Lockdown fordert die Ortschefs im Bezirk Korneuburg. Bürgermeister sind trotz Pandemie für das Funktionieren der Gemeinde und für die Information der Bürger verantwortlich.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 04. November 2020 (04:44)
StockerausBürgermeisterinAndrea Völkl nutzt auch ihre Blogs, um den Kontakt zu denBürgern zu halten.
Mohsburger

Corona und der Lockdown sind eine Herausforderung für die Bürgermeister als Behördenvertreter. Die NÖN hat nachgefragt, wie sich die Aufgaben geändert haben und wie der Kontakt zu den Bürgern gehalten wird.

In einer Videokonferenz hat Bezirkshauptfrau Waltraud Müllner-Toifl gleich am Montag alle Bürgermeister über die rechtlichen Details zum Lockdown informiert. Dabei wurde besonderes Augenmerk auf die Bereiche gelegt, für die die Gemeinden unmittelbar zuständig sind, wie Kindergärten oder Schulen.

Die Bestimmungen zum Lockdown lässt der Ernstbrunner ÖVP-Bürgermeister Horst Gangl via Website, elektronischem Newsletter und per Anschlag verteilen, „das Amtsblatt wäre zu langsam“. Er sieht sich in der Funktion eines Dolmetschers, der die Verordnung verständlich erklärt. Schon am Sonntag erhielt er viele Anfragen zu Details per SMS, WhatsApp und Handy. Vereinzelt fanden sich bei den Fragen besondere Spitzfindigkeiten. Er lobt aber die Bürger, die etwa zu 95 Prozent diszipliniert seien.

Die Arbeit sei wegen der Pandemie aber anstrengender, weil ständiges Abstimmen mit Kindergarten, Schulen und Gemeindebetrieben nötig ist. Zudem werde auch mehrmals pro Woche an das Einhalten aller Abstandsregeln in allen Gemeindebetrieben erinnert. Stolz ist Gangl, „dass ich wegen Corona noch nie einen Termin abgesagt habe. Wenn ein Bürger kommt, dann braucht er ja etwas von mir.“ Allerdings unter strenger Einhaltung aller Sicherheitsbestimmungen.

Für die, die sich nicht an die Bestimmungen halten, hat Gangl kein Verständnis: „Ich war selber schon dreimal Testen, das ist wirklich nicht lustig.“ In seinem Umfeld kennt er zahlreiche Fälle von Infizierten, „sowohl Positive ohne Symptome und Probleme, als auch Erkrankte mit langfristigen Einschränkungen“. Auch deshalb lautet sein Rat an Gemeindebedienstete und alle Bürger: „Passt auf, ihr wisst nicht, was kommen kann.“

Die Gemeinde als Betrieb

Im Lockdown muss die Stadt auch ihre eigenen Eirichtungen wie Sportstätten schließen, erklärt die Stockerauer ÖVP-Bürgermeisterin Andrea Völkl. Es gelte, „die Gemeinde als Betrieb“ zu sehen und alle vorgegebenen Maßnahmen umzusetzen. Natürlich stehe die Stadt auch den Bürgern mit Rat zur Verfügung, Detailanfragen zum Lockdown sind laut Völkl aber noch nicht viele eingelangt.

Von ihrer Vorgabe beim Amtsantritt, „das Rathaus soll offen für alle Menschen sein“, sei man momentan leider weit entfernt, erklärt die Stadtchefin. „Jede Zeit hat ihre Herausforderungen, das ist unsere“, versucht sie zu beruhigen.

Schon beim ersten Lockdown war es wichtig, die Ausfallsicherheit herzustellen. War im Frühjahr alles neu, musste man nun fast nur noch in die Lade greifen. Auch jetzt gibt es im Rathaus wieder zwei Gruppen, um im Falle eines positiven Tests weiterarbeiten zu können. Viele Besprechungen erfolgen allerdings, so es möglich ist, digital.

Wichtig ist für Völkl das reibungslose Funktionieren der Stadtbetriebe. Während des Lockdowns im Frühjahr etwa konnten nur Sperrmüll und Giftstoffe nicht abgegeben werden, die Container für Gartenabfälle und Glas waren stets zu erreichen.

