Bürgerinitiative gab Info-Veranstaltung zum Postzentrum. Die Bürgerinitiative fordert einen unabhängigen Gutachter für Umweltprüfung. Ein wenig kurios: Post zeigt Herz für Tiere – und zwar nicht nur für den Fuchs.

Von Bernhard Preineder. Erstellt am 27. Oktober 2017 (05:00)
Preineder
Wittern erstmals Morgenluft: Umweltanwalt Wolfgang List sowie Brigitte Etzelsdorfer und Nikolaus Kubiczek von der Bürgerinitiative.

Die Post änderte die Pläne. Wie berichtet, soll das Modell des Verteilerzentrums gedreht und auch eine direkte Stichstraße von der Autobahnabfahrt errichtet werden.

Deshalb zog Langenzersdorf seinen ursprünglichen Antrag auf Umwidmung des Areals zurück, um die neue Situation in eine reformierte Raumordnung zu implementieren. In der Sache (Umwidmung) bleibe man aber hart – was zur Folge hat, dass die sechsmonatige Frist, bis zu der das Land entscheiden kann, ab Einlangen des verbesserten Antrags neu zu laufen beginnt.

Derweil wird im Hintergrund gemunkelt, dass das lediglich ein Trick wäre, man hier nur auf Zeit spiele und nach den Nationalratswahlen nun auch die nächsten Wahlen (NÖ Landtag am 28. Jänner) abwarten wolle, um das Projekt hernach einfach durchzuwinken.

Die Sprecherin der Bürgerinitiative „LELOG“ Brigitte Etzelsdorfer wollte das Gerücht beim Infoabend in der bis zum letzten Platz besetzten Schlossveranstaltungshalle weder bestätigen noch dementieren. „Das überlasse ich jedem Einzelnen“ so ihr Kommentar.

„Das ist schon fast schizophren. Zum einen stellen sie einen Antrag, dann ziehen sie ihn wieder zurück. Das habe ich noch nie erlebt.“Umweltanwalt Wolfgang List

Für heftiges Sodbrennen sorgte, dass wieder das Planungsbüro Dr. Paula engagiert werden soll, welches schon das Erstgutachten erstellte. Ein medizinisches Mittel dagegen wäre laut Pschyrembel ein H2-Blocker. Schon alleine der Namen des Medikaments war bei der Infoveranstaltung Programm, denn geblockt soll das gesamte Projekt werden, wenn es sein muss, bis zum „Jüngsten Tag“.

Ein neutraler Gutachter, so die zentrale Forderung, muss mit dem Gutachten beauftragt werden. Dem schloss sich neben Umweltanwalt Wolfgang List und dem Bisamberger Bürgermeister Günter Trettenhahn jetzt auch der Korneuburger Wirtschaftsstadtrat Andreas Minnich an. Er präferiert statt dem riesigen Post-Moloch die Ansiedlung von Klein- und Mittelbetrieben. Befürchtet wird zudem ein Wertverlust der Häuser und Grundstücke, den man im Worst Case einklagen will. List bezifferte den Streitwert mit 40 Millionen Euro.

NOEN, Post/
Eigentlich sollte schon eine neue Version des Verteilerzentrums-Modells existieren, die Post konnte aber nur ein altes liefern.

Und dann hagelte es noch herbe Kritik in Richtung Langenzersdorf. List wunderte sich über das Gebaren der dortigen Entscheidungsträger und bezeichnete deren Verhalten als „schon fast schizophren. Zum einen stellen sie einen Antrag, dann ziehen sie ihn wieder zurück. Das habe ich noch nie erlebt.“

Überhaupt war er am Anfang skeptisch und warnte davor, dass Anträge von Gemeinden üblicherweise zu 99,99 Prozent vom Land bestätigt werden. Aufgrund der für ihn unrechtmäßigen Vorgehensweise sieht er jetzt aber dennoch gute Chancen. Fakt ist, dass die Initiative nach fast einem Jahr erstmals wirklich Morgenluft schnuppern kann.

Noch eine Episode am Rande: Im falschen Film fühlte sich Initiativen-Sprecherin Brigitte Etzelsdorfer, als sie vom Gespräch mit Postgeneral Georg Pölzl berichtete, bei dem unter anderen auch die gewaltige Lichtemis-
sion und deren Auswirkung auf die Tierwelt auf dem Tapet standen. Etzelsdorfer: „Er (Pölzl) hat nur gesagt: Das ist doch super, da haben die Tiere dann auch während der Nacht Licht.“