Bezirk Korneuburg: Droht dem Sparbuch das Aus?. Die Hypo NOE wird künftig keine neuen Sparbücher mehr ausstellen. Andere Banken zögern noch.

Von Anita Kiefer und Herwig Mohsburger. Erstellt am 05. Februar 2020 (05:21)
Symbolbild: Franz Gleiß
Franz Gleiß

Die Niederösterreicher sind traditionelle Sparer, das ist bekannt. Und die traditionellste unter den Sparformen ist das Sparbuch. Den Banken aber ist es schon länger ein Dorn im Auge: Es braucht eigene Drucker, der Verwaltungsaufwand ist relativ hoch. Und: Sie verdienen schlicht kaum daran. Der Schritt, keine Sparbücher mehr auszugeben, sondern den Kunden Sparkonten nahezulegen, war also eine Frage der Zeit.

Jetzt ist es soweit: Bei der Hypo NOE wird es künftig definitiv keine neuen Sparbücher mehr geben. Das Kundenverhalten habe sich permanent und rasch geändert, begründet Hypo-Vertriebschef Matthias Förster gegenüber der NÖN diesen Schritt. Bereits existierende Sparbücher würden aber weiterhin verfügbar sein. „Neuabschlüsse werden in Form eines digitalen Sparbuchs – dem Sparkonto – abgebildet.“ Das bringe Vorteile für die Kunden: Behebung bei allen Bankomaten in ganz Österreich, Wege zum Schalter fallen weg und das digitale Sparbuch kann nicht verloren gehen, zählt Förster auf.

Bei den anderen Banken ist man zurückhaltender, wie ein Rundruf zeigt. Volksbank, Erste Bank Österreich und Oberbank bieten weiter Sparbücher an.

Trotz Digitalisierung ist das Sparbuch aber durchaus noch im Rennen: Bei der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien etwa wurden 2019 exakt 178.456 Sparbücher in Niederösterreich ausgegeben. Raiffeisen werde auch in Zukunft Sparbücher ausstellen, heißt es, allerdings würden sich „Kundenbedürfnisse ändern“. Alle Banken betonen unisono, dass Online-Sparformen große Zuwachsraten verzeichnen.

Senioren setzen auf „Papier-Sparbuch“

„Ich nehme an, dass jeder zweite Pensionist, der zu unseren Treffen kommt, ein Sparbuch hat“, schätzt die Obfrau des Pensionistenverbandes Korneuburg und ehemalige Seniorengemeinderätin Elfriede Pudgar. Meist werde „fürs Enkerl regelmäßig Geld fürs Weihnachtsgeschenk zur Seite gelegt“, so Pudgar.

Liegt das Geld am Sparbuch, ist die Hemmschwelle, es zu nehmen, höher, als würde es daheim in der Lade liegen, vermutet Pudgar einen weiteren Grund für das Sparbuch.

Auch der Obmann des Seniorenvereins Harmannsdorf-Rückersdorf, Leopold Steindl, glaubt, „dass es im Alterssegment der Senioren noch viele Sparbücher gibt.“ Diese sind durchwegs in Papierform, denn „diese Gruppe geht noch auf die Bank, da gibt es auch eine persönliche Beziehung.“ Natürlich sei den Senioren laut Steindl bewusst, dass das Geld am Sparbuch aufgrund der minimalen Zinsen weniger werde. „Gespart wird als Alterssicherung und
als Polster“, konnte er beobachten.

Seit sich jeder Sparer bei der Bank ausweisen muss, sind Sparvereine im Abnehmen. Die „Ruabnzuzla“ in Niederhollabrunn haben aber sogar Zulauf erhalten. „Zu Fleiß sind wir mehr geworden“, wie Obfrau Renate Zinsberger erklärt. „Hauptgrund ist aber die Geselligkeit, die der Sparverein bietet“, ist sich Zinsberger sicher.

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