Enzersfelds Kinder: „Schau, da wohnt der Nikolaus!“. Wilhelm Rohskopf ist mit Begeisterung „der Nikolo“ für die Kinder.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 04. Dezember 2019 (05:43)
Wilhelm Rohskopf ist schon seit Jahren mit Leib und Seele der Nikolaus von Enzersfeld. Foto: Mohsburger
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Es sind nur ein oder zwei Tage im Jahr, an denen der heilige Mann mit Mütze und Bischofsstab für die Kinder unterwegs ist; manchmal mit seinem schwarzen Gesellen, immer öfter aber allein. Wilhelm Rohskopf aus Enzersfeld ist einer der Nikoläuse, die die Kinder besuchen. Mit seinem weißen Bart und dem stets freundlichen Lächeln nimmt man dem 73-Jährigen schon in der Straßenkleidung den Nikolo ab.

Dabei ist Rohskopf ein Spätberufener. Denn erst vor etwa sechs Jahren hat er das Amt übernommen, weil sein Vorgänger, Pfarrer Pater Andreas, aus gesundheitlichen Gründen diese Funktion zurücklegen musste. Seitdem besucht Rohskopf jedes Jahr die vier Kindergärten in Enzersfeld, Königsbrunn, Hagenbrunn und Flandorf. Seit etwa drei Jahren gibt es auch noch eine Nikolausandacht in der Pfarrkirche Enzersfeld.

Auch ein Krampus ist bei seinen Auftritten tabu

„Ich bin nicht der Nikolo, der Packerl verteilt und aus dem großen Buch mit Schandtaten vorliest“, schildert der Enzersfelder seine Auffassung von dem Amt. Auch ein Krampus ist bei seinen Auftritten tabu. Damit will er vermeiden, „dass der Nikolo als Erziehungsmittel eingesetzt wird.“

Bei seinen Besuchen geht er zuerst in „Zivilkleidern“ zu den Kindern und erzählt ihnen, wer der Heilige Nikolaus war. Dann erst zieht er sich vor den Kindern das Gewand an und erzählt Geschichten über gute Taten, die dem Bischof zugeschrieben werden. Zum Schluss gibt es dann auch kleine Gaben, denn „ohne Sackerln geht es einfach nicht“, weiß auch Rohs kopf. Ähnlich gestaltet er auch die Andacht in der Kirche, die Kinder dürfen auch mitmachen. Was ihn besonders freut: „Der Nikolaus ist über alle Konfessionen erhaben!“ – zumindest in den Gemeinden, die er besucht.

Auch wenn er die Rolle des heiligen Mannes erst seit wenigen Jahren spielt, für und mit Kindern hat der ehemalige Buchhalter schon immer gerne etwas gemacht. 27 Jahre lang hat Rohskopf zusammen mit seiner Gattin, Pfarrsekretärin Karin Sponer und deren Gatten die Jungschar geleitet und mehrere Generationen betreut.

Gattin ist froh, wenn der Bart dann wieder kürzer wird

Auf sein Amt bereitet er sich gewissenhaft vor: Sein weißer Vollbart wird vor dem Patrozinium der Kirche Enzersfeld Anfang September zum letzten Mal gestutzt, um echt zu wirken. Dies gefällt zwar den Kindern, nicht aber seiner Gattin. Sie ist froh, wenn der Bart nach dem 6. Dezember wieder gekürzt wird.

Auf der Straße wird Rohskopf oft von den Kindern erkannt – als „der“ Nikolo. Als er im Garten gearbeitet hat, hörte er ein Kind zur Mutter sagen: „Schau, da wohnt der Nikolaus.“

Trotzdem verkleidet sich der 73-Jährige auch weiterhin immer erst vor den Kindern, denn er will nicht, dass sie belogen werden. Ihnen soll bewusst werden, dass der „echte“ Nikolaus schon vor sehr langer Zeit gelebt hat. Es geht ihm darum, den Kindern vom Andenken an einen Mann zu berichten, „der viel Gutes getan hat; etwas, das auch die Kinder können.“

Hat Rohskopf aber Umhang und Mitra angelegt und den Bischofstab in der Hand, wird er in den Augen der Kinder dann trotzdem zum echten Heiligen Nikolaus. Auch wenn er versichert: „Ich bin auch im Gewand des Nikolaus noch immer Wilhelm Rohskopf.“

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