Stockerauer Volksschul-Ausbau muss warten. Stadt muss nachverhandeln. Ab September wird in Containern unterrichtet.

Von Michaela Höberth. Erstellt am 27. Februar 2019 (06:21)
Die Volksschulen sollen nicht nur erweitert, sondern auch mit einer Brücke miteinander verbunden werden. Geht es nach der SPÖ, sollen die Bauarbeiten in den kommenden Wintermonaten starten.
Sturm

„Das ist ein Desaster!“, schüttelt VP-Stadtparteiobfrau Andrea Völkl den Kopf. Denn seit der Beiratssitzung vergangene Woche ist es gewiss: Der Umbau der Volksschulen, der aufgrund der hohen Schülerzahlen dringend nötig gewesen wäre, liegt vorerst auf Eis.

„Die Kosten für das Projekt sind explodiert“, erklärt Völkl. Die Angebote für die drei wichtigsten Gewerke liegen derzeit über drei Millionen über den geplanten Ausgaben – weit mehr, als sich die Stadt leisten kann. Nun soll nachverhandelt werden. Tatsache ist jedoch: Bis zum nächsten Schuljahr kann die Erweiterung nicht umgesetzt werden, die Volksschüler werden ab September in sechs Container-Klassen unterrichtet.

„Die Klassencontainer wurden nicht wegen der Ausschreibung notwendig, sondern weil der ursprüngliche Zeitplan aufgrund der politischen Situation verworfen wurde.“Andreas Prehal, Architekt

Für den interimistischen SP-Stadtchef Othmar Holzer liegen die Gründe für die hohen Kosten auf der Hand: „Die Firmen brauchen derzeit keine Aufträge, und unser Zeitplan war sehr eng“, macht er klar. Bei der Beiratssitzung am 6. März soll mit den zuständigen Architekten und Anwälten nach einer Lösung gesucht werden.

Für die ÖVP ist das nicht genug: „Es braucht einen runden Tisch aller Parteien“, fordert Völkl, dass auch die Grünen und die NEOS einbezogen werden. Für sie ist klar: Der Fehler, der zur Verzögerung dieses wichtigen Projekts führte, liegt bei der früheren SP-Stadtregierung.

„Hier wurde nie transparent gearbeitet, dabei sind bereits über 400.000 Euro in das Vorhaben geflossen. Und wir haben immer wieder die anfangs propagierten Gesamtkosten von acht Millionen Euro hinterfragt, wurden aber nie ernstgenommen“, ärgert sie sich.

Zudem hätte die Stadt als Bauherr einen Experten engagieren sollen, der ihre Rechte vertritt. „Ich bin entsetzt darüber, dass die SPÖ dachte, die Stadt könne das leisten“, so Völkl. Sie hofft auf eine baldige Einigung, „wir müssen die Stadt schadfrei halten“, betont sie. Holzer möchte auf die Vorwürfe nicht eingehen. „Hier geht es um die Zukunft von Stockerau und um unsere Kinder. Daraus mache ich kein Wahlkampfthema.“

„Hier wurde nie transparent gearbeitet“

Das Architekturbüro Poppe*Prehal, das die Pläne für den Umbau entworfen hat, grenzt sich von den politischen Diskussionen ab: „Zum Thema Ausschreibungsergebnis wird derzeit ein Bericht erarbeitet, welcher dem Beirat nächste Woche vorgelegt wird“, so Andreas Prehal. Und er hält fest: „Die Klassencontainer wurden nicht wegen der Ausschreibung notwendig, sondern deswegen, weil der ursprüngliche Zeitplan aufgrund der politischen Situation verworfen wurde und deshalb eine Fertigstellung der Schule zum Schulbeginn unmöglich ist.“

Und auch Gerüchte, dass Poppe*Prehal die Stadt wegen Verdienstentgang und somit Schadensersatz klagen will, wischt er vom Tisch: „Unsere Rechnungen sind bezahlt, es gibt für uns keinen Grund, unseren Auftraggeber zu klagen! Wir haben dies auch noch nicht ansatzweise in Erwägung gezogen“, lässt er wissen.