Nach Long-Covid: „Ich will aufrütteln“. Brigitte Etzelsdorfer aus Bisamberg blickt mit der NÖN auf ihre Leidensgeschichte zurück.

Von Bernhard Preineder. Erstellt am 30. Juni 2021 (05:59)
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So wie Brigitte Etzelsdorfer geht es vielen Long-Covid-Patienten. Mit ihrer Leidensgeschichte will sie vor allem die NÖ-Gesundheitsbehörden „endlich wachrütteln“.
privat, privat

Die Bisamberger Umweltaktivistin und Künstlerin Brigitte Etzelsdorfer ist der Verzweiflung nahe. Seit sie sich mit dem Coronavirus infiziert hatte und nun mit den Langzeitfolgen kämpft, fühlt sie sich von den diversen Gesundheitseinrichtungen in NÖ im Stich gelassen.

Gegenüber der NÖN erzählt sie ihre ganz persönliche Geschichte, die wahrscheinlich auch andere Leidensgenossen durchleben mussten. Sie will damit die Verantwortlichen „aufrütteln“.

Erst der zweite Test fiel positiv aus

Es war am 2. Dezember 2020. „Ich dürfte mich im Büro angesteckt haben“, glaubt die Bisambergerin. Fünf Tage später fühlte sie sich „hundeelend“, doch der Coronatest war negativ. Die Beschwerden wie Kurzatmigkeit, Schwindel, Halsschmerzen und der teilweise Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns blieben. Erst ein Anruf bei 1450 und ein neuerlicher Test brachte Gewissheit: Positiv.

„Ich hatte großes Glück, dass meine Hausärztin rund um die Uhr mit mir in Kontakt war und mich bestens betreut hat“, erinnerte sie sich. Doch alle Medikamente halfen nichts. Die Folge: Sie wurde ins LKH Stockerau eingewiesen, konnte dieses allerdings am gleichen Tag verlassen, da die Sauerstoffwerte im grünen Bereich lagen.

Zu wenig Erfahrung, zu wenig Möglichkeiten

Was blieb, waren die Symptome. In einem Wiener Krankenhaus kam die niederschmetternde Diagnose, dass sie wahrscheinlich „Long-Covid“ hätte, damit begann für sie ein weiterer Leidensweg. Denn die Therapiemöglichkeiten sind mangels Erfahrungen noch sehr eingeschränkt. Ein Internist empfahl ihr Ausdauersport.

„Das ging gut, solange ich mich bewegte. Doch danach kehrten die Schmerzen wieder zurück“, erzählt Etzelsdorfer. Es folgten Besuche bei Orthopäden, Rheumatologen, Homöopathen und etlichen anderen Spezialisten, die aber ebenfalls nicht helfen konnten. Es gäbe zu wenig Erfahrungswerte.

Lange Wartezeiten und Behörden-Dschungel

Hoffnung machte ihr, dass es im Wiener AKH eine Ambulanz gibt, aber da hätte sie erst einen Termin im Oktober bekommen. „Ich wollte dann eine ambulante Reha in Oberlaa oder Bad Pirawarth. Doch auch hier gab es Wartezeiten bis Dezember“, berichtete sie. Eine Physiotherapie bei den Barmherzigen Schwestern in Wien musste sie abbrechen, da die An- und Rückfahrt von rund zwei Stunden nach einem 30-minütigen Krafttraining zu anstrengend gewesen wäre.

Während es in Wien wenn auch spät, aber doch Termine gab, sieht es für Long-Covid-Patienten in NÖ ganz anders aus. Auch dazu kann Etzelsdorfer ein Lied singen, die sich durch einen wahren Behörden-Dschungel kämpfen musste: „Ich kontaktierte die PVA, die ÖGK, verschiedenste Krankenhäuser und auch die NÖ Landesgesundheitsagentur, alles ohne Erfolg.“

Kein Aufbau spezieller Ambulanzen in NÖ geplant

Ein verzweifelter letzter Versuch bei der NÖ Landesregierung mit der Bitte, wie in Wien Ambulanzen als Anlaufstellen in NÖ einzurichten, wurde an die Landesgesundheitsagentur weitergeleitet. Die Antwort war ebenso ernüchternd wie erschütternd: Auf Basis der heutigen medizinischen Erkenntnisse ist derzeit kein Aufbau spezieller Long-Covid-Ambulanzen in den NÖ Kliniken geplant. Etzelsdorfer schüttelt darüber den Kopf und fragt sich: „Sind wir in Niederösterreich schlechtere Menschen?“

Bei einem Arzt in Wien hofft sie nun, endlich Hilfe zu erhalten. Mittlerweile hat sie sich auch einer Selbsthilfegruppe angeschlossen. Long-Covid ist noch recht unbekannt, deshalb sei es für sie wichtig, dass Anlaufstellen wie Ambulanzen eingerichtet werden, wo man mehr Wissen und so mehr Therapiemöglichkeiten hat.

Sie ist aber dankbar: „Gott sei Dank habe ich in meinem Umfeld Menschen, die mir während und auch nach der Akutphase zur Seite stehen. An vorderster Front mein Mann, der immer da ist, wenn ich etwa keine Flasche aufmachen kann, da die Finger schmerzen oder mich tröstet, wenn ich zermürbt bin. Ich bin eine Kämpfernatur.“