Ärger über Parkstrafen auf Grünstreifen

Erstellt am 14. Mai 2022 | 05:30
Lesezeit: 3 Min
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Das Parken auf dem Grünstreifen beim Bahnhof ist nicht gestattet, dafür wird eine Strafe von 25 Euro fällig.
Foto: privat
Seit der Einführung des Wiener Parkpickerls sind auch am Bahnhof Gerasdorf die Parkplätze knapp. Wer eine Alternative sucht, kann Strafe zahlen.
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Als Mathias Ziegler von seinem Arbeitsplatz in Wien mit der S-Bahn nach Gerasdorf zurückfährt, erwartet ihn eine böse Überraschung: 25 Euro Strafe für Falschparken werden ihm ausgestellt, weil er sein Auto auf einen Grünstreifen nahe dem Bahnhof abgestellt hat. Der Grund dafür: Seit Einführung des Wiener Parkpickerls gibt es zu Stoßzeiten kaum freie Parkplätze auf dem Bahnhofsparkplatz.

Verzweifelte Pendler suchen in Seitengassen nach Alternativen, doch nicht immer sind diese mit der Straßenverkehrsordnung konform – so auch besagter Grünstreifen, der nur um wenige Zentimeter zu schmal ist, um als Parkplatz eingezeichnet zu werden. Ziegler schildert: „Seitdem Gerasdorf nun auch noch eine Kurzparkzone nahe dem Bahnhof eingeführt hat, ist oft nur mehr Wildparken eine Möglichkeit. Unser eigener Bürgermeister bestraft uns Pendler hier. Warum kann die Gemeinde da kein Auge zudrücken?“

Der angesprochene Bürgermeister Alexander Vojta sieht hingegen keinen Grund, das Parken am Grünstreifen ungestraft zu lassen: „Der Sickerstreifen ist zum Versickern und nicht zum Parken da. Der Boden wird sonst verschmutzt und verdichtet, außerdem ist die notwendige Breite zum Parken nicht gegeben, daher dürfen wir kein Auge zudrücken.“

Vojta ist das Problem des Parkplatzmangels bewusst, dennoch könne er keine Lösung anbieten, denn für die Park-and-Ride-Anlage seien die ÖBB verantwortlich. Er vermutet, dass momentan besonders viele Parkplätze am Bahnhof Gerasdorf besetzt sind, weil der naheliegende Bahnhof Süßenbrunn renoviert wird, weshalb die Wiener nach Gerasdorf ausweichen.

Öffi-Kosten als größtes Problem

Ziegler sieht jedoch noch einen anderen Grund, warum der Gerasdorfer Bahnhof nicht nur von Wiener Pendlern überlaufen wird. Er selbst lebt in Gehnähe zum Bahnhof Kapellerfeld, bei dem es auch genügend freie Parkmöglichkeiten gäbe. Dennoch pendeln er und viele andere Bürger aus anderen Ortsteilen mit dem Auto nach Gerasdorf, denn während dieses noch zur Wiener Kernzone gezählt wird, muss bei Stationen wie Kapellerfeld ein zusätzliches Zonenticket gekauft werden.

Um mit dem Zug von Kapellerfeld nach Gerasdorf zu gelangen, werden jährlich Kosten von über 500 Euro fällig. Zum Vergleich: Eine Jahreskarte für die gesamte Wiener Kernzone kostet 365 Euro. Zwar zahlt die Gemeinde Gerasdorf jährlich 150 bis 200 Euro Mobilitätszuschuss an einheimische Pendler aus, doch die Kosten für das zusätzliche Zonenticket sind damit nicht gedeckt. So bleibt die Anfahrt zum Gerasdorfer Bahnhof die kostengünstigere Alternative.

Wie die Gemeinde die Parkproblematik lösen will, ist offen. Einerseits hoffe man, dass viele Pendler auf das Fahrrad umsteigen oder bei näher gelegenen Zugstationen einsteigen, um sich den Weg nach Gerasdorf zu ersparen. Andererseits habe man bereits mit den ÖBB und dem Land NÖ über eine mögliche Erweiterung der Park-and-Ride-Anlage gesprochen, heißt es von Vojta.

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