Wolf Science Center: „Projekt ist absolut einzigartig“. Seit zehn Jahren wird das Leben von Wölfen im Ernstbrunner Wildpark untersucht.

Von Katharina Sarras und Josef Christelli. Erstellt am 01. Mai 2019 (04:26)

Das Wolf Science Center (WSC) feiert Jubiläum: Seit zehn Jahren werden dort Wölfe und Hunde sowie deren Beziehung zum Menschen erforscht. Damals bekam der private Verein das Angebot, mit den ersten Wölfen in den Wildpark Ernstbrunn zu übersiedeln. Seitdem besteht eine Koopera tion zwischen dem Park, der Gemeinde und dem WSC.

Gegründet wurde der Verein mit dem Auftrag, vieles über die Lebensweise der Wölfe herauszufinden. Zudem wollte man die Unterschiede zwischen Hund und Wolf untersuchen. Geforscht wird mit amerikanischen Wölfen, da diese von Natur aus weniger scheu sind als europäische. Heute ist das WSC eine international bekannte Forschungseinrichtung. „Es ist auf der ganzen Welt hoch anerkannt und absolut einzigartig“, kennt auch Leiterin Friederike Range den Stellenwert.

Ein Plan für die Zukunft: Wieder mehr Welpen

Um den Unterschied zwischen Hunden und Wölfen herauszufinden, werden die Tiere gleichermaßen ab dem zehnten Lebenstag von Hand aufgezogen. Vor allem dieses Vertrauen zum Menschen und die damit verbundene freiwillige Kooperation der Tiere macht das WSC so einmalig – sie gelten als Forschungspartner auf Augenhöhe.

Das Forschungszentrum möchte auch das Bild des Wolfs in ein besseres Licht rücken, da dieses meist negativ besetzt ist. In den Untersuchungen ist das Team schon auf so manch überraschende Ergebnisse gestoßen: So zeigte sich zum Beispiel, dass Wölfe im Umgang untereinander wesentlich toleranter sind als Hunde. „Der Wolf arbeitet wesentlich besser mit Artgenossen zusammen“, so Range.

Für die Zukunft gibt es konkrete Pläne: So soll es etwa wieder mehr Welpen geben, um die Forschungen aufrecht erhalten zu können. Einrichtungen wie das WSC können aber natürlich nur durch Sponsoren und Paten überleben, und solche werden laufend gesucht. Durch die ambitionierte Forschung und die Möglichkeit, Wölfe aus nächster Nähe zu beobachten, hat sich die Einrichtung auch für die Gemeinde gelohnt. „Wir haben die höchste Besucheranzahl im ganzen Weinviertel“, jubelt Kurt Kotrschal, einer der Gründer.

Das Jubiläum wurde mit einem Seminar im neu renovierten Steinsaal im Schloss Ernstbrunn und im neuen Besucherzentrum im Wildpark begangen. Die Forscher Range, Virany und Kotrschal sowie Schlossbesitzer Heinrich Reuss bekundeten die gute Zusammenarbeit. Bürgermeister Horst Gangl war erfreut: „Jetzt ist Ernstbrunn auch noch Universitätsstandort.“ Für diesen Sager erntete er viel Applaus.