Tanzschulen fühlen sich im Stich gelassen. Wird der Betrieb in den Tanzschulen nicht bald hochgefahren, fehlen in der kommenden Saison die Jungdamen- und Jungherrenkomitees für die Bälle, warnt Tanzschulbesitzerin.

Von Herwig Mohsburger und Veronika Löwenstein. Erstellt am 13. Mai 2020 (14:31)
René Taumberger weiß derzeit nicht einmal, in welchen Bereich sein Tanzstudio eingeordnet wird.
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„Die Gruppe der Tanzinteressierten ist zu klein, um sich  in der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen. Dies trotz rund 200 Tanzschulen in Österreich“, erklärt Manuela Danek.

Sie betreibt mit ihrem Mann die gleichnamige Tanzschule in Korneuburg und vielen weiteren Orten im Weinviertel. Möglicherweise liege die fehlende Lobby auch darin begründet, „dass Kunden nicht sehen, dass das unser Job ist und nicht nur ein Hobby“, vermutet Danek. Für sie ist es völlig unverständlich, dass bei den stufenweisen Lockerungen der Covid-Bestimmungen die Tanzschulen nicht vorkommen.

Manuela Danek forderte endlich konkrete Informationen.
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 „Unser Saal in Korneuburg ist 350 Quadratmeter groß und acht Meter hoch, aber ich darf nicht einmal eine Privatstunde geben“, kritisiert Danek die Regelungen. Dabei ist das Interesse am Tanzen ungebrochen groß. „Es ist uns schon alles egal, komm zu uns, wir wollen üben“, bekommt sie von Schülern am Telefon zu hören. 

Sollte nicht bald wieder mit dem Unterricht begonnen werden können, „geht eine ganze Generation für das Kulturgut Gesellschaftstanz verloren“, warnt Danek. Werde der Betrieb in den Tanzschulen nicht bald hochgefahren, fehlen in der kommenden Saison zudem die Jungdamen- und Jungherrenkomitees für alle Veranstaltungen -  vom Pfarrball bis zum Opernball.

Nach den derzeitigen Bestimmungen wäre ein Unterricht im Freien für bis zu vier Paare möglich. Deshalb sucht Danek geeignete Flächen, vorzugsweise mit glattem Asphalt.

Danek, die auch Vizepräsidentin des Tanzlehrerverbands Niederösterreich ist, verlangt klare Vorgaben, wann und unter welchen Bedingungen der Betrieb wieder starten könnte. „Wir wollen aufmachen, sagt uns bitte die Bedingungen!“, fordert sie von den verantwortlichen Politikern.

Viel Zeit bleibt den Tanzschulen nicht. Danek hofft, dass sie im Juni die noch fehlenden Stunden aus dem Winterkurs nachholen kann. Ohne rechtzeitige Vorgaben für die Wiedereröffnung ist es für Danek fraglich, „ob ich heuer noch genug Einnahmen haben werde, um davon leben zu können.“

Die Tanzlehrerin kritisiert aber auch die Bevormundung der Menschen. „Angst weg – Vernunft her!“, verlangt sie. Wenn die Menschen im Supermarkt den nötigen Abstand einhalten können, dann sei ihnen diese Vorsicht auch beim Tanzen zumutbar, so Danek.

Taumberger: "Wissen nicht, wie und wann es weitergeht“

Gemeinsam mit seiner Frau betreibt René Taumberger das Tanzstudio Rock’n’Vision in Korneuburg. 1.000 Euro haben sie bisher aus dem Härtefonds erhalten. Seit 15. März hat das Tanzstudio geschlossen, mit einem Schlag war das Einkommen der Familie weg. „Wir sind zwar in der glücklichen Lage, dass uns Vermieterin auf die Miete verzichtet, Versicherung und Betriebskosten müssen wir aber trotzdem zahlen“, führt Taumberger vor Augen.

 Er ist mit seinem Tanzstudio ein Sonderfall, denn lediglich Rock’n’Roll wird als Paarsport geboten, alle anderen Angebote werden einzeln absolviert. Offiziell gehört das Tanzstudio weder zu den Tanzschulen noch zu den Fitnessstudios. „Wir wissen nicht, wie und wann es weitergeht“, bedauert Taumberger. „Die Wirtschaftskammer sieht uns in Richtung Tourismus und Freizeitaktivitäten“, beschreibt er den Status quo. Trotz der misslichen Lage steckt er den Kopf nicht in den Sand. „Man muss kreativ werden“, lautet sein Credo. Seit Anfang April verkauft er deshalb Online-Fitnesskarten, 80 Personen haben davon bereits Gebrauch gemacht. „Es ist eine Form der Unterstützung und unsere Kunden können sieben Tage die Woche Sport machen“, erklärt er.

Auch wenn es weitergehen sollte, ist für ihn noch eine wesentliche Frage offen: „Wir wissen nicht, was die Kunden machen. Kommen sie oder bleiben sie aus?“, grübelt er. Derzeit geht er davon aus, dass ab September wieder ein Normalbetrieb möglich sein wird. „Dann können wir unser Semester abschließen“, so die Hoffnung des Tanzstudio-Betreibers. Derzeit wünscht er sich in erster Linie konkrete Infos, „wo wir stehen, welche Möglichkeiten es gibt und wann wir weitertun können.“ Mit entsprechenden Auflagen sieht er kein Problem in einer Öffnung, denn : „In der Gastronomie dürfen vier Leute an einem Tisch sitzen – ohne Masken. Das ist schon fragwürdig.“