Flüchtlingskrise war Fulltime-Job für Helfer. Freiwillige aus dem Bezirk Korneuburg erinnern sich an die Anfänge. An erster Stelle stand der Deutschunterricht.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 09. September 2020 (05:31)
Deutschunterricht und gemeinnützige Arbeit als Schlüssel zur Integration:Alfred Collmann im Kreise der betreuten Flüchtlinge.
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Fünf Jahre ist es her, dass eine große Flüchtlingswelle über das Land geschwappt ist. Damals galt es, über 700 Menschen im Bezirk unterzubringen und zu versorgen. Die meisten von ihnen sind nicht mehr da, fast alle Unterkünfte wurden wieder geschlossen. Die NÖN hat bei Helfern nachgefragt, wie sie diese fünf Jahre erlebt haben.

Alfred Collmann, Gemeinderat der Grünen in Sierndorf, engagiert sich in der Flüchtlingsunterkunft in Unterhautzental: „Wir haben erst vor wenigen Tagen wieder eine Familie aus Langenzersdorf bekommen.“ Aktuell sind zwölf Flüchtlinge untergebracht, ausgelegt ist die ehemalige Pension Hedwig, die jahrelang leer stand, für 30. Ein Wechsel erfolgt entweder bei einem negativen Bescheid oder bei Quartier und Arbeit.

„Was die Menschen brauchen, ist Sprache“, war Collmann klar, deshalb hat er im Jänner 2016 mit Deutschkursen begonnen. „Es gab damals keine Unterlagen, ich habe mir alles aus dem Internet zusammengesucht.“

Die Verständigung hat geklappt, denn ob Syrer oder Afghanen, „in jeder Gruppe gab es mindestens einen, der Englisch konnte, so wurde übersetzt“, erklärt Collmann. Der Bogen spannte sich von rund 50 Prozent Analphabeten bis zu mehrsprachigen Hoteldirektoren. „Wir haben uns halt schrittweise vorgehantelt“, so Collmann. Mittlerweile können viele sogar in Deutsch schreiben, nicht aber in Farsi.

Collmann kritisiert die Meinungsmache: „Man hört von den fünf Prozent schlechten Sachen, nicht aber von den 95 Prozent ohne Probleme.“ Viele Einheiten, in denen Flüchtlinge untergebracht waren, seien einfach zu groß gewesen. Collmann: „Die Leute brauchen jemanden, zu dem sie Vertrauen aufbauen können.“

In Sierndorf hatten sie einen halben Tag Deutschunterricht, dann arbeiteten sie gemeinnützig für die Gemeinde. „Das sind eh ganz passable Leut’“, sei Erkenntnis der Bevölkerung gewesen.

Seine Mitarbeit ist „ein Fulltime-Job“, so Collmann, erfolgt aber unentgeltlich. Warum ein Großteil der Flüchtlinge stets nach Wien geht, ist laut ihm leicht erklärt: „Weil sie dort die Mindestsicherung bekommen und nicht nur die Grundversorgung wie in Niederösterreich.“

„Ich war Einzelkämpferin, habe aber gemerkt, dass man gemeinsam mehr erreicht“, erzählt Lisa Pfeiler, die sich um Kinder in Stockerau gekümmert hat. Rasch habe sich ein Netzwerk von Helfern gebildet. „Allerdings hätte ich mir mehr Unterstützung von der Stadtgemeinde Stockerau gewünscht, vieles ist mir zu langsam gegangen“, so Pfeiler.

Als Kindergartenpädagogin hat sie ein Projekt gemanagt, bei dem sie für die Kinder der Familien, die im ehemaligen Bezirksgericht untergebracht waren, eine Gruppe gegründet hat. „Ich habe sie abgeholt, wir haben gemeinsam gespielt.“ Am Anfang waren es rund 15 Kinder, die nach und nach in Kindergarten oder Schule gehen konnten.

Sprachprobleme gab es kaum: „Sie haben fast nichts verstanden, aber trotzdem alles gemacht, was ich wollte.“ Eine junge Frau, die gedolmetscht hat, hat mittlerweile selbst Familie. „Zu ihr habe ich noch immer Kontakt“, so Pfeiler. Bei anderen Flüchtlingen ist das oft nicht der Fall, weil sie mehrmals umsiedeln mussten.

Die betreuten Kinder haben übrigens alle sehr gut Deutsch gelernt. „Kinder sind da ganz unbedarft. Das war eine ganz tolle Erfahrung“, so Pfeiler.

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