Ärger mit Öffis: Mit dem Auto zum Ticketschalter. Bisamberg: Dass man Fahrscheine derzeit nicht mehr beim Busfahrer kaufen kann, sorgt für Unmut.

Von Bernhard Preineder. Erstellt am 15. Januar 2021 (04:25)
Weil es im Bus von Bisamberg nach Wien vom Fahrer keine Tickets gab und auch die Online-Möglichkeit keine Alternative war, musste die Fahrkarte erst umständlich im Korneuburger Bahnhof besorgt werden.
Preineder

Verärgert ist Josef Ulrich über den Verkehrsverbund Ostregion (VOR). Seine Erlebnisse mit dem öffentlichen Fahrdienstleister schildert er gegenüber der NÖN so: „Eine Bekannte musste in einer Familienangelegenheit mit dem Bus von Wien-Floridsdorf nach Bisamberg fahren. Im Bus wurde ihr kein Ticket verkauft, der Fahrer hat auf den Automaten im Bahnhof und auf eine Online-Bestellung verwiesen. Online ist keine Alternative, es gibt noch Menschen, die weder einen Internetzugang noch ein Smartphone, sondern nur ein ganz einfaches Handy haben.“

Nach dem Besuch wurde Ulrichs Bekannte mit dem Privat-Pkw hinter dem vorausfahrenden leeren Bus nach Wien-Strebersdorf gebracht, wo sie als Jahreskartenbesitzerin die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen konnte. Ähnlich erging es seiner Tochter, die erst mit dem Auto von Bisamberg zum Bahnhof Korneuburg fahren musste, um dort ein Ticket für die Fahrt nach Wien zu einem Vorstellungsgespräch zu kaufen. „Eine unnötige, klimabelastende Mehrfahrt“, ärgert sich Ulrich.

Dies teilte er so auch dem Verkehrsverbund mit, erhielt aber keine Antwort. Die NÖN konfrontierte VOR-Pressesprecherin Christine Bachmaier mit den Vorwürfen. Sie bedauerte die Unannehmlichkeiten, verwies aber auf den harten Lockdown und den erforderlichen Schutz für Fahrer und Fahrgäste: „Der Ticketverkauf durch die Lenker wurde deshalb ab 17. November eingestellt und die Vordertüren der Busse geschlossen.“

Wegen Corona kein Ticket beim Lenker

Alternative Verkaufsstellen wären die Automaten, die auch in Wien-Floridsdorf zu finden seien, sowie Personenkassen, „sofern aktuell offen“, wie Bachmaier einschränkte. Zudem gäbe es auch die Möglichkeit, Fahrkarten in Online- und Mobile-Ticketshops zu kaufen. Bachmaier: „Automaten sind zudem in den Bahnhöfen vorhanden.“ Sie bittet um Verständnis, dass viele Maßnahmen vor allem Risikogruppen schützen sollen, zu denen ältere Personen gehören: „Wir hoffen, die Pandemie bald überstanden zu haben und zum regulären Leben zurückkehren zu können, inklusive Ticketverkauf.“

Für Ulrich sind das keine Argumente: „Corona und die Forderung nach sozialer Distanz lasse ich nicht gelten, da es nur wenige Fahrgäste gibt, die in diesen Zeiten freiwillig öffentliche Verkehrsmittel nutzen.“