Ernstbrunner Bürgerliste: Initiative „aus Verzweiflung“. Ehemalige Gemeinderäte treten mit eigener Liste zur Gemeinderatswahl an.

Von Stefanie Schmid. Erstellt am 11. Dezember 2019 (05:56)
Lukas Grausenburger, Wilhelm Anton, Herbert Danecek und Johann Narrenhofer werden im Jänner mit der neu gegründeten Bürgerliste „UNS“ bei der Gemeinderatswahl antreten.
Löwenstein

Unter dem Motto „Uns geht’s um Ernstbrunn“ (Kurzbezeichnung UNS) wird eine unabhängige Bürgerliste zur Gemeinderatswahl am 26. Jänner 2020 antreten. Die Bürgerliste wurde von den drei Ernstbrunner FPÖ-Gemeinderäten Hans Narrenhofer, Wilhelm Anton und Lukas Grausenburger sowie dem SPÖ-Gemeinderat Herbert Danecek gegründet.

„Aus Verzweiflung“, begründet Narrenhofer seine Entscheidung. Doch nicht etwa, weil er unzufrieden mit der Gemeindepolitik des amtierenden Ernstbrunner ÖVP-Bürgermeisters Horst Gangl wäre, sondern weil auf Bundesebene „nicht mehr im Sinne des FPÖ-Erfinders“ gearbeitet wird. Den Stein des Anstoßes gab Anton, der seinen Namen nicht mehr „für eine Linie von blauen Umfallern“ hergeben wollte. Auch SPÖ-Gemeinderat Danecek konnte mit der Arbeit der Bundes-SPÖ nichts mehr anfangen: „Für die arbeitende Bevölkerung wird nichts mehr gemacht.“ Allen drei gemeinsam war also, dass sie sich nicht mehr mit den jeweiligen „Mutterparteien“ identifizieren konnten. Die Niederlegung des Mandates stand deshalb für die Gemeinderäte im Raum.

„Wir arbeiten gut zusammen, menschlich passt es, deshalb wollen wir überparteilich weitertun.“Johann Narrenhofer, ehemaliger FPÖ Gemeinderat

Mit der Gründung der Bürgerliste wollen sie es jedoch noch einmal versuchen: „Wir wollen für Ernstbrunn arbeiten. Wir arbeiten gut zusammen, menschlich passt es, deshalb wollen wir weitertun und machen es nun überparteilich“, so Narrenhofer. „Wenn Personen gut miteinander können, dann muss man das ausnutzen“, begründet Danecek seine Entscheidung.

Insgesamt sind es derzeit sieben Mitglieder, die sich der Wahl im Jänner mit dem Ziel, die vier bestehenden Gemeinderatssitze zu halten, stellen werden. „Wir wollen eine Kontrollfunktion in der Gemeinde einnehmen, arbeiten aber nicht gegen den Bürgermeister“, betont Narrenhofer und lobt gleichzeitig das Engagement Gangls für die Gemeinde.

Als inhaltliche Schwerpunkte hat sich die Bürgerliste „UNS“ Themen wie Nachhaltigkeit, die Aktivierung der Regiobahn für den Pendlerverkehr, die Vermarktung regionaler Produkte, die Wahrung der ländlich-dörflichen Struktur der Gemeinde unter dem Motto „Wir wollen keine Stadt werden!“ und den Ausbau der Radwege gesetzt.

ÖVP-Bürgermeister Gangl hat zwar bereits von den Plänen der Gemeinderäte gehört, möchte jedoch noch bis zur offiziellen Bekanntgabe am 18. Dezember warten, um zu sehen, wer nun wirklich „seine politische Heimat verlassen wird“, so der Ortschef.

Nach dem Abgang Daneceks aus der SPÖ formiert sich diese ebenfalls neu und schickt mit Gerold Groß einen Newcomer ins Rennen, um „die Partei auf neue Beine zu stellen“, so der Bezirksvorsitzende der SPÖ, Martin Peterl.