung gibt es für ihn erst in der Karwoche, heuer zugleich auch der internationale Pilgerstart. Mit den Gästen pilgert Knittelfelder im Weinviertel und in Tschechien – „ein echtes Unterwegssein auf Ostern hin.“

Die Obfrau des Kunstvereins Stockerau und Umgebung, Traude Wilhelmine Hübner, hat ihr ganz einfaches Rezept für die Fastenzeit, sie verzichtet auf Zucker und Süßigkeiten. Bei allen Versuchungen durch Schokohasen und Co. gilt für sie: „Friss bis Ostern keine Schokolade.“

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