Kein Platz mehr zum Fliegen für Modell-Sport-Club. Modell-Sport-Club Sierndorf verliert mit Herbst 2021 sein Zuhause, die Suche nach einem Ersatzgrundstück läuft bereits.

Von Karin Schuhböck. Erstellt am 06. Januar 2021 (04:29)
Der Verpächter des Flugplatzes, den der Modell-Sport-Club Sierndorf nutzt, kündigte den Vertrag mit Herbst 2021. Er verpachtet dann an die Öko-Energie.
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Gottfried Helfer, Obmann des Modell-Sport-Clubs, ist verzweifelt auf der Suche nach einem neuen Platz.
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Der Obmann des Modell-Sport-Clubs Sierndorf, Gottfried Helfer, ist verzweifelt: „Wir haben vom Verpächter vor Kurzem ein Schreiben erhalten, in dem uns der Pachtvertrag per Herbst 2021 aufgekündigt wird, da er das Grundstück, auf dem sich unser Modellflugplatz befindet, an die Öko-Energie verpachtet hat.“ Der Stromanbieter will auf dem Areal Windkraftanlagen errichten.

Jetzt ist der Club auf der Suche nach einem neuen Grundstück, das seinen Ansprüchen und den vielen Vorgaben entspricht. „Und das ist gar nicht so leicht“, sagt Helfer, „es muss der Abstand zum Stockerauer Flugplatz eingehalten werden, es dürfen die Einflugschneisen des Schwechater Flughafens nicht beeinträchtigt sein und der Platz sollte nicht zu nahe an einem Siedlungsgebiet liegen. Weiters muss die Jägerschaft befragt werden, der Platz muss eingezäunt werden, ein Zufahrtsweg muss vorhanden sein und es gibt noch sehr viele Auflagen, die das Finden eines geeigneten Platzes fast unmöglich machen.“ Der Obmann hoffte auf die Hilfe des Bürgermeisters: „Ich habe die Antwort erhalten, dass es noch ein paar Jahre dauern wird, bis die Windräder realisiert werden und noch nichts Konkretes geplant wurde. Aber das hilft uns nicht. Das Grundstück, das wir seit 31 Jahren gepachtet hatten, steht nicht mehr zu unserer Verfügung.“

Stromanbieter suchen gezielt Grundstücke

Seit Wochen sind in der Gemeinde Ankäufer diverser Stromanbieter unterwegs, um mit Landwirten Pachtverträge für Grundstücke, die dann für den Bau von Windrädern genutzt werden sollen, auszuhandeln. Waren zuerst sieben Windräder im Gespräch, so sollen jetzt nur vier gebaut werden. „Aber es soll sich dabei nicht um „normale“, sondern um „Monsterwindräder“ mit einer Nabenhöhe von etwa 135 Metern – mit dem Rotor sind sie etwa 200 Meter hoch – handeln“, sagt Helfer. Zum Vergleich: Der Stephansdom ist 137 Meter hoch. „Da kann man sich vorstellen, wie groß die Fundamente für solche Riesendinger sein müssen, und die Flügelspannweite ist riesig“, so Helfer, und er ist überzeugt: „Wenn erst einmal die vier Räder genehmigt und gebaut sind, wird es sicher nicht mehr lange dauern, bis weitere Windkrafträder unsere schöne Landschaft verschandeln.“

ÖVP-Bürgermeister Gottfried Muck ist über die Vorgehensweise der Stromanbieter verärgert: „Ich habe niemanden dazu eingeladen, und ohne die Zustimmung der Gemeinde geht sowieso nichts. Die Grundstücke müssen zuerst umgewidmet werden, und davon ist noch lange keine Rede. Außerdem suchen wir uns, wenn es so weit ist, aus, mit welchem Anbieter wir verhandeln wollen.“ Es sei ein Brief an alle Grundstückbesitzer ergangen, dass sie mit keinem der Öko-Stromanbieter verhandeln und auf keinen Fall etwas unterschreiben sollen. „Aber viele sehen nur das große Geld, das kann auch nach hinten losgehen“, warnt Muck. Und er ergänzt, dass ohne Einverständnis des Gemeinderats sowieso nichts unternommen werden kann. „Ich habe alle eingeladen, sich das Projekt näher anzusehen, aber das Interesse dafür hielt sich bisher in Grenzen. Dabei wäre es so wichtig, auf alternative Energieformen umzusteigen“, sagt er.

„Aber viele sehen nur das große Geld, das kann auch nach hinten losgehen“

Die NÖN befragte Thomas Schors von der Öko-Energie, die bereits rund 100 Windenergieanlagen betreibt. „Wir sind Pionier sowie ein großer österreichischer bzw. einer der größten niederösterreichischen Windenenergiebetreiber. Durch eine Beteiligung unseres Unternehmens an den bestehenden Anlagen in Stockerau und durch die räumliche Nähe zu Sierndorf sind wir schon viele Jahre an der Windkrafteignungszone in Sierndorf interessiert“, erklärt er. Bereits im März 2014 hätte es diesbezüglich erstmals Kontakt mit der Gemeinde gegeben. Mit Beginn des Jahres 2020 wurden die Bemühungen intensiviert. „Im Zuge dessen gab es im Jänner 2020 wieder einen Termin mit der Gemeinde Sierndorf.“

Generell sei zu sagen, so Schors, dass die Umsetzung von Windenergieanlagen in Österreich eine Vorlaufzeit von rund fünf bis sechs Jahren erfordert. Wie ihm bekannt ist, hat der Modell-Sport-Club Sierndorf eine landwirtschaftliche Fläche in der geplanten Windenergiefläche bis dato gepachtet. Aus Sicht des Unternehmens wäre eine Weiternutzung durch den Verein für die nächsten vier bis fünf Jahre „kein Problem“: „Wir werden aber versuchen, den Verein bestmöglich zu unterstützen, sei es bei der Suche nach einem geeigne-ten Grundstück oder einem eventuellen späteren Sponsoring.“

„Wir werden aber versuchen, den Verein bestmöglich zu unterstützen"

Im Zusammenhang mit der Planung sei es richtig, dass Öko-Energie Zusagen von einigen Grundeigentümern bzw. Landwirten erhalten hat, um Windenergieanlagen errichten zu können. Diese Zusagen seien ein wichtiger Baustein zu Beginn des Projekts, „um eine optimale, sinnvolle und umsetzbare Planung überhaupt erstellen zu können“, so Schors.

Mit der Gemeinde bzw. deren Vertretern gab es im Herbst 2020 erneut Gespräche zum Thema Windenergie in Sierndorf, es hätte eine gute Gesprächsbasis geherrscht.