Mordprozess am 6. August in Korneuburg. In Korneuburg wird am 6. August der Mordprozess in Zusammenhang mit der Bluttat in Gerasdorf (Bezirk Korneuburg) vom Juli 2020 stattfinden.

Von APA / NÖN.at. Erstellt am 10. Juni 2021 (14:54)
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Der Termin wurde der APA am Donnerstag auf Anfrage von Wolfgang Schuster-Kramer, dem Sprecher des Landesgerichts Korneuburg, mitgeteilt. Vor den Geschworenen verantworten muss sich Sar-Ali A., der den tschetschenischen Videoblogger Mamichan U. alias Martin B. erschossen haben soll. Dem Angeklagten droht lebenslange Haft.

Die Vorgeschichte der Geschehnisse vom 4. Juli 2020 ist brisant. Martin B. alias Mamichan U. war über Jahre hinweg Informant für das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung Wien. Der 43-Jährige tat sich als vehementer Kritiker des tschetschenischen Regionalpräsidenten Ramsan Kadyrow hervor, den er auch auf seinem Blog beleidigt und beschimpft hatte. Obwohl Martin B. befürchten musste, damit sein Leben zu gefährden, lehnte der 43-Jährige Polizeischutz ab. Er ließ sich allerdings täglich von Ahmed A. - ebenfalls ein Kadyrow-Kritiker - begleiten.

Am Abend des 4. Juli des Vorjahres verabredete sich Martin B. auf einem abseits gelegenen Firmengelände in Gerasdorf mit seinem tschetschenischen Landsmann Sar-Ali A. (47), einem Anhänger von Kadyrow. Den Rahmen bildete der Tausch eines BMW gegen eine Waffe. Der Bodyguard versteckte sich am Areal in Absprache mit Martin B. etwas abgelegen hinter einem Fahrzeug. Dort positioniert, war Ahmed A. außerstande rechtzeitig in das Geschehen einzugreifen.

Sar-Ali A. soll zu Martin B. in dessen Wagen gestiegen und mit einer Pistole aus geringer Entfernung auf den Mann geschossen haben. Dieser Darstellung widersprach der Angeklagte allerdings laut seinem Anwalt. Der 47-Jährige will zwar in Gerasdorf gewesen sein, das Firmengelände aber verlassen haben, als Martin B. noch gelebt hat. Weitere Angaben zur Rolle des Beschuldigten und zum Verfahren selbst machte der Verteidiger am Donnerstag auf APA-Anfrage nicht. Belastet wird Sar-Ali A. jedenfalls durch Schmauchspuren, die sich auf seiner Kleidung befunden hatten. Zudem wurde die DNA des Angeklagten im Wagen des Opfers entdeckt.

Begleitet werden wird der Mordprozess in Korneuburg von strengen Sicherheitsvorkehrungen. Dies war auch bereits der Fall, als am 8. April Bodyguard Ahmed A. im Zusammenhang mit den Geschehnissen in Gerasdorf wegen versuchten Mordes - nicht rechtskräftig - zu 14 Jahren Haft verurteilt wurde. Angelastet wurde dem 37-Jährigen, er habe den flüchtenden mutmaßlichen Mörder erschießen wollen, nachdem dieser B. getötet hatte. Aufgrund eines Defekts der Pistole von Ahmed A. brach allerdings kein Schuss. Die Rechtfertigung des Angeklagten, auf die Reifen des Fluchtwagens gezielt zu haben, ließen die Geschworenen nicht gelten.

Ahmed A. und dessen Verteidiger sprachen im damaligen Verfahren mehrmals von einem "Auftragsmord von Kadyrow". Hinweise darauf soll es im Rahmen des Ermittlungsverfahrens auch gegeben haben. Dennoch wird der tschetschenische Regionalpräsident nicht Teil des Prozesses sein.