Etzelsdorfer zu Umweltschutz: „Jeder kann selber etwas tun“

Erstellt am 04. August 2022 | 04:49
Lesezeit: 5 Min
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Brigitte Etzelsdorfer ist trotz ihrer Long-Covid-Erkrankung unermüdlich im Einsatz.
Foto: privat
Brigitte Etzelsdorfer aus Bisamberg erzählt, wie die Umweltinitiative LELOG arbeitet und was bei ihren Kämpfen oft hilfreich ist.
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Postverteilerzentrum am Fuße des Bisambergs oder Nekropole im Natura-2000-Gebiet: Die Pläne lagen schon fertig auf den Tisch. Brigitte Etzelsdorfer kämpfte mit ihrer Umweltinitiative LELOG dagegen an, außerdem ist sie bildende Künstlerin. Die NÖN sprach mit ihre über eine mühselige Corona-Infektion und die derzeitigen Schwerpunkte der Umweltinitiative.

NÖN: Vorweg, Sie erkrankten an Corona und litten unter den Langzeitfolgen. Wie geht es Ihnen jetzt?

Brigitte Etzelsdorfer : Es geht mir wieder sehr gut. Ich habe neun Monate an Long-Covid gelitten. Es war schrecklich und ich bin froh, dass ich es überwunden habe. Ich habe wieder viel Kraft und Energie, die ich mir Schritt für Schritt zurückerkämpfen musste. Einzig meine Hände machen noch Probleme. Durch die Entzündungen von Corona kann ich mehrere Finger nicht mehr abbiegen und die Hände schmerzen bei Bewegung. Demnächst steht deshalb eine OP an und ich bin zuversichtlich, dass es danach besser ist.

Erhielten Sie Unterstützung?

Etzelsdorfer : Kaum, es war ein Ärztemarathon, der großteils privat finanziert werden musste. Eine Reha in Baden habe ich abgebrochen, da man mich dort nach einem 0815-Prinzip, das in diesem Fall überhaupt nichts gebracht hat, behandelt hat. Letztendlich war es meine Willenskraft, dass ich wieder gesund bin.

Nach der Vereitelung des Postverteilerzentrums und der beiden Waldfriedhöfe scheint kein Weg an LELOG vorbei zu führen, wenn es um Umweltschutz geht. Sehen Sie das auch so?

Etzelsdorfer : LELOG ist keine große Umweltorganisation. Alle arbeiten ehrenamtlich und opfern ihre Freizeit neben Job und Familie. Deshalb können wir auch nicht alles alleine machen. Toll wäre es, wenn wir weitere Mitglieder finden könnten, die uns mit Kraft und Enthusiasmus unterstützen. Wenn wir um Hilfe gebeten werden, setzen wir voraus, dass die Menschen vor Ort auch selber mitarbeiten. Denn jeder kann selber etwas tun. Das konnten wir gegen die Post sehr gut zeigen, und auch gegen den Waldfriedhof in Hagenbrunn sind umweltbewusste Menschen selber aktiv geworden. Bei der Elisabethhöhe (Anm.: zweiter Urnenfriedhof) hatten wir Hilfe durch die Gemeinde und den Bürgermeister.

Was waren Ihre ersten Gedanken, als sie von den Absagen gehört haben?

Etzelsdorfer : „Gott sei Dank vorbei.“ Es ist wie ein Stein, der von einem abfällt. Gleichzeitig war ich von Stolz erfüllt und eine große Freude hat sich breitgemacht. Ich glaube, dass sich viele nicht vorstellen können, wie viel Arbeit und Zeit dahintersteckt. Das sind unzählige Telefonate, Briefe, Besprechungen mit Rechtsanwalt und Behörden, Begehungen mit Sachverständigen, Pressearbeit und mehr – eine große Belastung für alle, die aktiv mitarbeiten. Bei diesen Menschen möchte ich mich bedanken, denn alleine könnte ich das nicht schaffen.

Nach den letzten Erfolgen herrscht derzeit „Flaute“. Welche Herausforderungen könnten auf LELOG zukommen?

Etzelsdorfer : Flaute herrscht leider nie. Wir sind in vielen Bereichen tätig. LELOG arbeitet seit vielen Jahren daran, den Menschen bewusst zu machen, dass uns Energie nicht unendlich zur Verfügung steht. Bereits 2019 haben wir verschiedene Behörden, Kammern und so weiter über Möglichkeiten des Energiesparens informiert und aufgefordert, Kampagnen zu starten.

Wenn ich Reklame, Design-Beleuchtung an Gebäuden oder auch Weihnachtsbeleuchtung die ganze Nacht hindurch leuchten sehe, denke ich mir nur, was das für eine sinnlose Verschwendung ist. Im März haben wir 705 EU-Abgeordnete angeschrieben und gegen die Aufnahme von Atomkraft in die Taxonomieverordnung gekämpft.

Leider hat sich das EU-Parlament dafür entschieden, Atomkraft als „grün“ einzustufen Immer wieder melden sich Leute aus ganz Österreich bei uns, die uns um Hilfe bitten. Wir beraten Bürgerinitiativen und helfen ihnen, wenn es uns möglich ist. Wir haben aber auch manchmal absurde Anfragen, die mit Umweltschutz nichts zu tun haben. Viele Menschen denken, dass wir alles verhindern müssen.

Welche Ziele haben Sie sichgesetzt?

Etzelsdorfer : Eines unserer Ziele ist es, zu verhindern, dass es bei uns so wird wie im Süden von Wien, wo riesige Industrie- und Logistikzentren vorherrschen. Vor allem, dass immer mehr zubetoniert wird und der Verkehr dadurch immer mehr wird, stimmt uns traurig. Gleichzeitig sind viele Leerstände in und rund um Wien zu verzeichnen.

Sie sind auch eine anerkannte Künstlerin. Wann und wo sind Ihre Werke zu sehen?

Etzelsdorfer: Leider momentan nur bei mir zu Hause. Durch Corona waren Künstler sehr eingeschränkt und konnten ihre Werke kaum präsentieren. Durch meine Erkrankung an den Händen wird es noch ein wenig dauern, bis ich wieder so aktiv als Künstlerin arbeiten kann wie vorher. Aber das wird bald wieder möglich sein.

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