„Fossilienwelt fehlt Sanierungskonzept“. BEZIRK KORNEUBURG / Gemeinden müssen für das Fossilienwelt-Minus haften. FPÖ spricht von „Misswirtschaft“, Geschäftsführer schießt zurück.

Von Veronika Löwenstein. Erstellt am 04. März 2014 (23:59)
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Hermann Haller: »Wir werden nicht ein krankes Huhn überfüttern.« (Foto links), Josef Piller: »Die FPÖ hat keine Ahnung.« (Foto rechts).
Von Veronika Löwenstein

Die Rettungsaktion für die Fossilienwelt Weinviertel ist der FPÖ ein Dorn im Auge. Denn die zehn Gemeinden der Kleinregion 10vorWien mussten dafür einen Kredit über 950.000 Euro mit 15 Jahren Laufzeit aufnehmen. „Für den die Gemeinden zu einem gewissen Prozentsatz auch haften“, wie FPÖ-Gemeinderat Daniel Krammer betont. Für die FPÖ ein klarer Fall von „Misswirtschaft“, „und das auf Kosten der Steuerzahler“, wie der Langenzersdorfer Gemeinderat Othmar Vytlacil kritisiert. Ein Vorwurf, den Fossilienwelt-Geschäftsführer Josef Piller nicht auf sich sitzen lassen will: „Die FPÖ kann nur so blöd reden, weil sie keine Ahnung hat. Wir haben immerhin 45.000 Besucher pro Jahr.“

Für FPÖ Attraktivierungsmaßnahmen nicht weit genug

Tatsache ist, dass mit den 950.000 Euro nicht nur Attraktivierungsmaßnahmen finanziert werden. 535.000 Euro wurden für die Kreditrückzahlung bei der Raika Korneuburg verwendet, die im Gegenzug auf rund 400.000 Euro verzichtet hat. Der neue Kredit wurde bei der Raika Stockerau aufgenommen. „Wenn uns die Raika Korneuburg Schulden nachlässt, kann sie uns natürlich keinen neuen Kredit geben“, erklärt 10vorWien-Sprecher LAbg. Hermann Haller den Institutswechsel, „wir wollten der Raika aber trotzdem treu bleiben.“

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Der FPÖ gehen die Attraktivierungsmaßnahmen nicht weit genug. In erster Linie will man die Fossilienwelt neu positionieren und als Perlen- und Fossilienwelt etablieren. Eine Namensänderung sei zu wenig, fürchtet NRAbg. Barbara Rosenkranz, der ein echtes Sanierungskonzept fehlt: „Im Prinzip macht man so weiter wie bisher. Dafür knöpft man den Gemeinden, die nicht viel mit der Fossilienwelt zu tun haben, Geld ab.“ Den größten Part - nämlich 234.365 Euro - hat die Stadt Stockerau zu schultern, weil sich der Schlüssel nach der Einwohnerzahl richtet. Unverständlich für Krammer, weil man dort doch am wenigsten von dem Top-Ausflugsziel profitieren würde: „Stockerau scheppert finanziell von vorne nach hinten. Ich sehe nicht ein, wa-rum die Stockerauer Bevölkerung die Haftung übernehmen muss.“

50.000 Besucher pro Jahr sind nötig

Der zweitgrößten Kredit-Part fällt auf die Stadt Korneuburg mit 191.900 Euro. „Wenn wir schon dafür haften müssen, dann müssten wir doch auch den Geschäftsbericht bekommen“, überlegt FPÖ-Gemeinderat Johann Pirgmayer aus Kor-neuburg. „Die können fordern, was sie wollen, von der FPÖ muss ja auch keiner die Verantwortung übernehmen“, reagiert Piller sauer. „Es läuft jetzt alles super. Wenn die FPÖ das eigene Nest beschmutzen will, wird es nicht besser.“ Haller betont, dass jeder Gemeinderat der Kleinregion jederzeit Einsicht nehmen kann. „Das ist kein Geheimnis!“

Aber wie ist es überhaupt zu dem Schuldenberg gekommen? Laut Piller liegen die Ursachen schon beim Bau der Fossilienwelt: „Erst beim Bauen hat sich herausgestellt, dass das Gelände irrsinnig instabil ist. Das hat die Baukosten in die Höhe getrieben.“ Allein sechs Millionen Euro mussten schließlich investiert werden, um das Ausflugsziel so zu realisieren, dass es für Besucher attraktiv ist, schildert Piller. 50.000 Besucher pro Jahr, von denen jeder durchschnittlich 12,50 Euro im Shop ausgibt, seien jetzt nötig, um schwarze Zahlen zu schreiben, rechnet Haller vor.

„Die Fossilienwelt gehört zu 100 Prozent den Gemeinden“

Kultur-Experten des Landes haben die Fossilienwelt unter die Lupe genommen und Verbesserungsvorschläge ausgearbeitet. Der Eingangsbereich samt Parkplatz soll attraktiver gestaltet werden, der Fokus mehr auf Perlen gelegt und die Öffnungszeiten eingeschränkt werden. Auch das Land steuert die nächsten fünf Jahre je 100.000 Euro bei, um die Fossilienwelt wieder auf Touren zu bringen. Sollte das Ausflugsziel je Gewinne erzielen, wer bekommt die dann, stellt die FPÖ in den Raum. Denn die Kleinregion 10vorWien hat nur einen 38-prozentigen Anteil an der Fossilienwelt, noch einmal soviel hält die Gemeinde Stetten, den Rest Privatpersonen. „Trotzdem muss die Region alles zahlen. Warum zahlen die anderen nichts?“ fragt sich Vytlacil. „Die Fossilienwelt gehört zu 100 Prozent den Gemeinden“, entgegnet Haller. Die restliche Beteiligung entspräche Spenden, „die Privaten haben mit ihrer Unterschrift bestätigt, dass sie keine Gewinne nehmen.“

In einem Jahr will man die Neuausrichtung der Fossilienwelt evaluieren. „Die Gemeinden werden künftig nichts mehr hineinzahlen, sollte das neue Konzept nicht greifen“, kündigt Haller an. „Wir werden nicht ein krankes Huhn überfüttern.“

Zitate zum Thema

„Das ist eine Frage der eklatanten Misswirtschaft und der Unfähigkeit. Die Fossilienwelt rentiert sich nicht und man tut weiter wie bisher.“ NRAbg. Barbara Rosenkranz

„Die FPÖ hat nach der Niederlage bei der Landtagswahl den Auftrag von oben, schärfer zu werden. Bezirksweise sucht sie jetzt Kulturthemen aus.“ LAbg. Hermann Haller

„Für Entscheidungen muss ich immer mit zehn Bürgermeistern verhandeln, das ist keine leichte Geschichte. Bei der Amethystwelt habe ich nur einen Bürgermeister, da ist es natürlich leichter.“ Fossilien- und Amethystwelt-Geschäftsführer Josef Piller

„Ich frage mich als Stockerauer schon, wie ich zum Handkuss komme. Stockerau scheppert von vorne bis hinten. Ich sehe nicht ein, dass die Stockerauer Bevölkerung Haftung übernehmen muss.“ Gemeinderat Daniel Krammer

„Wir sind nicht gegen die Fossilienwelt, nur nicht auf Kosten der Bevölkerung.“ Othmar Vytlacil

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