Platz für Fußgänger und Radler in Korneuburg. Gesamtkonzept sieht auch eine Umgestaltung der Bahnunterführung vor. Grüne fordern Mitspracherecht der Anrainer.

Von Veronika Löwenstein. Erstellt am 07. April 2021 (04:21)
Künftig soll es nur noch auf einer Seite einen Geh- und Radweg in abgesenkter Form geben, dadurch wird der Blick zum Zebrastreifen frei.
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Der Kreuzungsbereich Donaustraße/Ring ist ein Verkehrshotspot: Hier treffen Pendler auf dem Weg zum Bahnhof auf Freizeitradler in Richtung Au.

Das Verkehrsaufkommen im Bereich der Eisenbahnunterführung hat in den letzten Jahren zugenommen, weil der Stadtteil auf der anderen Seite wächst, und nicht zuletzt, weil dort das Justizzentrum gebaut wurde.
Mit einem Mammut-Projekt will die Stadt diese Verkehrsströme entflechten und den Kreuzungsbereich sicherer machen.

Im Zentrum der Arbeiten stehen ein Kreisverkehr und die Neugestaltung der Donaustraße im Bereich der Eisenbahnunterführung. Künftig soll es dort neben der Fahrbahn einen Geh- und einen eigenen Radweg geben – und zwar nur noch auf der linken Seite in Richtung Donau gesehen. „Wir senken den Geh- und den Radweg ab, damit die Sicht zum Zebrastreifen gegeben ist“, beschreibt Bauamtsleiter Wolfgang Schenk.

Der Schutzweg war in der Vergangenheit immer wieder Thema, weil er unmittelbar nach der Unterführung in nach einer leichten Kurve liegt. Der Zebrastreifen im Bereich des Rings bekommt in der Mitte eine Insel, auf der die Fußgänger stehen bleiben können.

Das Projekt wird in zwei Teilen realisiert: In den heurigen Sommermonaten Juli und August sollen sämtliche Einbauten erneuert werden, ein Jahr später, wenn sich die Erde gesenkt hat, startet dann die Neukonzeption. Schenk spricht von einem Projekt, das städtebauliche Dimension hat: „Das ist ein Projekt für alle Verkehrsteilnehmer“, betont er.

„Wir haben schon vier bis fünf Jahre in die Entwicklungsarbeit mit Verkehrsexperten gesteckt“, veranschaulicht ÖVP-Stadtrat Hubert Holzer die logistische Herausforderung des Umbaus. Fußgänger und Radfahrer sicher durch die Stadt zu leiten, sei „oberste Prämisse“. Am Ende stehe ein „Leuchtturmprojekt“, ist er überzeugt.

Grüne wollen Bürger mitreden lassen

Gar nicht so überzeugt äußerten sich die Grünen in der letzten Gemeinderatssitzung, bei der es um die Auftragsvergabe der Straßenplanung im Bereich der Unterführung ging. Grüne-Stadträtin Elisabeth Kerschbaum fehlt die Einbindung der Anrainer: „Die relativ teure Lösung ist laut ÖVP so perfekt, dass die dort wohnenden Bürger nicht mehr befragt werden, sondern bestenfalls die Grobplanung präsentiert bekommen sollen“, bekrittelt sie. Die Neukonzeption habe Vor- und Nachteile, manche Nachteile könne man mit Bürgerhilfe ausbessern, denken die Grünen.

Im Kreisverkehr sehen sie kein Allheilmittel, auch eine Ampel ziehen sie in Erwägung. Diese könnte bei weniger Verkehrsaufkommen auch auf gelb-blinkend geschaltet werden.

„Ein Kreisverkehr ist die perfekte Lösung für den Verkehrsfluss, das Tempo wird gedrosselt und das Gefahrenpotenzial minimiert“, versteht Holzer den Grünen-Ansatz so gar nicht. Er verweist auf die unterschiedliche Verkehrsfrequenz an der Stelle mit Stoßzeiten in der Früh und am Nachmittag. „Den halben Tag wäre die Ampel dann nicht von Bedarf und kein Mensch versteht, warum er vor einer roten Ampel steht“, wirft der ÖVP-Stadtrat ein.

Auch die Kritik an mangelnder Bürgerbeteiligung kann er nicht nachvollziehen. Das Projekt sei verkehrstechnisch von Fachleuten geplant worden. „Da kann ich nicht jeden einzelnen Bürger fragen, was er will“, erklärt Holzer. Politiker seien gewählt, um abzuliefern, so sein Standpunkt.
Während der Bauarbeiten soll die Unterführung passierbar bleiben. Lediglich an Wochenende kann eine Totalsperre in Ausnahmefällen nötig sein.

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