Bluttat: Zweitverdächtiger wollte Schützen aufhalten. Der zweite Verdächtige, der nach der Bluttat in Gerasdorf bei Wien festgenommen wurde, hat aus Sicht seines Anwalts Michael Schnarch nichts mit den tödlichen Schüssen auf den gebürtigen Tschetschenen Martin B. zu tun.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 31. Juli 2020 (12:20)
Der Angeklagte musste sich am Landesgericht Korneuburg verantworten
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Vielmehr wollte er den Schützen aufhalten, indem er versuchte, auf sein Fluchtauto zu schießen. Seine Pistole hatte allerdings eine Ladehemmung.

Nachdem am Abend des 4. Juli der bekannte tschetschenische Videoblogger Martin B. alias "Ansor aus Wien" nahe Wien getötet wurde, waren zwei aus Tschetschenien gebürtige russische Staatsangehörige festgenommen worden. Während sich der Verdacht gegen den 47-jährigen Sar-Ali A., erhärtete - die Ermittler des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) Niederösterreich verdächtigen ihn als Todesschützen - blieben die Vorwürfe gegen den zweiten Festgenommenen (37) zunächst unklar. Bei der Pressekonferenz der niederösterreichischen Ermittlungsbehörden am 9. Juli hieß es, dass diese zweite Person laut eigenen Angaben gemeinsam mit dem späteren Opfer zum Tatort gekommen sei und sich bei der Befragung immer wieder in Widersprüche verwickelte habe.

U-Haft verlängert

Die Untersuchungshaft gegen den 37-Jährigen wurde nun ebenfalls verlängert, weil die Ermittlungsbehörden davon ausgehen, dass er den flüchtigen Todesschützen töten wollte. Ahmed A. streitet die Mordabsicht ab. Er habe lediglich auf die Reifen schießen wollen, berichtete sein Anwalt. Neben des Verdachts des versuchten Mordes, wird er allerdings auch des unerlaubten Waffenbesitzes sowie weiterer Gewaltdelikte verdächtigt, die aber in keinem Zusammenhang mit dem Tötungsdelikt in Gerasdorf stehen.

Gegenüber den ermittelnden Beamten bestritt Ahmed A., dass er versucht habe, Sar-Ali A. zu töten. "Nach seinen glaubhaften Aussagen hat er lediglich versucht, auf die Reifen des Fahrzeuges, mit dem der Täter flüchtete, zu schießen. Die Waffe hatte aber Ladehemmung und es ist nicht dazu gekommen", erklärte sein Anwalt im Gespräch mit der APA. Sein Mandant habe durch seine Angaben maßgeblich zur Festnahme des mutmaßlichen Täters Sar-Ali A. beigetragen, betonte Schnarch.

Demnach hatte Ahmed A. nicht nur einen Notruf abgesetzt, sondern die Behörden insbesondere auch über das Kennzeichen jenes Fahrzeugs informiert, in dem Sar-Ali A. am Abend des 4. Juli aus Gerasdorf in Richtung Linz fuhr.

Ahmed A. berichtete laut seinem Verteidiger in seinen Vernehmungen auch über weitere Details zur Vorgeschichte der Bluttat. Etwa ein Monat davor sei er von seinem langjährigen Bekannten Martin B. gebeten worden, ihn als Bodyguard zu begleiten. Für diese Aufpassertätigkeiten habe B. eine Pistole vom Typ Tokarev Kaliber 7,62 mm zur Verfügung gestellt.

Scheinbar wollte sich das spätere Todesopfer eine weitere Waffe zulegen. Dazu traf er sich mit dem späteren mutmaßlichen Todesschützen - er wurde von Ahmed A. als "Waffenhändler" bezeichnet -, um bei Sar-Ali A. einen BMW 7 gegen eine Glock 17 einzutauschen. Das Treffen endete letzten Endes tödlich. Ahmed A. gab in seinen Aussagen an, dass er die Bluttat von Gerasdorf für einen Auftragsmord aus Tschetschenien erachtet. Sar-Ali A. hat bisher von seinem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch gemacht.