Wirtschaft im Lockdown: „Helfen Sie uns, zu überleben!“. Die Unternehmer im Bezirk Korneuburg hoffen auf die Unterstützung der Kunden, die Sperren treffen sie hart.

Von Karin Schuhböck und Michaela Höberth. Erstellt am 18. November 2020 (04:23)
Sabine Pausch von Lady2 bemüht sich, auch während des Lockdowns den Kontakt mit ihren Kunden aufrecht zu erhalten.
Koller

Die kommenden Wochen wären die umsatzstärksten des Jahres gewesen. „Da machen wir rund 25 Prozent des Jahresumsatzes“, führt Gerhard Minarik, Geschäftsführer des Blumengeschäfts Weingartshofer in Korneuburg, die Folgen des Lockdowns vor Augen. 500 Adventkränze hat man bestellt, die jetzt an den Mann und die Frau gebracht werden müssen.

Verlass auf Stammkunden

„Wir blicken trotzdem positiv in die Zukunft“, sagt Minarik, denn vor allem auf die vielen Stammkunden sei Verlass. Die Familie werde auch während des Lockdowns im Geschäft stehen und Bestellungen entgegennehmen. Diese können gegen Entgelt geliefert oder kontaktlos vor dem Geschäft abgeholt werden. Dort wird man auch Adventkränze zum Verkauf anbieten, bezahlt wird über eine Geldbox, die videoüberwacht ist.

Auch Alexandra Frauenberger von „Frauenbergers Wohnen und Gartenaccessoires“ in Untermallebarn trifft der zweite Lockdown hart. „Wir haben schon im Sommer das ganze Material für die Adventsaison eingekauft und bereits viele Adventkranz-Rohlinge gefertigt. Jetzt müssen sie noch mit Kerzen und Schmuck ergänzt werden und können dann über Facebook bei uns bestellt werden“, sucht sie neue Wege, ihre selbst gefertigten Dekorationsstücke zu verkaufen.

Die Adventkränze können dann während der üblichen Öffnungszeiten im Freigelände abgeholt werden. Als Zuckerl obendrauf gibt’s selbst gebackenen Kuchen für die Seele. Der Reinerlös der Mehlspeiseneinnahmen geht an den Tierschutz.

„Es ist trotz der vielen Arbeit nur ein Tropfen auf den heißen Stein."Alexandra Frauenberger

Dennoch: Ausgleichen lassen sich die Verluste für Frauenberger nicht. „Es ist trotz der vielen Arbeit nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Eigentlich müssten wir schon die Ware für das kommende Frühjahr einkaufen, aber durch die geringen Einnahmen fehlt uns ganz einfach noch das Geld dafür“, macht sie klar. Sie appelliert an die Kunden, in lokalen Betrieben einzukaufen. „Fast überall kann vorbestellt und abgeholt werden. Nur so können wir den zweiten Lockdown überstehen und auch in Zukunft für unsere Kunden da sein. Helfen Sie uns, zu überleben!“

Alexandra Frauenberger: „In fast allen lokalen Betrieben kann vor bestellt und abgeholt werden.“
Schuhböck

Sabine Pausch vom Korneuburger Modegeschäft Lady2 versucht, trotz Schließung den Kontakt mit ihren Kunden aufrechtzuerhalten. In ihrem Geschäft am Hauptplatz bietet sie „topmodische Styles ab Größe 44“. Während des Lockdowns will sie mit ihrem Newsletter, Gutschein-Ak tionen und Geschenkideen präsent bleiben. „Beim Geschenkset funktioniert die Beratung dann eben über Handyfotos“, ist die Geschäftsfrau kreativ. Einen Umsatzrückgang spürt sie schon seit Oktober, „seit der Wiedereinführung der Maskenpflicht“, wie sie erklärt. Zugute kommen ihr die treuen Stammkunden, die sie auch während des Lockdowns nicht im Stich lassen. „Ich bekomme viel liebe Post“, freut sie sich über den Zuspruch.

In der Frisurenstube von Sylvia Fürhauser aus Leobendorf ging es am Montag, normalerweise Ruhetag, nochmals rund. „Wir haben für unsere Kunden aufgesperrt“, erzählt die Bezirksvertrauensfrau der Friseure. Vereinzelt gibt es schon Termin-Anfragen für die Zeit nach dem Lockdown. „Der Lockdown ist natürlich ein starker Verlust für uns alle. Wir können uns nur bei unseren Kunden bedanken, die uns die Treue halten.“

Damit sprechen die Unternehmer dem Bezirksobmann der Wirtschaftskammer, Andreas Minnich, aus dem Herzen: „Ich appelliere in diesen Zeiten an den Zusammenhalt. Wir Unternehmer hoffen, dass die Kunden auch jetzt an unsere regionale Wirtschaft und die Arbeitsplätze denken“, sieht er steigende Online-Verkäufe als Gefahr. Auch für seinen Stellvertreter WKNÖ-Vizepräsident Christian Moser ist das Kaufverhalten im Lockdown ein entscheidender Punkt. „Die Wirtschaft ist wie ein Organismus; wenn ein Körperteil beeinträchtigt ist, hat das auch Auswirkungen auf die anderen Körperteile“, veranschaulicht er. Die Förderungen seien derzeit eine große Sorge der Wirtschaftstreibenden; die genaue Höhe, wann ein Anspruch darauf besteht und wann die Förderungen ausgezahlt werden, beschäftigen die Unternehmer intensiv.