Bezirk Korneuburg: Schlepper locken mit "Willkommens-Videos"

Erstellt am 19. Januar 2022 | 12:25
Lesezeit: 3 Min
Elf mutmaßliche Schlepper wurden festgenommen
Symbolbild
Foto: APA (Symbolbild)
Ukrainer, der Menschen bis in den Bezirk Korneuburg schleppte, wurde zu drei Jahren Haft verurteilt. Weitere Anklagen gegen Mitglieder eines moldawischen Schlepperrings sollen folgen.
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Nichts weniger als eine kleine Sensation ließ Staatsanwältin Daniela Temsch am Landesgericht Korneuburg in ihrem Eröffnungsplädoyer bei einer Anklage wegen Schlepperei durchblicken. Der 57-jährige Ukrainer sei der erste in einer Reihe von Angeklagten, die jeweils als Fahrer eines moldawischen Schlepperrings fungiert hätten. Darüber hinaus seien auch schon Hintermänner und Werkstätten ausgeforscht, wo normale Pkws zu Schlepperfahrzeugen umgebaut werden.

Das Näherrücken der Behörden hat aber auch seine Schattenseiten. Wie Temsch vor dem Schöffensenat ausführte, steht auch der Schusswechsel an der burgenländisch-ungarischen Grenze am 17. Jänner dieses Jahres in unmittelbarer Verbindung mit diesem Fall. Die Gewaltbereitschaft und die Verwendung von Schusswaffen stellten eine weitere Eskalation dieser kriminellen Vereinigung dar. Der Ukrainer jedenfalls habe am 12., 13. und 16. November des Vorjahres jeweils 12 Personen – unter anderem – in einem Opel Zafira bis in den Bezirk Korneuburg geschleppt.

Am 16. November war dann Schluss, als ihn Beamte quasi auf frischer Tat in Gerasdorf ertappten und festnahmen. Der vorsitzende Richter Manfred Hohenecker hob vor allem den qualvollen Zustand der Geschleppten hervor, die unter anderem zu siebent in einem Kofferraum kauern mussten, nichts zu essen oder zu trinken bekamen und auch ihre Notdurft nicht verrichten durften. Pausen seien auf der gut achtstündigen Fahrt ebenfalls keine gemacht worden, hielt Hohenecker dem Pensionisten vor.

Dem widersprach der bisher in Österreich unbescholtene Mann. Die Zeugenaussagen, die vom Richter verlesen wurden, sprachen eine andere Sprache. Das Motiv für die drei Schlepperfahrten lag auf der Hand – Geld. Jeweils 100 Euro sollte der Ukrainer pro geschleppter Person erhalten. „Das sind 3.600 Euro, also ein Jahresverdienst für Sie“, rechnete Hohenecker ihm vor. In seiner Heimat erhalte er eine Pension in der Höhe von 300 Euro gab er anfangs der Verhandlung über seine Verhältnisse an.

Auf die Spur kamen die Behörden dem Mann unter anderem mit zynisch als „Willkommens-Videos“ bezeichneten Aufnahmen. Mit diesen beweisen Schlepper, dass sie Menschen erfolgreich geschleust haben. Die Geschleppten sind dabei zu sehen, wie sie aus dem Fahrzeug aussteigen, ihren Namen und das Datum sagen und sich anschließend in kleinen Gruppen in der Umgebung verstreuen. Erst nach der Erstellung solcher Aufnahmen erhalten die Fahrer in ihrer jeweiligen Heimat ihr Geld.

Die Staatsanwaltschaft sei nur mit einer empfindlichen Freiheitsstrafe zufrieden, stellte Daniela Temsch im Schlussplädoyer unumwunden klar. Er sei zwar das unterste Rädchen, aber gerade dieses sei besonders wichtig. Ohne sie fänden keine Schleppungen statt. Das sah der Schöffensenat auch so. Das rechtskräftige Urteil bei diesem Auftakt zu weiteren Anklagen gegen die größte Schlepperbande seit 2015 lautet auf drei Jahre Freiheitsstrafe.

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