Hallen-Projekt regt Anrainer auf: „Sagt uns endlich die Wahrheit!“

Erstellt am 20. Juli 2022 | 05:33
Lesezeit: 5 Min
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Die Anrainer des Schmatelkateichs protestierten bei der Informationsveranstaltung mit Plakaten gegen das Projekt, bei dem sie befürchten, es könnte ein Logistikpark werden.
Foto: privat
Anwohner des Schmatelkateichs in Gerasdorf meldeten sich lautstark zu Wort. Sie fürchten, belogen und von der Gemeinde nicht ernstgenommen zu werden.
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Bei einer Infoveranstaltung zum geplanten Großprojekt „Businesspark“ im Süden Gerasdorfs kam es zu einer unschönen Überraschung für die Firma CTP, die für den Bau verantwortlich ist: Statt einer konstruktiven Diskussion mit den Bürgern wurde das tschechische Bauunternehmen mit lautstark protestierenden Anwohnern konfrontiert.

Mittels Plakaten und lauten Zwischenrufen bei dem Vortrag taten sie ihren Unmut über den geplanten Bau kund. Grund für die Aufregung: Sie befürchten, dass statt eines Businessparks mit Klein- und mittelständischen Unternehmen ein riesiger Logistikpark entstehen könnte. Die Anrainer fühlen sich laut eigener Aussage von der Gemeinde und CTP belogen.

74 Lkw-Docks bereiten den Anrainern Sorge

Laut offiziellen Plänen soll auf der freien Wiese neben der Schmatelkateich-Siedlung eine rund 50.000 Quadratmeter große Halle erbaut werden, in der sich kleinere Unternehmen ansiedeln können. Doch ebenfalls auf den Plänen zu finden sind 74 Lkw-Docks, die derzeit als Platzhalter gelten. Die Anrainer befürchten jedoch, dass diese Docks für eine sogenannte Last-Mile-Logistik genutzt werden und sich statt mehreren Kleinunternehmen ein Großunternehmen in der Halle einmietet, welches das Gebäude als Logistikpark nutzen würde.

Sollten dies der Fall sein und alle Lkw-Docks genutzt werden, könnte es zu einer massiven Verkehrsbelastung kommen. Laut einem von der benachbarten Amira GmbH beauftragten Verkehrsgutachten könnte es täglich zu 3.000 bis 4.000 (Lkw-)Fahrten kommen. Die Bezirkshauptmannschaft hat derzeit eine Obergrenze von 957 Fahrten festgelegt, doch die Bürger fürchten nachträgliche Änderungen, wenn die Mieter feststehen.

Die CTP war zur Zeit der Anfrage nicht für eine Stellungnahme verfügbar. Baustadtrat Andreas Zein (FPÖ), der ebenfalls an der Infoveranstaltung teilnahm, beruhigt jedoch: „Wir wissen bis jetzt noch nicht, wer da einziehen wird. Aber uns ist das nicht egal. Es ist uns wichtig, dass die versprochene Anzahl der Fahrten eingehalten wird.“

Was ein Logistikpark und das dazugehörige überhöhte Verkehrsaufkommen zur Folge hätten, erklärt Wilhelm Grabmaier, der den größten Anrainer Amira GmbH vertritt: „Die Ampel bei der Einfahrt ist nicht für so viel Verkehr ausgelegt, die Wartezeiten könnten sich dann auf 30 bis 40 Minuten belaufen. Wenn unsere Mieter so lange bei Ampel stehen müssen, gehen sie weg und suchen sich einen anderen Standort.“ Grundsätzlich sei ein Logistikzentrum für ihn eher ein Fortschritt, doch das vorgelegte Verkehrskonzept der CTP sei untragbar. Er fordert einen Kreisverkehr und eine Straßenverbreiterung, um den Verkehr besser bewältigen zu können.

Anrainer fürchten auch Umweltbelastung

Die Anwohner des Schmatelkateichs fürchten neben Verkehrschaos und ständiger Lärmbelästigung auch die Zerstörung ihrer Idylle. Dass die naturbelassene Grünfläche ohne Rücksicht auf Umweltschutz versiegelt werden soll und auch ihre Wünsche, darunter ein begrüntes Dach, nicht angenommen werden, stößt ihnen sauer auf. Was die Anrainer derzeit jedoch am meisten ärgert, ist die Kommunikation mit Gemeinde und CTP. „Wir Bürger fühlen uns von der Gemeinde nicht ernstgenommen. Es kommt uns vor, als würde die Gemeinde nur auf der Seite der CTP stehen“, klagt Romana Böhm, die in der Schmatelkateich-Siedlung wohnt. Sie habe das Gefühl, die Gemeinde wolle nicht sehen, dass es sich bei dem Projekt möglicherweise um einen Logistikpark handeln könnte, und fordert: „Sagt uns endlich die Wahrheit!“

Andreas Zein, der die lautstarken Proteste bei der Infoveranstaltung beobachtete, meint sorgenvoll: „Ich verstehe die Angst der Anwohner, aber wenn es im Vorhinein schon Konflikte gibt, dann wird die Firma wohl auf keine Wünsche mehr eingehen wollen.“ Er bietet jedoch an, im August mit den Anwohnern über ihre Ängste und Forderungen zu sprechen. Von einem möglichen Logistikpark wisse er nichts, doch sollten die Anwohner recht behalten, sei auch er dagegen.

Ob und wie das Projekt der CTP umgesetzt wird, liegt derzeit in den Händen der Bezirkshauptmannschaft Korneuburg; anstelle des Businessparks wünschen sich die Anrainer des Schmatelkateichs eine nachhaltigere Lösung in Form einer Fotovoltaikanlage sowie eine Kompromisslösung. Sollte die CTP eine Baubewilligung bekommen und keine Rücksicht auf die Bewohner nehmen, kündigen diese an, ihren Protest nicht aufzugeben: „Wir stehen geschlossen da, wir werden jedes einzelne Auto kontrollieren und der CTP auf die Finger schauen.“

Mit der Angst vor einem überraschenden Logistikpark sind die Anrainer in Gerasdorf nicht alleine. In Bruck an der Leitha wird bereits an einer Großhalle der CTP gebaut, und auch dort wird die Vermutung immer lauter, dass anstelle der angekündigten Klein- und Mittelbetriebe ein Großunternehmen einziehen könnte – was CTP jedoch zurückweist.

SPÖ-Bürgermeister Alexander Vojta konnte aus Zeitgründen keine Stellungnahme zu der Causa abgeben und verwies bei der NÖN-Anfrage auf die Aussagen von Stadtrat Andreas Zein.

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