Alle 15 Fälle aus dem Bezirk Korneuburg. 15 Menschen wurden positiv getestet. Bisher waren in Niederösterreich insgesamt 362 Personen getestet worden, 328 davon negativ.

Von Christine Haiderer, Herwig Mohsburger und Michaela Höberth. Erstellt am 05. März 2020 (14:06)
Untersuchungen zum Coronavirus
APA/dpa/Christophe Gateau

Bis Donnerstag wurden 15 Menschen in Niederösterreich positiv auf das Coronavirus getestet. Alle stammen aus dem Bezirk Korneuburg und dürften sich gegenseitig angesteckt haben. Nach den ersten Fällen in Harmannsdorf sind mittlerweile auch andere Gemeinde betroffen. Von öffentlicher Seite ist man mit der Nennung der Wohnorte der Erkrankten aber zurückhaltend. ? „Es gibt ein massives Mobbing“, betont Dietmar Baumgartner, Vizepräsident und Obmann der Kurie der niedergelassenen Ärzte der Ärztekammer für NÖ anlässlich eines Impf-Gespräches.

„Das Problem ist: Nicht alle Erkrankungsfälle verlaufen so schwer wie damals bei SARS“, erläutert Karl Zwiauer, Mitglied des Impfgremiums des Gesundheitsministeriums. Damals konnte man rascher erkennen, wer betroffen ist. Bei COVID-19 hingegen gebe es auch leichte Verläufe. Betroffene bemerken oft nicht, dass sie infiziert sind, können aber andere anstecken.

Muss man jetzt Angst haben, wenn man im Bezirk einkaufen geht? Nein, für eine Ansteckung sei ein intensiver Kontakt  notwendig, „gemeinsam morgens beim Bäcker zu stehen, reicht vermutlich nicht aus“, so Zwiauer. Darüber hinaus, so informiert Maria Paulke-Korinek, Abteilungsleiterin Impfwesen im Sozialministerium, fragen Amtsärzte bei Coronavirus-Fällen ja nach, mit wem die betroffenen Personen möglicherweise Kontakt hatten. Und: „Es wird sofort jeder kontaktiert.“ Wenn sich ein Fall bestätigt.

"Werde wie eine Aussätzige behandelt"

Bereits am Mittwoch wurde eine Person von der Firma Bühler in Leobendorf positiv getestet. „Wir haben sofort alle, die mit der betreffenden Person Kontakt haben konnten, vom Dienst freigestellt und heimgeschickt“, erklärt Bühler-Personalchef Christian Puhr. Auf den Betrieb hat dies derzeit keinerlei Auswirkungen, der läuft ganz normal weiter, „wir sind guter Dinge, dass es keine weiteren Erkrankungen gibt“, so Puhr. Bereits vor Wochen habe man die Angestellten über sämtliche Hygienemaßnahmen informiert. Zusätzlich gibt es auch ausreichend Möglichkeiten zur Desinfektion. Puhr: „Natürlich sind wir auch in Kontakt mit der Bezirkshauptmannschaft. Aktuell sind aber keine weiteren Maßnahmen in Sicht.“

Derzeit befinden sich auch viele Menschen im Bezirk in Quarantäne, die nicht erkrankt sind. So wie eine Frau aus Niederfellabrunn, die sich an die NÖN wandte. Eine simple Krankmeldung wegen Schnupfen brachte für sie ein böses Erwachen: Sie wurde von der Polizei kontaktiert, da ein Kontakt mit einer Corona-Erkrankten aus dem Bezirk nicht ausgeschlossen werden konnte.

„Ich musste mich testen lassen. Ein Ambulanzwagen fuhr vor unserem Haus vor und ein komplett verhüllter Mann nahm den Test an den Nasenschleimhäuten vor“, schildert sie. „Natürlich wird so etwas im Ort bemerkt“, ist sie über das Vorgehen verärgert. Ihre Mutter hingegen, die im selben Haus lebt, wurde nicht getestet. Mittlerweile liegt der Befund der jungen Frau vor, sie hat sich nicht mit dem Virus angesteckt. Dennoch muss sie bis 10. März zuhause bleiben. „Ich werde wie eine Aussätzige behandelt, obwohl ich gar nichts habe und auch nie zu der Erkrankten Kontakt hatte!“, schüttelt sie den Kopf.