Bezirk Korneuburg: Es ist Zeit für den Verzicht. Intervallfasten, Kurzzeit- fasten oder Verzicht auf Süßes und Alkohol – die Zeichen stehen auf Einschränkung.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 26. Februar 2020 (05:25)
Fastengruppe beim kargen Mahl in Pernegg. Das Kloster im Bezirk Horn war eine der ersten Einrichtungen, die auf den Fastentrend aufgesprungen sind.
Rita Newman

Viele sehen die Fastenzeit als Startsignal zu einer Diät. Die NÖN hat sich umgehört, welche Fastentrends aktuell sind.

„Wer keine Ahnung vom Fasten hat, sollte sich an einen Profi wenden“, rät Diätologin Katharina Klein von der „Sportmedizin Stockerau“. Grundsätzlich muss laut Klein immer das Ziel sein, sich selbst zu kontrollieren, wann, was und wie viel gegessen wird. Je strenger gefastet wird, umso wichtiger ist das Beiziehen eines Diätologen oder Arztes, erklärt sie und warnt: „Es gibt viele Diäten, die nicht gesund sind.“

Setik: „Fasten kann ein Neustart sein“

Aktuelle Fastentrends gibt es laut Klein auch: Man sollte etwa die Umstellung auf vegane Ernährung nicht unterschätzen. Beliebt sind auch das Intervallfasten – einen Tag essen, einen Tag nicht – und das intermittierende Fasten. Dabei darf acht Stunden lang gegessen werden, dann ist für 16 Stunden Pause. Diese beiden Methoden sind für Klein sehr vernünftig, „denn in unserer modernen Zeit wird viel zu schnell und viel zu viel gegessen.“ Die Pausen von einigen Stunden oder einem Tag helfen der Darmflora dabei, sich zu regenerieren. Auch eine Diätologin hat noch Vorsätze für die Fastenzeit: „Auf Alkohol verzichten und tägliche Bewegung, ohne eine Ausrede zu finden.“

„Fasten kann ein Neustart sein“, erklärt die Korneuburger Diätologin Annika Setik. Allerdings sei es wichtig, „dass ich mich mit meiner Gesundheit und meinem Körper auseinandersetze.“ Ihr ist es wichtig, dass die Menschen beobachten, was sie essen. Wer in der Fastenzeit etwa auf Süßigkeiten oder Alkohol verzichtet, sei auf einem guten Weg.

Will man aber streng fasten, sollte dies nur unter Begleitung von Diätologen oder Medizinern gemacht werden, sonst könnte es gesundheitliche Probleme durch Mangelerscheinungen geben, warnt Setik. Das Trügerische daran: Der Gewichtsverlust auf der Waage kann bei Diätfehlern aus einem Verlust an Muskelmasse statt einem Fettabbau resultieren.

Gerade das Verbotene lockt beim Fasten

Für Setik ist Fasten ein guter Auftakt für eine langfristige Umstellung der Ernährung. Entscheidend sei aber: „Das Fasten darf nicht radikal sein.“ Durchaus könne sich auch eine kleine Sünde einschleichen – ein Stück Torte bei einer Geburtstagsfeier etwa. „Ich bin kein großer Fan von Verboten“, gibt Setik zu, denn das Verbotene lockt. Sie bestätigt, dass Intervallfasten und intermittierendes Fasten zurzeit im Trend liegen.

Entscheidend sei aber bei jeder Form des Fastens, dass die Umstellung der Ernährung auch mit dem Arbeitsplatz und den Lebensgewohnheiten zusammenpasst. Umso wichtiger sind für sie daher die Beratung und eine individuelle Abstimmung des Ernährungsplans. Für Setik selbst hat die Fastenzeit keine große Bedeutung, sie achtet das ganze Jahr über bewusst auf ihre Ernährung.

Simone Weissinger-Köhler aus Flandorf bietet in der Fastenzeit eine eigene Entschlackungswoche an. Dabei geht es um eine Selbstreinigung des ganzen Körpers und der Psyche. Geboten werden energetische Übungen, Wickel und basisches Essen, also mehr Gemüse, „dabei ist es sinnvoll, die Ernährungsumstellung auch nach der Entschlackungswoche beizubehalten.“

Gefastet wird im Bildungshaus Großrußbach nach der Jahreswende, aber viele Gruppen nutzen die Fastenzeit für Einkehrstage. Dabei gehe es da rum, „zur Ruhe zu kommen und einen Ausstieg aus dem Alltag zu machen“, wie der Leiter Franz Knittelfelder erklärt. Zum zehnten Jahrestag des Jakobswegs im Weinviertel steht heuer in der Fastenzeit Pilgern am Programm. „Viele, die Besinnung suchen, nehmen ihre Schuhe und gehen.“ Dies habe denselben Effekt, wie aufs Essen zu verzichten, „um sich neu auszurichten. Entscheidend ist nur, man will wo ankommen; beim Osterfest eben“, erklärt Knittelfelder.

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