Zufahrt zu Stockerauer Au-Wirt scheidet Geister. Nach viel Kritik hat Betreiber Patrick Wolf genug: Er hofft auf Sondergenehmigungen seitens der BH. Patrick Wolf: „Weniger Fahrten sind sinnvoller.“

Von Michaela Höberth. Erstellt am 22. Mai 2019 (06:07)
Sturm
Die besondere Lage des Gasthauses Konrad ist zugleich der größte Vorteil und die größte Herausforderung für WirtPatrick Wolf.

Zu laute Musik und zu viele Autos, die in das Naturschutzgebiet fahren: Patrick Wolf, Betreiber des Gasthauses Konrad in der Au, kennt die Kritik zur Genüge. „Die Vorwürfe sind aber größtenteils fehl am Platz“, ärgert er sich. Bestes Beispiel dafür ist für ihn der 20. April, an dem der Gastwirt zum Saisonauftakt geladen hatte: Es fand ein Ostermarkt statt, und auch die neue Speisekarte wurde präsentiert.

„Wir hatten Besuch von der Polizei“, bedauert er. Einerseits hatten sich mehrere Fahrer dem gültigen Fahrverbot widersetzt und waren mit ihrem Wagen zum Gasthaus vorgefahren: „Im Rahmen der Osterausstellung sind die Standler mit ihren Ausstellungsstücken in die Au gefahren, es haben sieben Autos bei uns geparkt“, so Wolf. Andererseits wurde die Lautstärke der Musik, die an diesem Abend gespielt wurde, kritisiert.

„Wir hatten einen gültigen Bescheid, bis zehn Uhr mäßig Musik zu spielen, um acht Uhr haben wir aber ohnehin damit aufgehört“, schildert Wolf, was auch die Polizei bestätigt. Überrascht hat ihn der Vorwurf, am 20. April Eiernockerln serviert zu haben: „Man hat mich darauf hingewiesen, dass das die Leibspeise von Adolf Hitler war, der noch dazu am 20. April geboren wurde. Das wusste ich nicht! Für mich ist bei der Speisenauswahl nur wichtig, was meine Gäste gerne hätten“, betont Wolf.

 „Wir finden für alle Probleme Lösungen, aber eben nur im gesetzlichen Rahmen. Die Natur muss dabei das Wichtigste sein.“ Andrea Völkl, VP-Stadtchefin

 Die besondere Lage des Gasthauses mitten in der Au ist damit Segen und Fluch zugleich. „Das Naturschutzgebiet ist ein wahrer Traum, es ist unbezahlbar“, ist Wolf begeistert. Aber für ihn ist auch klar: Es braucht neue Lösungen, um einen reibungslosen Gastbetrieb zu ermöglichen. „Ich habe bei der Bezirkshauptmannschaft den Antrag gestellt, einmal pro Woche eine Zulieferung durch einen Lkw zu erlauben“, erklärt Wolf. „Das ist auch viel sinnvoller, als wenn ich selbst sechs bis sieben Mal mit dem Auto hin- und herfahre – eben weil es um ein Naturschutzgebiet geht“, argumentiert er. Und auch für Feiern und Veranstaltungen wäre eine Sondergenehmigung eine große Erleichterung, hofft der Gastwirt auf Unterstützung.

Ganz so wie Wolf sind auch die Parteienvertreter der Meinung: Es muss Gespräche geben. „Wir finden für alle Probleme Lösungen, aber eben nur im gesetzlichen Rahmen“, weist VP-Stadtchefin Andrea Völkl auf die Rahmenbedingungen des Naturschutzgebiets hin.

Sie ist froh, dass das Lokal in Wolf einen Pächter gefunden hat, ebenso wie SP-Vizebürgermeister und Naturfreunde-Vorsitzender Othmar Holzer. „Dennoch müssen die Spielregeln des Naturschutzgebiets eingehalten werden. Dem Gastwirt und den Besuchern muss bewusst sein, dass man nur zu Fuß in die Au darf, immerhin profitieren sie ja auch von der besonderen Lage“, so Holzer. FP-Stadtrat Herbert Pohl kann Wolfs Lage nachvollziehen: „Dass hier gerade zu Saisonbeginn mehr Zulieferer fahren, sollte verständlich sein. Es soll ein friedliches Nebeneinander von Natur und Mensch sein“, wünscht er sich. Für Dietmar Pfeiler von den Grünen hat der Schutz der Natur oberste
Priorität: „Der erste Schritt muss sein, die Bescheidlage zu klären“, will er die Knackpunkte ausdiskutieren.

Und was sagt Gerald Moll, Besitzer des Gasthauses, zu der Diskussion? „Ich kenne die Kritik und mich stört es auch, wenn Autos zufahren“, verweist er auf das geltende Zufahrtsverbot. „Die Belange des Naturschutzes sind in allen Bereichen zu berücksichtigen, so steht es auch in allen Verträgen“, hält Moll fest. Er sei jedoch selbst gerne Gast im Gasthaus Konrad und findet viel Lob für Wolfs Konzept: „Die Musik bei den Konzerten ist gut und auch nicht zu laut. Auch die Speisen werden durchaus gelobt. Was mich aber besonders freut, ist, dass nun endlich wieder viele Stockerauer und nicht vor allem Wiener das Gasthaus besuchen.“