Martini: „Katastrophe“ beim Gansl-Geschäft blieb aus. Züchter und Verkäufer der Martini-Köstlichkeiten aus Ernstbrunn und Groß-Rußbach waren wider Erwarten zufrieden.

Von Nathalie Lackner. Erstellt am 11. November 2020 (04:13)
„Die Lage ist gut“, sagt Sonja Lehner. Die Wirte bieten Martinigansln im Rahmen ihrer Abhol- services an.
privat

Jedes Jahr im November genießen die Leute das traditionelle, knusprige Martinigansl in Restaurants und Gasthäusern in ihrer Umgebung. Aufgrund der aktuellen Corona-Situation ist dies heuer jedoch nicht möglich. Durch den zweiten Lockdown mussten sämtliche Lokale für die nächsten Wochen schließen. Fällt das Gansl-Essen also heuer aus?

Auch Züchter Leopold Engelbrecht aus Simonsfeld durfte sich über ein zufriedenstellendes Geschäft mit den Gänsen freuen.
Christelli

Die NÖN erkundigte sich bei den Züchtern Leopold Engelbrecht aus Simonsfeld und Sonja Lehner, die einen landwirtschaftlichen Betrieb in Wetzleinsdorf führt. „Trotz Corona ist die Lage bei uns gut. Die Wirte haben uns die Gänse trotzdem abgenommen, da viele von ihnen einen Abholservice anbieten wollen“, so Lehner. Auch Leopold Engelbrecht berichtet der NÖN, komplett ausverkauft zu sein. „Die Tiere wurden uns trotzdem von Wirten abgenommen, aber noch mehr von Privatpersonen, die das Gansl-Essen heuer zu Hause genießen wollen“, erzählt Engelbrecht. Scheint also, als ließen sich die Bewohner der Gemeinden Ernstbrunn und Großrußbach die beliebte Martini-Tradition nicht nehmen, auch wenn das Essen durch die Corona-Maßnahmen vielleicht in einer anderen Form als üblich stattfinden muss.

Die beiden befragten Landwirte aus der Umgebung sind Teilnehmer des Gemeinschaftsprojekts „Österreichische Weidegans“, das von bäuerlichen Betrieben in ganz Österreich unterstützt wird und jedes Jahr Weidegänse für Martini und Weihnachten produziert. Doris Gschladt, Obfrau der Weinviertler Weidegans aus Großstelzendorf im Bezirk Hollabrunn, erzählt: „Bis vor ein bis zwei Wochen dachten wir, dass wir heuer die Katastrophe schlechthin erleben werden. Tatsächlich wurden uns im Weinviertel die Gänse jedoch zum Großteil abgenommen. Die Stornos konnten durch viele private Abnehmer kompensiert werden.“ Dies sei jedoch nicht überall der Fall, in anderen Regionen in Österreich sei die Situation schwieriger. Diesbezüglich meinte Gschladt aber: „Es ist ja jetzt noch Zeit. Man versucht jetzt einfach mit intensiven Werbemaßnahmen, die Gänse doch noch an den Mann oder die Frau zu bringen.“