Besetzungsstreit um Ortsvorsteher in Seebarn. Viele neue Gesichter bei der konstituierenden Sitzung in Harmannsdorf (Bezirk Korneuburg), Seebarner Ortsvorsteher wird zum Zankapfel.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 22. Februar 2020 (06:15)
Kritik von Johann Pfalz (SPÖ) wegen seiner Absetzung.
privat

Der Gemeinderat wird mit der Neukonstituierung nach der Gemeinderatswahl kräftig durcheinandergewirbelt. Massive Änderungen gibt es auch bei der Gemeindeführung: Als ÖVP-Vizebürgermeister folgt Alexander Raicher auf Roman Kampleitner, der weiterhin Ortsvorsteher in Kleinrötz bleibt. Auf Vorschlag der ÖVP ersetzt Hubert Krause (SPÖ) Johann Pfalz (SPÖ) als Ortsvorsteher von Seebarn.

Für Pfalz ist das völlig unverständlich, wie er in einer Aussendung erklärt, denn während die ÖVP in Seebarn nur 38 Stimmen erlangen konnte, erreichte die SPÖ 103 Stimmen, davon 71 Vorzugsstimmen für Pfalz. Krause erhielt nur neun.

Die Entscheidung von ÖVP-Bürgermeister Norbert Hendler bezüglich der Besetzung kommentiert Pfalz mit: „Diese Entscheidung ist demokratisch nicht nachvollziehbar.“ An seinem Einsatz und seiner Leistung könne es nicht liegen, so Pfalz. Er vermutet, dass seine Haltung beim geplanten Neubau des Seebarner Gemeindehauses Grund für Hendlers Entscheidung war.

„Als Demokrat muss ich den Willen der allmächtigen ÖVP und ihres Bürgermeisters zur Kenntnis nehmen.“Johann Pfalz, Seebarn

„Als Demokrat muss ich den Willen der allmächtigen ÖVP und ihres Bürgermeisters zur Kenntnis nehmen“, erklärt Pfalz. Deutlich heftigere Worte findet er in einem Schreiben an seine Parteifreunde. Da schildert er, dass er „vor ein Tribunal zitiert“ und von der Umbesetzung unterrichtet wurde.

„Ich werde nach 50-jähriger Mitgliedschaft in der Partei, 40 Jahren im Gemeinderat und 15 Jahren als Ortsvorsteher für einen Selbstdarsteller geopfert, der von unseren Werten und Ansichten soweit entfernt ist wie Sonne und Mond“, so Pfalz in Richtung Krause. Dieser wollte auf Anfrage die Vorwürfe nicht kommentieren.

Norbert Hendler bleibt weiterhin ÖVP-Bürgermeister.
ÖVP

Zum vollzogenen Wechsel in der Ortsvorstehung Seebarn merkte Hendler an, dass die Ortsvorsteher letztlich „Assistenten“ des Bürgermeisters seien und er entsprechend auch ein Augenmerk auf die Auswahl lege. Pfalz hätte nach 15 Jahren Tätigkeit als Ortsvorsteher doch gelegentlich auf das Ende seiner Tätigkeit hingewiesen.

Die ÖVP hielt die Absolute und damit wieder zwölf Mandate, bei der Opposition gab es aber Verschiebungen: Die FPÖ verlor zwei ihrer vier Mandate, je eines davon gewannen die Grünen und die SPÖ dazu.

Im Gemeinderat gibt es viele neue Gesichter, denn gleich zwölf Personen sind nicht mehr vertreten. Darunter haben vier Kandidaten auf ihr Mandat verzichtet, es geht an Nachgereihte über.

Bei der ÖVP sind dies Harald Ernst und Wolfgang Schubert, die aufgrund der Vorzugsstimmenregelung Platz machen, bei der SPÖ übergibt Gerhard Scharm an Peter Schagerl, bei der FPÖ Gertrude Lumpe an Karl Wendy. Für die ÖVP sind künftig Karin Beer, Christine Berthold, Anita Feltl, Josef Hirsch und David Nebenführ nicht mehr im Gemeinderat. Hendler begründet die Änderungen damit, dass man schon die nächste Generation „einarbeiten“ wolle.

Aufgrund der verlorenen Mandate scheiden bei der FPÖ Günther und Johann Lackermayer ebenso aus wie Manfred Nessler. Johann Pfalz zieht für die SPÖ nicht in den Gemeinderat ein, die 7-OBL muss auf Thomas Pink verzichten, der auf dem dritten Listenplatz gereiht war. Neben Fraktionsführerin Ulrika Bunka wird Wolfgang Kretschmer die 7-OBL vertreten.

Bei den Grünen gab es große Freude über die Verdopplung der Mandate. Wilfried Fasching bekommt Verstärkung durch Eva Hofbauer.