Gegen die Einsamkeit. Heuer unterstützen die Festspiele die Psychsozialen Zentren. Es soll Geld für eine der Einrichtungen gesammelt werden.

Von Michaela Höberth. Erstellt am 25. Juni 2014 (05:01)
NOEN, Höberth
Doris Rath und Wolfgang Grill freuen sich auf eine fruchtbare Kooperation mit den Festspielen. Foto: Höberth
Die Festspiele sind mehr als bloßes Theater: Schon im Vorjahr wurde bei den Veranstaltungen für einen guten Zweck gesammelt. Heuer kommen die Spenden dem Psychosozialen Zentren zu Gute.

„Umgang mit den Patienten hat sich stark geändert“

„Wir haben das Stück ausgeschrieben gesehen und sofort an eine Zusammenarbeit gedacht“, erzählt der ärztliche Leiter des Psychosozialen Dienstes der PSZ GmbH, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeut Wolfgang Grill, von den Anfängen der Kooperation. Vor allem im Hinblick auf das Niederösterreichische Bündnis gegen Depression, das das PSZ tatkräftig unterstützt, wären gemeinsame Veranstaltungen denkbar gewesen. Es traf sich, dass Festspielintendant Zeno Stanek zur selben Zeit dieselbe Idee hatte.

Das heurige Hauptstück „Einer flog über das Kuckucksnest“ spielt in einer Nervenheilanstalt. Grill half den Schauspielern mit seinen Fachwissen dabei, sich in ihre Rollen zu versetzen. „Der Umgang mit den Patienten hat sich mittlerweile aber stark geändert“, weiß Grill.

Nicht jeder mit psychischen Problemen muss in ein Spital eingeliefert werden, es besteht ein breites Angebot zur Behandlung. „Natürlich werden akut Erkrankte im Spital behandelt. Aber es haben sich neben niedergelassenen Fachärzten und Psychotherapeuten auch komplementäre Einrichtungen wie Clubs, Tagesstätten, Suchtberatungsstellen und solche zur beruflichen Rehabilitation etabliert. Eine sehr positive Entwicklung“, so Grill.

Club schafft Kontakte und Freundschaften

Auch in den Köpfen der Menschen habe sich einiges geändert. „Der Umgang mit psychisch kranken Menschen ist für viele nicht einfach, da er ihnen fremd ist. Ein Spannungsfeld wird da immer bestehen“, ist sich Grill bewusst. Doch es gibt immer mehr Leute, die bereit sind, sich in Behandlung zu begeben. „Das ist nicht einfach. Man muss reflektieren und viel Zeit und Energie investieren“, zeigt er auf.

Dennoch trägt der neue Umgang dazu bei, dass ein Großteil der Menschen seine Einstellung ändert. Das Geld, das bei den Festspielen eingenommen wird, soll dem Club des PSZ zugute kommen.

„Der Club dient als Treffpunkt für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen. Viele Erkrankte vereinsamen. Der Club ermöglicht Kontakte und Freundschaften“, beschreibt Grill. Zwar erhält man Geld vom Land, für Außergewöhnliches muss man jedoch zusätzliche Mittel auftreiben. „Neben noch fehlender Ausstattung für die neuen Räumlichkeiten planen wir, wenn das Geld reicht, ein Auto für den Club zu kaufen“, erzählt Doris Rath, ebenfalls vom PSZ Stockerau. Dadurch können Ausflüge unternommen werden.