Weinlese: „Den verkauf ma nicht, den sauf ma selber“

Wenn Winzer aus dem Bezirk Korneuburg über die Qualität des heurigen Jahrgangs erzählen, geraten sie geradezu ins Schwärmen.

Erstellt am 04. November 2021 | 05:26
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Andreas Ott aus Hagenbrunn berichtet von „perfekt ausgereifte Trauben, die wir den warmen und sonnigen Tagen Anfang September zu verdanken haben“.
Foto: privat

Für die Winzer beginnt jetzt die Arbeit im Weinkeller. Ungewöhnlich spät haben sie heuer die Trauben eingebracht. Und das, was in den Fässern reift, verspricht ein echter Jahrhundertwein zu werden. „Seit Jahren wird von einem Jahrhundertwein gesprochen, aber heuer ist es wirklich einer“, hat der Enzersfelder Winzer Hermann Haller hohe Erwartungen. Unter den Weinbauern gebe es schon jetzt den Spruch „Den verkauf ma nicht, den sauf ma selber“.

Von Hagel oder Unwettern blieb der Bezirk Korneuburg verschont. „Wir sind sehr zufrieden“, bilanziert Bezirksweinbauobmann Julius Schauerhuber aus Stetteldorf, „sowohl mit Qualität als auch mit der Quantität.“ Die Blüte war heuer aufgrund des kalten Frühlings sehr spät dran, der warme Herbst mit seinen kühlen Nächten hat aber alles wettgemacht. „Es wird ein sehr sortentypischer, fruchtiger und knackiger Wein, voll reif, aber nicht die große Alkoholbombe“, kündigt Haller an. Im August hatten die Winzer noch zu zittern, doch selbst die drei Regenwochen konnten dem Traubenmaterial nichts anhaben, „es gab keine Fäulnis“, ist Schauerhuber froh.

Von „perfekt ausgereiften Trauben“ spricht Andreas Ott. Die schönen Herbsttage wären ausschlaggebend für die noch fehlenden Zuckergrade gewesen, erklärt der Hagenbrunner Winzer. Die Weine präsentieren sich nach der Gärung sehr fruchtig. Der Vorbote des heurigen Jahrgangs ist bei Ott der junge Grüne Veltliner, der bereits seit Mitte Oktober im Verkauf ist. Bei den Rotweinen zeigt sich beispielsweise der Zweigelt typisch fruchtig und harmonisch.

Winzer sprechen von seltenem Phänomen

Zufrieden ist auch Herbert Baier, Obmann des Weinbauvereins Rußbach: „Unser Glück war, dass es bei uns heuer keinen Hagel gegeben hat, das schaut zehn Kilometer weiter weg schon ganz anders aus. Die Weinliebhaber können sich auf einen sehr guten Jahrgang freuen“, macht er Gusto.

Vom Säure-Zucker-Verhältnis schwärmt Michael Trimmel aus Langenzersdorf. Die Trauben konnten in einem extrem gesunden Zustand geerntet werden. „Dadurch sind Säure und Zuckergehalt in einem überdurchschnittlichen guten Zustand, und das hat sich bereits in unserem Jungwein bemerkbar gemacht“, schildert er.

Von einer perfekten Witterung sprechen auch die Winzer aus Leobendorf und Stetten. Es sei etwas sehr Seltenes passiert, sagt Alexander Paul aus Leobendorf, „Säure und Zucker sind diesmal beide relativ hoch“. Die Trauben konnten bis zur Lese ohne Störung reifen. „Die Zuckergrade bewegen sich beim Grünen Veltliner zwischen 17 und 19 Grad, bei den Rotweinen bei 18,5“, erläutert Josef Jatschka. „Wir können einen ausgezeichneten Wein erwarten“, prognostiziert der Stettener Weinbauer.