Wien plant Urnenfriedhof: Wird Elisabethhöhe zur Friedhofshöhe?

Erstellt am 29. Juni 2022 | 05:46
Lesezeit: 3 Min
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Brigitte Etzelsdorfer und Günter Trettenhahn zeigen dem Projekt „Waldfriedhof“ die Rote Karte.
Foto: privat
Weder Bürger noch die Gemeinde Bisamberg wurden über die Pläne informiert. Sie sorgen sich um das Natura-2000-Schutzgebiet.
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Kaum ist ein Unwetter verflogen, folgt schon das nächste. Die Umweltorganisation „Lelog“ hatte erst das Waldfriedhof-Projekt in Hagenbrunn mit Erfolg bekämpft. Jetzt wartet neues Ungemach.

Die Stadt Wien hat auf der Bezirkshauptmannschaft Korneuburg das Projekt „Waldfriedhof Bisamberg“ eingereicht. Was sowohl Bürgermeister Günter Trettenhahn als auch Etzelsdorfer erzürnt, ist, dass weder die Bürger noch die Gemeinde darüber informiert wurden.

Auf insgesamt zehn Hektar Wald soll sich das Projekt erstrecken. Die Grundstücke sind im Eigentum der Stadt Wien, gehören allerdings zum Gebiet der Marktgemeinde. „Muss es unbedingt ein Natura-2000-Gebiet sein?“, fragt sich Etzelsdorfer.

Bürgermeister sieht keinen Bedarf und fürchtet um Artenvielfalt

Bürgermeister Günter Trettenhahn ist entsetzt und kämpferisch: „Wir werden gemeinsam mit der Umweltorganisation mit allen Mitteln gegen dieses Projekt vorgehen. Wenn es sein muss, bis zur obersten Instanz.“ Seine Argumente: In der Marktgemeinde gibt es ausreichend Bestattungsanlagen und es bestehe kein Bedarf, zusätzliche Waldflächen dafür zu roden. Und er gibt zu bedenken: „Im Rahmen eines Life-Projektes der EU wurde vor einiger Zeit die Artenvielfalt des Bisambergs untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass wir hier in einem sensiblen, von großem Artenreichtum gekennzeichneten Gebiet leben, das auch für die Nachwelt erhalten werden muss.“

Zudem befürchtet er durch eine friedhofsmäßige Erschließung eine Verkehrslawine, die die Lebensqualität massiv mindert. Besucher, Trauergäste und Friedhofstouristen werden laut Berechnung der Umweltorganisation 150.000 zusätzliche Fahrten produzieren, die die schmale, 2,1 Kilometer lange Straße auf den Bisamberg belasten werden. Eine Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht.

Unterstützung erhalten sie durch Rechtsanwalt Wolfgang List, Spezialist in Umweltfragen. „Wir werden das rechtlich zu verhindern wissen“, verspricht der Umweltjurist. „Der Friedhof ist auf keinen Fall genehmigungsfähig und somit zum Scheitern verurteilt.“

Lelog-Obfraustellvertreter Nikolaus Kubiczek veranschaulicht seine Abneigung anhand eines Beispiels: „Ich habe zwei Kinder, mit denen bin ich sehr oft auf der Elisabethhöhe. Wenn sie in Zukunft 20 Meter in den Wald laufen, stehen sie mitten auf einem Friedhof. Ich gehe nicht mit meinen Kindern auf einen Friedhof spielen.“

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