397 Soldaten arbeiten im Postzentrum Hagenbrunn. Wegen der Häufung von Coronavirus-Infektionen bei Mitarbeitern ist im Logistikzentrum der Post in Hagenbrunn (Bezirk Korneuburg) nunmehr das Bundesheer im Einsatz.

Von APA, Redaktion. Update am 18. Mai 2020 (15:22)

397 Bedienstete seien im Schichtbetrieb tätig, betonte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) am Montag bei einem Besuch der Einrichtung. In dieser Zahl seien auch Spezialisten des ABC-Abwehrzentrums Korneuburg enthalten.

Am Wochenende war das Areal desinfiziert worden. Noch in der Nacht auf Sonntag begannen Soldaten und Zivilbedienstete vom Kommando Streitkräftebasis aus Salzburg, der Steiermark, aus Niederösterreich, Oberösterreich und Wien mit der Arbeit. Sie ersetzen die komplette Mannschaft der Post in der Logistikhalle. Die Dauer des Einsatzes ist laut Verteidigungsministerium vorerst mit zwei Wochen festgelegt.

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Die Unterstützungsleistung sei "zu bezahlen", sagte Tanner am Montag in Hagenbrunn. Wie hoch die Kosten sein werden, konnte Georg Pölzl, Generaldirektor der Österreichischen Post AG, nicht sagen. Er wies jedoch darauf hin, dass auch für das Postzentrum Inzersdorf in Wien bereits eine Unterstützungsanforderung abgeschickt worden sei. Sei diese eingelangt, werde das Bundesheer ebenfalls zur Stelle sein, kündigte die Ministerin an.

Es habe sich um einen Rat der Gesundheitsbehörde gehandelt, die Mannschaft an dem niederösterreichischen Standort auszuwechseln, sagte Pölzl weiter. Wie viele Infizierte es in Hagenbrunn und Inzersdorf gebe, konnte Pölzl nicht sagen. "Das ändert sich laufend", meinte er. Gleichzeitig verwies er auf kolportierte Zahlen. Demnach wurden in Hagenbrunn 63 Mitarbeiter positiv getestet, in Inzersdorf waren es 70.

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Pölzl: "Explosionsartig entwickelt"

Dass seitens der Post AG im Zusammenhang mit den Coronavirus-Infektionen sorglos gehandelt worden sein könnte, "sehe ich gar nicht so", betonte Generaldirektor Georg Pölzl am Montag in Hagenbrunn. An dem niederösterreichischen Standort und in Wien-Inzersdorf habe es eine Häufung der Fälle gegeben. Das habe sich "explosionsartig entwickelt".

Tests hätten alles zutage gebracht, erklärte Pölzl. Die Mitarbeiter hätten keine Symptome gehabt. Nur eine Person sei im Krankenhaus. Pölzl verwies auch darauf, dass 12.000 bis 13.000 der 20.000 Post-Mitarbeiter täglich Kundenkontakt hätten. Dennoch habe es vor der nunmehrigen Häufung in Hagenbrunn und Wien-Inzersdorf nur Einzelfälle von Infektionen gegeben, "keine 100" österreichweit, auch in Logistikzentren.

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Pölzl stellte zudem klar, dass Leiharbeiter teurer als eigenes Personal seien. Der Einsatz sei demnach kein Kostengrund, sondern entspreche den "Realitäten unserer Arbeitswelt". Er stehe auch dazu, Asylberechtigte zu beschäftigen, so der Postchef. Hagenbrunn sei vor einem halben Jahr geöffnet worden und habe demnach einen hohen Anteil an Leiharbeitern von "50 Prozent und darüber". Stammpersonal entwickle sich erst. "Leider", sagte Pölzl dazu, dass es Verzögerungen bei Lieferungen gebe.

Die Soldaten in Hagenbrunn arbeiten laut Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) im Schichtbetrieb. Es seien "immer die gleichen Schichten" und Kleingruppen tätig. Zwei Teams der ABC-Abwehrtruppe würden für regelmäßige Desinfektion in dem Logistikzentrum sorgen.

Wir berichteten:

In Hagenbrunn helfende Soldaten in Halle untergebracht

Die im Verteilerzentrum der Post in Hagenbrunn Hilfe leistenden Grundwehrdiener und Zivilbediensteten sind derzeit in einer Halle in der Dabschkaserne in Korneuburg untergebracht. Wegen der Kurzfristigkeit des Einsatzes sei eine Anmietung ziviler Unterkünfte vorerst nicht möglich gewesen. Es werden aber auch noch alternative Unterkünfte geprüft, betonte Heeres-Sprecher Michael Bauer am Sonntag.

In der Halle wurden Feldbetten für die rund 280 Soldatinnen und Soldaten aufgestellt. Um den notwendigen Sicherheitsabstand zu gewährleisten, ist die zur Verfügung gestellte Halle in Kojen mit bis zu vier bzw. maximal sechs Personen eingeteilt. Um die Kontaktfrequenz so gering wie möglich zu halten, ist die Personeneinteilung der Kojen gleich der Arbeitseinteilung im Verteilerzentrum. "Die Halle ist beheizt, trocken und wetterfest", wurde in einer Aussendung betont.

Die eingesetzten Kräfte seien "derzeit noch" an die sanitäre Infrastruktur der Kaserne gebunden. Morgen soll diese mit zusätzlichen Sanitärcontainern erweitert werden, kündigte das Bundesheer an, das nach eigenen Angaben mit der Aussendung auf Vorwürfe in sozialen Medien reagierte. Ein Posting hatte sich verbreitet, in dem kritisiert wurde, die Soldaten seien "unter miesesten Bedingungen" untergebracht, müssten "in einer Garage auf Liegestühlen" schlafen, hätten "kein Trinkwasser" und es stünden "4 Duschen für alle" zur Verfügung.

Die Wasserversorgung erfolgt über die Ausgabe von Wasserflaschen - "stilles und prickelndes Mineralwasser", wie das Bundesheer anführte. Das Wasser stünde "für eine freie Entnahme jederzeit" zur Verfügung.

Auch auf den im Posting geäußerten Vorwurf, "die Essensration sind lächerliche 2 Stück Brot und ein Würstchen 3x täglich", äußerte sich das Bundesheer: Die Kaltverpflegung für die Grundwehrdiener sei "aufgrund der raschen Einsatzbereitschaft der Kräfte" sichergestellt worden. "Ab morgen wird das Kontingent durch die Feldküche in der Kaserne versorgt und zusätzlich auch ein eigener Feldküchentrupp eingesetzt, um eine Versorgung der Soldaten mit warmer Verpflegung sicherstellen zu können", hieß es.