Regiobahn Leiserberge: „Eine Saison zum Vergessen“. Die Anzahl der Fahrgäste nahm stark ab: von 6.367 im Vorjahr auf 2.908 im Corona-Jahr.

Von Josef Christelli. Erstellt am 18. November 2020 (05:12)
„Es war ein grausliches Jahr“, bilanziert Regiobahn-Geschäftsführer Johann Narrenhofer.
Christelli

Auch der Regiobahn Leiserberge hat die Covid-19-Saison im Jahr 2020 übel mitgespielt. Das publikumsstärkste Oldtimertreffen des Weinviertels „auf Schiene und Straße“ musste wegen des Lockdowns im Frühjahr abgesagt werden, ein Saisonstart war erst am 4. Juli möglich.

Dann folgten drei Wochenenden mit Schlechtwetter. „Diese Saison ist zum Vergessen, wir werden sie aber nicht so schnell vergessen“, seufzt Regiobahn-Geschäftsführer Johann Narrenhofer. Laut Corona-Verordnungen müssen die Reisenden mit Maske im Zug und im Naturparkbus sitzen, was auch einige Ausflügler abgeschreckt haben dürfte.

Bilanz enttäuschend

Die Bilanz der Covid-19-Saison ist daher enttäuschend: Waren 2019 noch 6.367 Fahrgäste und 265 beförderte Fahrräder gezählt worden, so waren es in der verkürzten Saison 2020 nur 2.908 Reisende, die den Erlebniszug Leiserberge genutzt haben. Zudem wurden nur 139 Fahrräder befördert.

Die Zugfahrgäste werden vom Bahnhof Ernstbrunn zu verschiedenen Destinationen in den Leiserbergen befördert, auch viele Radfahrer sind dort unterwegs. Narrenhofer befürchtet, dass auch die beliebten Ausflugsziele der Region nur die halbe Gästezahl des Vorjahres verbuchen werden.

Wirtschaftlich ist das Jahr 2020 im Personenverkehr eine mittlere Katastrophe. „Unsere Waggons sind fast nur ungenutzt herumgestanden. Einen einzigen Sonderzug konnten wir fahren – alle anderen bestellten Züge wurden von den Kunden wegen der Corona-Maßnahmen wieder abgesagt“, ist Narrenhofer über die Situation betroffen. Dem Team blieb aber ein Lichtblick: Für die Motivation waren zahlreiche Gäste im Erlebniszug Leiserberge hilfreich, die laut Narrenhofer „sehr, sehr dankbar“ waren, dass man überhaupt gefahren ist und damit in diesen schwierigen Zeiten zumindest eine Ausflugsmöglichkeit geboten wurde.

Regionalbahn-Tag gut besucht

Positiv stimmte ihn auch der bestens besuchte Regionalbahn-Tag am Bahnhof Ernstbrunn, der schon zum zweiten Mal gemeinsam mit dem Riesenkürbisfest veranstaltet wurde. Er wurde zum Publikumsmagneten. An diesem Tag fuhr auch der einzige Dampfsonderzug dieser Saison, der ebenfalls bestens besucht war. Erfreulich war auch, dass die zahlreichen Package-Angebote des „ErlebnisZug“ plus Veranstaltungen im Weinviertel (wie Kellergassenführungen) gut angenommen wurden.

Finanziell über Wasser gehalten haben die Regiobahn eigentlich nur die Transporte per Lastzug, darunter Weizenlieferungen nach Italien und sonstige Fahrten. „Sonst hätte ich fünf Leute aufs Arbeitsamt schicken müssen“, verrät der Geschäftsführer. „Es war ein grausliches Jahr. Wir hoffen auf eine Normalisierung der Lage 2021“, hat er den Optimismus aber dennoch noch nicht aufgegeben.