Sozialgreißler: „Der 13. wird ein Glückstag“. Sozial Benachteiligte können um symbolischen Wert einkaufen.

Von Veronika Löwenstein. Erstellt am 13. September 2019 (06:25)
Löwenstein
Doris Pamminger und Richard Marik eröffnen am 13. September ihren Sozialgreißler in der Stockerauer Straße 26. Sie arbeiten ehrenamtlich und laden am Eröffnungstag ab 18 Uhr zum Eröffnungsfest.

Doris Pamminger packt Tiefkühlfleisch, Olivenöl, Salzgebäck, Obst und Shampoo in einen Einkaufskorb. Das meiste davon sind Markenprodukte. In den Supermärkten wären sie weggeworfen worden, weil sie kurz vor dem Ablauf stehen, falsch etikettiert wurden oder einfach zuviel produziert wurde. Im „Sozialgreißler“ werden sie künftig um einen symbolischen Wert von fünf Euro pro Korb verkauft.

Der kleine Supermarkt in der Stockerauer Straße 26 geht am Freitag, 13. September, in Betrieb. „Wir haben uns vorgenommen, dass dieser Tag ein Glückstag für sozial Benachteiligte wird“, sagt die Würnitzerin, die gemeinsam mit dem Wiener Richard Marik den Verein „Ideen für Soziales“ gegründet hat. Ihre Erfahrungen, die sie bei Wiener Sozialmärkten gesammelt haben, wollen sie nun in ihrem 75 Quadratmeter großen Geschäft in Korneuburg umsetzen. Die Ware bekom-men sie von einem Wiener Verein, mit dem sie zusammenarbeiten.

„Es gibt nichts, was nicht kommt“, weiß Pamminger, wie viel die Supermärkte mittlerweile spenden, was früher weggeworfen wurde. Den Betreibern geht es nicht nur um den sozialen Gedanken, sondern auch darum, dass Lebensmittel, die noch in Ordnung sind, nicht im Mistkübel laden. „Ich bin sparsam erzogen worden und habe gelernt, dass Lebensmittel wertvoll sind“, beschreibt die Würnitzerin ihr ehrenamtliches Engagement. Sobald der kleine Markt Gewinn abwirft, kann sie sich auch individuelle finanzielle Unterstützung für ihre Kunden vorstellen: „Zum Beispiel, wenn jemand Probleme hat, seine Stromrechnung zu zahlen.“

Mit der Einkommensgrenze – der Richtwert liegt bei 1.000 Euro – wollen es Pamminger und Marik nicht so streng nehmen. „Es gibt viele, die brav arbeiten gehen und wo es sich mit Kreditrückzahlungen und Alimenten trotzdem nicht ausgeht“, weiß sie aus Erfahrung. Kunden, die beim Sozialgreißler einkaufen wollen, zahlen einmal pro Jahr drei Euro für ihre Mitgliedskarte und lassen sich mit ihrem Einkommensnachweis registrieren. Eingekauft wird korbweise, für manche Produkte gibt es Begrenzungen. „Wenn wir 20 Stück Butter haben, soll nicht einer fünf nehmen“, so Marik.

Im Markt gibt es auch eine Küche, wo überschüssiges Obst oder Gemüse eingekocht oder eingelegt werden soll. Auch ein Sozialcafé schwebt den beiden vor. Die Sozialgreißlerei hat Montag und Donnerstag von 11 bis 20 Uhr und Dienstag, Mittwoch und Freitag von 11 bis 18 Uhr geöffnet.