Wurm und Käfer bedrohen die Feldfrüchte. Der Regen der letzten Tage kam wie gerufen, für die Rüben aber zu spät: Der Rübenrüssler hat wieder voll zugeschlagen.

Von Veronika Löwenstein. Erstellt am 08. Mai 2019 (05:39)
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Josef Hirsch auf seinem letzten verbliebenen Rübenfeld. Kübelweise hat er die Käfer eingesammelt – bei 40.000 pro Hektar aber ein wirkungsloses Unterfangen.Löwenstein

Fragend überblickt Bezirksbauernkammerobmann Josef Hirsch aus Rückersdorf sein letztes Rübenfeld: Den letzten paar verbliebenen Pflänzchen eine Chance geben oder doch Mais anbauen, grübelt der Landwirt.

7,5 Hektar seiner insgesamt 10 Hektar großen Rübenanbaufläche hat der Rübenderbrüssler bereits kahl gefressen. Der Schädling liebt Wärme und Trockenheit. „Ein Drittel der Anbaufläche im Bezirk ist weg“, schätzt Hirsch.

Hirsch: „Es ist zermürbend und enttäuschend“

Im letzten Jahr hat der Käfer in Sierndorf und Hausleiten große Schäden angerichtet, heuer ist er im Bereich Großmugl besonders aktiv. Bis zu 40.000 Käfer tummeln sich auf einem Hektar.

„Es ist zermürbend und enttäuschend“, beschreibt Hirsch die Gefühlslage der Landwirte. Es ist bereits das zweite Jahr, in dem der Rübenderbrüssler so intensiv auftritt. „Das ist ungewöhnlich“, meint er. Die Bauern graben Kübel mit Lockstoffen ein und sammeln die Käfer ein – ein Tropfen auf den heißen Stein.

NOEN
Der Rübenderbrüssler oder Rübenrüssler frisst die Blätter der kleinen Rübenpflanzen.

„Es hilft kein derzeit zugelassenes Insektizid“, bedauert Hirsch. Noch will er die Flinte nicht ins Korn werfen und es auch nächstes Jahr mit dem Rübenanbau versuchen. „Man denkt aber über eine Reduzierung nach, immerhin fallen ja Kosten für das Saatgut an.“ Die Zuckerindustrie ist derzeit bemüht, ein Mittel gegen den gefräßigen Käfer zu finden.

Neu ist der Rübenderbrüssler nicht, ungewöhnlich ist nur die Intensität seines Auftretens. Vermutet wird ein Zusammenhang mit der Erderwärmung. Angesichts der Trockenheit in den ersten vier Monaten fürchten die Bauern auch um die Erdäpfelernte.

Der Drahtwurm, der bei trockenen Böden die Feuchtigkeit in den Erdäpfelknollen sucht und Gänge in die Feldfrucht frisst, hat im letzten Jahr rund 25 Prozent der Ernte für den Handel unbrauchbar gemacht. Die Folge: Man findet heute kaum noch inländische Ware im Lebensmitteleinzelhandel. „Die großen Verpacker haben alle auf ausländische Ware umgestellt“, sagt Hirsch, der einen Engpass dieser Dimension noch nie erlebt hat.

Hirsch fordert Produktion zu gleichen Bedingungen

Bis zum Jahr 2016 setzte die Landwirtschaft ein Mittel gegen den Drahtwurm ein, das aber als giftig eingestuft und nicht mehr zugelassen wurde. Die derzeit angebotenen Erdäpfel stammen vor allem aus Ägypten und Israel. „Was dort für Mittel erlaubt sind, wissen wir nicht“, veranschaulicht der Bezirksbauernkammerobmann die Problematik.

Er fordert nicht, dass das Mittel wieder in Österreich eingesetzt werden darf, sondern eine Produktion zu gleichen Bedingungen: „Wenn wir diese Auflagen haben, dann muss man auch bei den importierten Erdäpfeln schauen, ob diese Mittel verwendet werden.“

Ob der Drahtwurm den Landwirten auch heuer wieder das Leben schwer macht, lässt sich noch nicht absehen. Der Regen der letzten Tage könnte einiges wieder gutgemacht haben. Die Niederschläge waren nicht nur für die Feldkulturen wichtig, „sondern auch für unser Gemüt“, so Hirsch. Immerhin fielen von Februar bis April nur zehn Prozent der durchschnittlichen Niederschlagsmenge.