Weinbaubetriebe in Hagenbrunn warten auf Startschuss. Mit diversen Strategien versuchen die Weinbaubetriebe, die sehr herausfordernde Zeit zu meistern.

Von Manfred Mikysek. Erstellt am 06. Februar 2021 (04:26)
Elisabeth Wanne- macher hat auch in schwierigen Zeiten noch ein Lächeln parat. Derzeit gibt es nur den Ab-Hof-Verkauf.
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Die Marktgemeinde inmitten der Weingärten, nur einen Katzensprung von der Bundeshauptstadt entfernt, ist ein beliebtes Ausflugsziel für Spaziergänge und zum Einkehren bei einem der Traditionsheurigen. „18 Familien betreiben Weinbau und es gibt 14 Heurigenwirte, die alle von der Pandemie wirtschaftlich betroffen sind. Jeder Betrieb versucht auf seine Weise, damit zurechtzukommen“, berichtet der Obmann des Weinbauvereins Josef Deutsch. Er bezeichnet die Stimmung unter den Mitgliedern des Vereins als sehr angespannt, denn: „Erster Lockdown, zweiter, dritter – es dauert einfach schon zu lange.“

Sein Heuriger hat 2020 von sechs im Heurigenkalender geplanten Terminen zu je drei bis vier Wochen nur vier offen halten können. Auch der Weinhandel mit der Gastronomie ist eingebrochen. Was bleibt, sind der Ab-Hof-Weinverkauf und die direkte Zustellung zu Privatkunden in Wien. In die anderen Bundesländer und nach Deutschland wird per Paketdienst ausgeliefert. Deutsch glaubt, dass frühestens zu Ostern aufgesperrt werden kann. „Das ist wichtig, denn wenn es länger dauert, besteht die Gefahr, dass die Mitarbeiter in andere Berufe abwandern.“

„Erster Lockdown, zweiter, dritter – es dauert einfach schon zu lange.“ Josef Deutsch, Obmann des Weinbauvereins

Das traditionelle Weinfest im September betrachtet er als „Lichtblick“, bis dahin sollte sich die Lage normalisiert haben. Ab dem Frühjahr wird es wieder geführte Wanderungen über den Weinwanderweg geben, derzeit ist die Planung der elf beteiligten Winzer im Gange.

Als reiner Weinbau- und Heurigenbetrieb ist der Familienbetrieb Wannemacher vom Lockdown besonders betroffen. Laut Heurigenkalender hat der Betrieb jährlich sechsmal jeweils rund fünf Wochen geöffnet, das war 2020 aber nicht der Fall. „Im Service und der Küche sind dann 20 Mitarbeiter beschäftigt. Im November haben wir Gansl-Menüs zum Abholen angeboten. Das war ein Zuckerl für unsere Gäste, rentabel war das aber nicht“, gesteht Elisabeth Wannemacher.

Auch derzeit wäre der Heurige geöffnet, doch es gibt Corona-bedingt nur den Ab-Hof-Verkauf von Wein, Sekt, Trauben- und Apfelsaft sowie Marmelade. „Der Ab-Hof-Verkauf ist im Lockdown auch geringer, es fehlt die Frequenz vom Heurigenbetrieb, da läuft der Verkauf mit“, stellt sie fest. Da das Lokal und der Garten laufend im Schuss gehalten wurden, gibt es aktuell keinen Sanierungsbedarf. Nun will sie sich um die Neugestaltung der Website und um die Etiketten der Flaschen kümmern. Dafür hätte sie sonst keinen Kopf und nicht genügend Zeit gehabt.

Den Lockdown nutzten Karl und Martina Böhm vom Heurigen Familie Böhm für Renovierungen. Saniert wurde die Küche, im Außenbereich wurde die Pergola samt Gartentischen und Bänken in Schuss gebracht. Im Vorjahr durfte von den sieben geplanten Öffnungstermine nur viermal zu je zirka drei Wochen offen gehalten werden. „Zu Martini haben wir Gansl-Essen zur Abholung angeboten, das ist recht gut gelaufen. Derzeit halten wir uns mit dem Ab-Hof-Verkauf über Wasser“, gibt Karl Böhm einen Einblick.

Der Heurige der Familie Schmidt bot schon beim ersten Lockdown Mittagsmenüs an. Das sei sehr gut angenommen worden, denn „wer kocht sich zu Hause Schweinsbraten mit Erdäpfelknödel?“, fragt Philip Schmidt. Dies sei ein Service, um im Gespräch zu bleiben. Den Heurigen führt seine Schwester Johanna. Eingebrochen ist auch der Weinhandel, da die Gastronomie geschlossen hat.

„Die Weinhändler kaufen nur einen Bruchteil, daher liefern wir verstärkt unseren Stammkunden den Wein mit unserem Bus“, berichtet der 33-Jährige. Newsletter sind für ihn ein weiteres Mittel, um mit den Kunden in Kontakt zu bleiben.

Eines haben die Betriebe gemeinsam: Alle hoffen, möglichst bald aufsperren zu dürfen. Unterschiedlich sind die Einschätzungen, ob es im März oder erst zu Ostern erlaubt wird.