Wildunfälle: Straßen sind auch Jagdrevier. Bezirk Korneuburg: Herbstzeit ist Wildwechselzeit. Fast jedes vierte Wildtier fällt nicht einer Flinte, sondern Straßenverkehr zum Opfer.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 14. Oktober 2020 (04:22)
shutterstock.com/allanw

Gerade im Herbst ist die Gefahr eines Wildunfalls besonders groß. Rund 1.600 Wildtiere werden allein im Bezirk jedes Jahr Opfer des Straßenverkehrs. Die NÖN hat nachgefragt, wie man sich davor schützen kann und wie man sich schon vor einem Crash richtig verhält.

Rund 25 bis 30 Prozent der Wildtiere werden von Autos erlegt und nicht von einem Jäger, schätzt Bezirksjägermeister und Langenzersdorfs Bürgermeister Andreas Arbesser. Er mahnt die Autofahrer, „angepasst zu fahren und die entsprechenden Warntafeln zu beachten“. Eindringlich warnt Arbesser davor, den Wagen vor einem Tier zu verreißen. Es sollte stark gebremst und das Lenkrad gut festgehalten werden. Die Übergänge Feld/Wald sind „klassische“ Wildwechselstellen.

„Gefahrenstelle absichern, Verletzte versorgen, Exekutive verstän digen!“Siegfried Krische, Bezirkspolizeikommandant

Positiv sieht Arbesser die Montage der Wildschutzwarnreflektoren an besonders kritischen Stellen. Wird ein Unfallhäufungspunkt festgestellt, werden die blauen Reflektoren mit Unterstützung vom Land und den Straßenmeistereien an den Leitpflöcken angebracht. Wenn es passiert ist, erinnert Arbesser, „sofort die Polizei und den zuständigen Jäger zu verständigen“.

„Momentan hilft es nur, vorsichtiger zu fahren“, erklärt der Ortsvorsteher von Würnitz, Josef Wannerer. Als Jagdleiter kennt er im Revier die Hauptquerungen der Tiere. Momentan müsse sogar tagsüber mit Wildwechsel gerechnet werden. „Während der Maisernte wechseln die Tiere von einem Feld ins nächste“, warnt Wannerer. Erst wenn alle Felder abgeerntet sind, werde sich die Situation beruhigen. Dies könne heuer aber bis Anfang Dezember dauern, schätzt er.

Ganz unterschiedlich sei das Verhalten der Autofahrer nach einem Wildunfall, so Wannerer. „Wer Kasko versichert ist, meldet den Vorfall oft bei der Polizei. Die anderen Lenker sind da oft sehr nachlässig“, so der Jagdleiter. Für ein verletztes Tier bedeute dies unnötige Qual, „manchmal dauert es zwei Tage, bis dann der Streckendienst der Straßenmeisterei ein verendetes Tier findet“, so Wannerer. Im Regelfall erleiden die Tiere übrigens beim Zusammenprall derart schwere Verletzungen, dass ihr Fleisch nicht verwertet werden kann.

Landesjagdverband NÖ; Foto: SciePro/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Vor zwei Jahren hat die Jagdgesellschaft Ernstbrunn auf der B6 im Abschnitt Klein Ebersdorf/Ernstbrunn/Nodendorf auf einer Strecke von fünf Kilometern 200 Wildschutzwarnreflektoren montiert. Dabei handelt es sich um die kleinen blauen Reflektoren, die an Leitpflöcken angebracht sind und Tiere von der Fahrbahn fernhalten sollen (die NÖN berichtete). „Die Reflektoren helfen beträchtlich, die Wildunfälle zu reduzieren“, erklärt Jagdleiter Rupert Göstl. Er schätzt, dass die Zahlen der Unfälle um mehr als 50 Prozent reduziert werden konnten. Mittlerweile wurden nahezu alle gefährdeten Strecken im Jagdgebiet mit den Reflektoren ausgestattet.

Laut Bezirkspolizeikommandant Siegfried Krische sind viele Autofahrer verantwortungsbewusst und melden einen Wildunfall bei der Polizei. „Wenn sie nur den Anprall bemerkt haben, suchen sie sogar oft nach einem verletzten Wild, das geflüchtet ist.“ Ist das Tier schwer verletzt, ist das laut Krische für Fahrzeuginsassen und Polizisten ein großer Stress, bis es ein Jäger erlöst. „Die Tiere haben natürlich auch Schmerzen und schreien oft“, berichtet Krische aus der traurigen Praxis.

Zur Sicherheit erinnert der Bezirkspolizeikommandant an das richtige Verhalten nach einem Wildunfall: „Gefahrenstelle absichern, Verletzte versorgen, Exe kutive verständigen!“ Die Mitnahme des Tieres kann als Wilddiebstahl gewertet werden.

„Grundsätzlich decken Kasko- Versicherungen beim Pkw zumeist Unfälle mit Tieren aller Art auf öffentlichen Straßen ab“, erklärt Hubert Holzer, ÖVP-Stadtrat in Korneuburg und Direktor im Außendienst für die Niederösterreichische Versicherung AG. Anders sieht es bei Motorrädern aus: Da ist oft nur der Schaden durch Haarwild gedeckt. Holzer rät deshalb: „Unbedingt genau nachsehen!“ Denn ein Zusammenprall mit einem Fasan sei etwa so heftig wie mit einer 1,5-Liter-Mineralwasserflasche.

Von der Versicherung gibt es allerdings nur dann Geld, wenn der Wildunfall auch ordnungsgemäß bei der Polizei gemeldet wurde, wie es das Gesetz vorschreibt. Andernfalls ist die Versicherung leistungsfrei. In diesem Punkt ortet Holzer große Wissensmängel bei den Autolenkern.

Umfrage beendet

  • Wildtierunfälle: Gibt es genug Warnhinweise?