Wirtesterben: Der Ofen bleibt kalt. Die Dorfwirtshäuser werden weniger. Die Wirte kämpfen mit hohen Lohnnebenkosten und Personalnot.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 05. Juni 2019 (04:31)
Symbolbild
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Im Bezirk hat die Zahl der „echten“ Gasthäuser in zehn Jahren um drei Betriebe auf 45 abgenommen. Die NÖN fragte nach, ob ein Gasthaus wirtschaftlich betrieben werden kann und ob es für die Dorfstruktur noch den hohen Wert hat.

„Ein Wirt, der nur von der Gastro lebt, hat ein Problem“, erklärt der Bezirksvertrauensmann der Gastronomie, Franz Riefenthaler. Vorbei seien die Zeiten, „als alle Vereine und die Feuerwehr sich beim Wirten getroffen haben. Die haben alle ein eigenes Vereinslokal.“ Schwierig ist es zudem, wenn die Wirtsleute die Arbeit alleine nicht schaffen und Personal benötigen. „Die Arbeitszeit ist am Abend, an Wochenenden, da braucht man motivierte Mitarbeiter“, weiß Riefenthaler. Er kritisiert, „dass sich das Angebot der Konkurrenz vervielfacht hat. Man bekommt schon überall einen Kaffee zu kaufen.“

Karl Schillinger hat sein vegan-vegetarisches Lokal in Großmugl vor zwei Jahren zugesperrt, weil er sich für seine Lokalkette „Swing Kitchen“ entschied. Er bekennt aber: „Ich würde sofort wieder ein Lokal aufmachen.“ Entscheidend fürs Überleben ist aber das Konzept: „Hausmannskost mit Schnitzel und Schweinsbraten ist zu wenig“, so Schillinger. Sind Angestellte nötig, ist es schwierig. Schillinger: „Die Lohnnebenkosten killen.“ Personal hat er immer gefunden – in Tschechien.

NOEN

Personalnöte kennt Markus Wallner, der das Gasthaus „Schwarzer Adler“ in Ernstbrunn betreibt. Er musste einen zweiten Ruhetag einführen, weil dringend ein Koch gesucht wird. „Es gibt zu wenig gut ausgebildetes Personal“, klagt Wallner. Ihn freut es, dass die Einheimischen an der Bar sitzen und plaudern, nachdem jahrelang ein Pächter für das Lokal gesucht worden war. „Ich sehe genau, dass sie ein Wirtshaus vermisst haben“, so Wallner.

„Wir haben eine Pizzeria, ein Gasthaus im Gemeindezentrum und eines beim Golfplatz“, beschreibt der SP-Bürgermeister von Spillern Thomas Speigner die Lokalszene aus Sicht der Gemeinde. Der Wirt im Gemeindezentrum ist laut Speigner das Kommunikationszentrum geworden.

Dem pensionsbedingten Ende des Wirts mitten im Dorfzen trum von Hausleiten trauert VP-Bürgermeister Josef Anzböck nach: „Der Eder hat eine Lücke gerissen.“ Für ihn wäre es extrem wichtig, wieder ein „klassisches“ Dorfwirtshaus zu haben. In den Katastralgemeinden haben laut Anzböck die Feuerwehren diesen Part übernommen. Am Sonntag ersetzen Sportverein und Tennisplatz zum Teil das Dorfwirtshaus.

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