Auch wenn sich das Bürgerservice derzeit in Quarantäne befindet, funktioniere der Kontakt zur Bevölkerung sehr gut, so Völkl: „Die Leute kennen und finden mich, weil ich ja auch in der Stadt unterwegs bin.“ Als zusätzliche Kontaktmöglichkeit hat Völkl auch ihren Blog auf der Website der Stadt. „Es freut mich, dass der Blog wirklich von vielen gelesen wird“, dies zeigten auch viele Rückmeldungen.

Keine zusätzlichen Aufgaben durch den Lockdown sieht ÖVP-Bürgermeister Gerald Glaser in Enzersfeld. Das Personal im Gemeindeamt wurde allerdings zur Sicherheit bereits in zwei Gruppen geteilt. Nachfragen zu den Lockdown-Bestimmungen habe es vorerst keine gegeben.

Internet wird intensiver genutzt

Insgesamt ist Glaser überzeugt: „Man muss als Bürgermeister kreativ sein!“ Zur gemeinsamen Kranzniederlegung am Allerheiligentag gingen nur er und der Pfarrer vor die Kirche, die Reden wurden überragen. Gemeinsam mit dem Dorferneuerungsverein wird daran gearbeitet, verschiedene Aktionen wie etwa das Illuminieren des Adventkranzes im Internet zu zeigen. Im gleichen Ausmaß, wie der Parteienverkehr abgenommen hat, haben die Mails zugenommen, „der persönliche Kontakt ist aber leider reduziert“, so Glaser. Er sieht es als Herausforderung an, immer neue Lösungen zu kreieren.

„Wir haben schon viele Tätigkeiten auf digital umgestellt, die Mitarbeiter wurden auf zwei Teams aufgeteilt“, erklärt Alexander Vojta, SPÖ-Bürgermeister von Gerasdorf. Bei Sitzungen weicht man auf den Stadtsaal aus, um größere Abstände zu haben, Gemeinderatssitzungen werden virtuell abgehalten. Bei Schulen und Kindergärten ist die Herausforderung, genug Personal zur Verfügung zu stellen. „Wir brauchen zusätzliche Kräfte, um die Gruppen teilen zu können“, erklärt Vojta. Diese stammen aus einem Pool, der sonst für Krankenstandsvertretungen zuständig ist.

„Was mir weh tut ist, dass es keine Ehrungen gibt“, so Vojta. Gerade, als man eine große Veranstaltung planen wollte, um die aufgeschobenen Ehrungen aus dem ersten Lockdown gemeinsam durchzuführen, kam die zweite Welle. Nun erhalten alle ihre Geschenke und Urkunden zumindest per Post, „damit sie sehen, dass wir an sie denken“.

„Ich bin viel in der Gemeinde unterwegs, da kann man auch Kontakt zu den Bürgern mit Sicherheitsabstand halten“, erklärt der Stettener SPÖ-Bürgermeister Thomas Windsor-Seifert. Selbstverständlich wurde für das Gemeindeamt ein umfassendes Hygienepaket mit Einzelsystem, Bodenmarkierungen, Maskenpflicht, Trennwänden im Bürgerbüro und Voranmeldung geschaffen. Das Ergebnis laut Windsor-Seifert: „Es ist weniger los, weil das spontane Vorbeikommen nicht mehr möglich ist.“ Vieles werde jetzt per Telefon geklärt und besprochen. Zusätzlich wurden sämtliche Gemeindeveranstaltungen ebenso abgesagt wie einvernehmlich auch alle Parteiveranstaltungen und die Punschstände.

Auch in Rußbach setzt man verstärkt auf Telefon oder Mail, bei Sprechstunden darf es maximal drei Wartende geben. Dabei werden alle Abstandsregeln eingehalten. Laut ÖVP-Bürgermeister Hermann Pöschl zeigt sich: „Die Menschen haben natürlich daheim mehr Zeit zum Nachdenken, was sie stört oder was sie brauchen.“ Da seien durchaus gute Anregungen dabei. Um Kontakte gering zu halten, wurde für Müll- und Mistsäcke ein Automat bestellt. Bis zur Lieferung werden die Säcke nach Bestellung bereitgelegt.

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