Wohnprojekt sorgt für Anrainerprotest. Gemeinde kann Anlage nicht verhindern, nun formieren sich die Gegner des Projekts.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 10. Juli 2019 (06:11)
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Dieses Bauprojekt bringt die Bürger von Königsbrunn auf die Barrikaden. Die Häuser stehen deutlich enger als üblich, sind aber gesetzeskonform.

Ein Wohnprojekt lässt derzeit die Wogen in Königsbrunn hochgehen. Im Bereich „Sätzweingärten“ sollen 26 Häuser entstehen. Nachdem VP-Bürgermeister Gerald Glaser die Anrainer vor wenigen Wochen wie vorgeschrieben informiert hat, sind die Wogen nun hochgekocht. Die SPÖ kritisiert das Projekt ganz massiv, Vorsitzende Helga Ronge nimmt auch den Bürgermeister als Baubehörde erster Instanz in die Pflicht.

Konkret hatte Bauherr Robert Schaller aus Korneuburg vor rund eineinhalb Jahren die unmittelbaren Anrainer von seinen Bauplänen informiert und nach ersten Gesprächen diese auch adaptiert. Zum Zeitpunkt der Einreichung im Juni 2018 wurden die Pläne neuerlich geändert und an die mittlerweile vom Gemeinderat beschlossene Bausperre – ausgenommen Ein- und Zweifamilienhäuser – angepasst; die Grundstücke wurden dazu geteilt, „die Genehmigung dafür konnte ich aus rechtlicher Sicht nicht verweigern“, erklärt Glaser der NÖN. Durch die Änderungen reduzierte sich die Zahl der geplanten Häuser von 34 auf 26.

Anrainer wollen die Anlage verhindern

Als Chance, den Bau zu verhindern sieht Ronge nur einen Weg: „Die Grundstücksgrößen gehören neu definiert.“ Mindestens 450 Quadratmeter pro Einheit seien sinnvoll. Die Forderung findet Glaser grundsätzlich gut, sie kann aber nur im Zuge der Raumordnung erfolgen – ein Vorgang, der sich in die Länge zieht und für dieses Projekt zu spät kommt, erklärt Glaser, der mit dem Projekt „selber nicht glücklich“ ist.

Da es allerdings ein positives Ortsbildgutachten gibt und die Detailpläne der Bauordnung entsprechen, hätte eine Verzögerung seitens der Baubehörde der Gemeinde eine Amtshaftungsklage nach sich ziehen können, wie Glaser in einer Information an die Anrainer erklärt. Diese konnten ihre Einwendungen einbringen, die derzeit durch den Bausachverständigen geprüft werden.

Der ehemalige Ortsvorsteher Christian Lust, der sich seinerzeit für die S1 und den Tradenbergtunnel eingesetzt hatte, sieht sich nun rehabilitiert. Damals hatten zwei Bürgerinitiativen gewarnt, dass Baugründe entwertet würden, Lust musste gehen. Dass nun auf einer Fläche, die seit 1977 als Bauland gewidmet ist, ein derart großes Projekt entstehen soll, sieht er als Bestätigung, dass sein Vorgehen seinerzeit richtig war.

"Plan entspricht allen gesetzlichen Vorgaben"

Bauherr Schaller versteht die Aufregung überhaupt nicht, denn „der Plan entspricht allen gesetzlichen Vorgaben“. Die kritisierte geringe Grundfläche entspreche den Vorgaben des Landes, wonach Bauland effizient zu nutzen sei. Zudem werde die Anlage in den Hang gebaut und sei niedriger als die bereits bestehenden Häuser. Sollte er doch keine Baugenehmigung erhalten, hat Schaller bereits einen „Eventualantrag“. Dann würde er „Häuser in Holzriegelbauweise hinstellen“, ähnlich denen auf den Nachbargrundstücken.

Während Sachverständige die Einsprüche prüfen, haben sich die Anrainer organisiert und bereits über 350 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Zu einer ersten Besprechung fanden sich 60 Interessierte und die politischen Vertreter ein. Robert Bauer, ehemals Gemeinderat und Sprecher der Anrainer, fasst die Kritikpunkte zusammen.

Sie reichen von der geringen Grundfläche über die De-facto-Tiefgarage bis zu Verkehrsproblemen auf der Hagenbrunner Straße. „Das ist kein Problem von Königsbrunn allein. Wenn die Anlage in dieser Form durchgeht, ist so etwas künftig überall möglich“, warnt Bauer.